«

»

Aug
29

Der Countdown läuft – Wo tut sich noch was bis zum Transferschluss?

Vier Spieltage sind eigentlich zu wenig, um über das Leistungsvermögen einer Bundesligamannschaft zuverlässig Aufschluss zu erhalten. Für viele Trainer und Manager müssen diese vier Spiele aber reichen – schließlich schließt das Transferfenster am Mittwoch um 24 Uhr für knapp vier Monate. Wo tut sich bis dahin noch was?

Die vergangenen Spielzeiten haben gezeigt, dass der Transfermarkt in den letzten Augusttagen noch einmal richtig Fahrt aufnimmt. Die einen versuchen, den lange angebaggerten Hochkaräter doch noch an Land zu ziehen. Das Gros sieht jedoch nach den ersten Partien dringenden Handlungsbedarf. Wohl dem, der über genug Geld auf dem Festgeldkonto verfügt, um nach Lust und Laune den Einkaufswagen voll zu machen.

Viele Vereine müssen jedoch erst einen oder mehrere Spieler los werden, um überhaupt jemanden holen zu können. Dass solche Last-Minute-Geschäfte auch schon einmal platzen können, hat die Vergangenheit gezeigt. Ich würde jedenfalls jedem Verein und Spielerberater empfehlen, sein Faxgerät auf Funktionstüchtigkeit zu prüfen. Das betrifft vor allem die Vertreter aus Hamburg und Wolfsburg.

Aktionismus garantiert – Hier passiert definitiv noch etwas

Ein mieser Saisonstart ist normalerweise das verlässlichste Indiz für Panik-Transfers. In dieser Hinsicht werden sich vor allem der Hamburger SV (aktuell Tabellenletzter) und der VfL Wolfsburg (aktuell 15., so wie schon am Ende der vergangenen Saison) hervortun. Nicht, dass es nicht auch bei anderen Klubs Bedarf gäbe. Doch die Kölner sind klamm und müssten erst Spieler abgeben, bevor Transfers getätigt werden können. Und andere, wie die Kaiserslauterer, Augsburger oder Freiburger haben von vornherein nichts anderes als den Abstiegskampf einkalkuliert. Hier ist kein Aktionismus zu erwarten. Anders sieht es aus beim…

…Hamburger SV

Bedarf ist beim vom Aussterben bedrohten Bundesliga-Dino derzeit auf fast jeder Position. Für das Tor wurde vor ein paar Tagen erst der vereinslose Sven Neuhaus verpflichtet – sicher nicht als Nummer eins. Obwohl die Abwehr derzeit das Hauptproblem zu sein scheint (14 Gegentore nach 4 Spielen) hat Sportchef Frank Arnesen vor allem Verstärkungen für die Offensive angekündigt. Da der HSV eigentlich sparen wollte und sich vermutlich auch nicht mehr allzu viel Geld in der Kriegskasse befindet, muss erst jemand abgegeben werden (womöglich Elia; aber auch Guerrero, Jansen oder Petric würden Geld bringen).

Doch wer soll kommen? Namen wie Michael Ballack und Diego machten bereits die Runde. Das sind zwar nominelle Hochkaräter, die man sich beim HSV unter Bernd Hoffmann noch gut hätte vorstellen können. Doch der fast 35-jährige Michael Ballack würde nicht nur viel Geld kosten, sondern auch automatisch noch mehr Unruhe in den Verein bringen – wenngleich er beim HSV mit Sicherheit eine zentrale Rolle spielen würde und die Chance hätte, es allen noch einmal zu zeigen. Auch der Name Diego würde erst dann realistisch, wenn der einst geniale Brasilianer bereit wäre, deutliche Gehaltseinbußen hinzunehmen (ähnlich groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass der HSV dieses Jahr Deutscher Meister wird). Fraglich ist zudem, ob der Abstiegskampf Diegos Ding wäre.

Wer wird also kommen? Vermutlich wird man sich am Ende tatsächlich die Dienste eines durchaus prominenten Spielers sichern. Arnesens Präferenz für die Premier League ist bekannt. Man werfe nur einmal einen Blick auf die Reservebänke von Man City, Liverpool oder Tottenham. Da ist bestimmt einer dabei. Noch ein Chelsea-„Talent“ kann der Däne der Hamburger Öffentlichkeit jedenfalls kaum mehr verkaufen.

VfL Wolfsburg

Bereits letzte Woche habe ich prognostiziert, dass Felix Magath noch einmal aktiv wird (ok, dafür muss man keine seherischen Fähigkeiten besitzen). Das 0:3 von Freiburg dürfte ihn sicherlich nicht ruhiger gemacht haben. Magaths Vorteil: Er muss niemanden verkaufen, um sich neue Akteure leisten zu können. Auch wenn er nach Simon Kjaer (für 10! Millionen Euro zum aus der Europa League bereits ausgeschiedenen AS Rom) am liebsten auch noch Diego und vielleicht noch Patrick Helmes oder Thomas Kahlenberg loswürde.

Im Tor scheinen die Tage von Diego Benaglio gezählt. Dass Magath für den Rest der Hinrunde Marwin Hitz das Vertrauen schenkt, kann man sich allerdings kaum vorstellen. Timo Hildebrand, der unter Magath schon in Stuttgart das Tor hütete, ist derzeit vereinslos und wäre entsprechend günstig zu haben. Vielleicht nimmt „Quälix“ aber noch einmal richtig Geld in die Hand für eine Nummer eins.

Für die Abwehr hat der VfL erst in der vergangenen Woche drei Spieler geholt. Aber einer mehr oder weniger fällt da auch nicht mehr groß ins Gewicht, oder?

Für das Mittelfeld fällt immer wieder der Name Michael Ballack. Auch den kennt Magath schon aus gemeinsamen Zeiten, 2004 bis 2006 bei Bayern war Ballack Magaths zentrale Figur. Außerdem hat Leverkusen den „Capitano“ mehr oder weniger direkt ins Schaufenster gestellt, nur das Preisschild fehlt noch. Ballack war zudem bereits vor einem Jahr einem Wechsel in die Autostadt gegenüber nicht abgeneigt. Weiterhin dürfte er in Deutschland nirgendwo anders mehr verdienen. Im Grunde ist die Konstellation „perfekt“, zumal Ballack in Wolfsburg noch einmal „im Wind“ stünde.

Auch der Name Tomas Rosicky fällt immer wieder. Der mittlerweile 30-jährige Tscheche, der vor 10 Jahren noch als eines der größten Versprechen im europäischen Fußball galt, war zuletzt bei Arsenal oft nur Reservist. Seine Karriere hat einen deutlichen Knick erlitten. Dennoch hat sein Name in der Bundesliga seit seiner Dortmunder Zeit (2001-2006) einen guten Klang. Unrealistisch scheint sein Wechsel nicht. Aber ob er es noch drauf hat?

Vorne backt Felix Magath scheinbar kleine Brötchen – oder nur zum Schein? Große Namen werden dementiert, der Wunschstürmer des Trainers soll der 21-jährige Schwede Rasmus Jönnson von Helsingborg IF sein. Kein Name, mit dem man die Konkurrenz in Angst und Schrecken versetzt. Doch Magath wollte ihn bereits vor einem halben Jahr nach Schalke lotsen, er scheint von ihm ernsthaft überzeugt zu sein.

Transfers nicht ausgeschlossen

Langer Rede kurzer Sinn: Der HSV und die „Wölfe“ sind die großen Anwärter auf den inoffiziellen Titel „Last Minute-Transfermeister“. Doch jeder der 18 sportlichen Leiter wird in diesen Tagen die Augen offen halten nach Spielern, deren (vermeintliches) Preis-Leistungsverhältnis stimmt.

Bei den meisten Vereinen scheint der Kader jedoch zu stehen, sofern kein wichtiger Spieler mehr den Verein verlässt. Allenfalls dem FC Schalke würde ich noch den Zukauf eines nicht ganz billigen Stürmers zutrauen, der in die Rangnick-Philosophie passt. Immerhin ist durch den Einzug in die Gruppenphase der Europa League eine gewisse „Planungssicherheit“ (das Unwort der letzten Jahres in der Branche!) entstanden.

Aber die Bundesliga wäre nicht die Bundesliga, wenn sich nicht bis Mittwochnacht die Ereignisse noch überschlagen würden. Ausschließen kann man allenfalls, dass Messi oder Cristiano Ronaldo die Liga bereichern.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*