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Mai
18

Der deutsche EM-Kader im Check

27 Spieler, darunter 14 Weltmeister, stehen im vorläufigen deutschen Kader für die EM 2016 in Frankreich. Bis zum 31. Mai muss Bundestrainer Joachim Löw noch vier Spieler streichen. Die EURO startet am 10. Juni, das Finale steigt am 10. Juli in Paris. Ob Deutschland dabei mit diesen Kandidaten dabei sein wird? Die Nominierten im EM-Check.

TOR:

1 Manuel Neuer (Bayern München/30 Jahre/64 Länderspiele)

Der beste Torhüter der Welt ist natürlich auch in Frankreich die deutsche Nummer eins. Bei Bayern München wird der „Keeper Sweeper“ weder auf der Linie noch als mitspielender Schlussmann sonderlich oft gefordert. Dies führte in der abgelaufenen Saison zu kleineren Unkonzentriertheiten. Bei der EM wird Neuer mehr zu tun bekommen und mit dem nötigen Fokus in gewohnter Manier zur Stelle sein. Im Tor ist der Weltmeister absolut titelreif.

12 Bernd Leno (Bayer Leverkusen/24/kein LS)

Bundestorwarttrainer Andreas Köpke ist ein großer Fan des Leverkuseners, der etwas überraschend im deutschen Aufgebot steht. Trotz der tollen Anlagen Lenos muss man Kevin Trapp (Paris St. Germain) und dem Schalker Ralf Fährmann eine stärkere Saison attestieren. Brisant: Um den Platz hinter Neuer wird sich Leno mit seinem gleichaltrigen „Intimfeind“ Marc-André ter Stegen duellieren, gegen den er in den DFB-Junioren-Auswahlteams stets das Nachsehen hatte. Dieser Konkurrenzkampf kann leistungsfördernd sein, er birgt aber für die gesamte Mannschaft unnötiges Konfliktpotenzial.

22 Marc-André ter Stegen (FC Barcelona/24/5 LS)

Bereits seit vier Jahren gehört ter Stegen zum engeren Kreis der deutschen Torhüter, als er 2012 im EM-Test gegen die Schweiz (3:5) ein unglückliches Debüt gab. Überhaupt waren seine Nationalelf-Auftritte bislang keine Eigenwerbung, allein beim 4:1 gegen Italien im März blieb er ohne Tadel. Der Pokal-Torhüter des FC Barcelona verkörpert den Typus Neuer, auch wenn er noch eine Klasse schlechter ist. Dennoch wäre er ein solider Ersatzmann im Fall der Fälle.

ABWEHR:

2 Shkodran Mustafi (FC Valencia/24/10 LS)

Bei der WM bis zu seinem Muskelfaserriss noch überforderte Verlegenheitslösung auf der Rechtsverteidiger-Position, hat Mustafi in den vergangenen zwei Jahren eine Entwicklung zu einem überdurchschnittlichen Innenverteidiger durchgemacht. Als Nummer drei oder vier dürfte Löw ihn auf dieser Position auch bei der EURO einplanen. Für hinten rechts hat der Bundestrainer nun qualitativ und quantitativ mehr Auswahl.

3 Jonas Hector (1. FC Köln/25/12 LS)

Auf der langjährigen Problemposition des Linksverteidigers genießt der Kölner seit seinem Debüt im Herbst 2014 das uneingeschränkte Vertrauen Löws. Hector ist keine Premium-Lösung, aber eine überaus verlässliche Kraft, die zuletzt auch offensiv immer mehr Akzente setzte. Geht zu Recht als Nummer eins hinten links in die EM. Eine klare Alternative für die Position hat der Bundestrainer auch gar nicht nominiert. Hectors Vor- und Nachteil zugleich: Für eine weitere Position kommt er nicht infrage. Der Kölner ist damit neben den Torhütern und Mittelstürmer Mario Gomez einer der wenigen Spezialisten im Team.

4 Benedikt Höwedes (Schalke 04/28/32 LS)

Beim WM-Titelgewinn hatte Höwedes mangels Alternativen seinen Stammplatz auf der Position des linken Verteidigers. Ist dort gerade in der Defensive eine zweikampfstarke Lösung. Nach vorn entfacht der Schalker aber zu wenig Drang, da ist er auf der ihm genehmeren rechten Seite eine stärkere Waffe. Eigentlich ist Höwedes aber im Zentrum zu Hause. Hier geht er angesichts der Stärke des künftigen Bayern-Abwehrblocks Boateng/Hummels allerdings bestenfalls als dritter Mann ins Turnier. Idealer Back-Up für Löw, weil er ihn in der Abwehr auf jeder Position bringen kann.

5 Mats Hummels (Borussia Dortmund/27/46 LS)

Der künftige Bayern-Spieler ist der spielstärkste deutsche Verteidiger und hat mit dieser Qualität bei Löw mittlerweile einen dicken Stein im Brett. In Top-Form – wie bei der WM 2014 und auch im letzten halben Jahr – ist Hummels einer der besten Verteidiger der Welt. Geht aber manchmal ein zu großes Risiko bei Zweikämpfen vor dem eigenen Strafraum ein und entblößt so das Zentrum. Dennoch zurecht als Innenverteidiger gesetzt.

14 Emre Can (FC Liverpool/22/5 LS)

Defensiver Mittelfeldspieler, Innenverteidiger in einer Dreierkette oder rechter Verteidiger in einer Viererkette – Can ist ein Spieler, der Löw viele taktische Möglichkeiten gibt. Unter Trainer Jürgen Klopp ist der Deutsch-Türke beim FC Liverpool deutlich gereift. Dennoch war Can gerade im Nationaldress bislang nicht vor Nervosität gefeit. Sein erstes großes Turnier wird zum Test. Er wird bei der EM Minuten bekommen. Wie viele, hängt von ihm selbst ab.

16 Antonio Rüdiger (AS Rom/23/9 LS)

Der physisch starke Verteidiger ist einer der Lieblinge des Bundestrainers. Bringt vieles mit, um einmal in die Fußstapfen von Jerome Boateng zu treten, ist aber zu oft noch unbeherrscht und stößt gegen Top-Gegner noch an seine Grenzen. Als Innenverteidiger wohl nicht mehr als die fünfte Wahl, als Rechtsverteidiger Option drei bis vier. Das könnte zu wenig sein, um es in den Kreis der letzten 23 zu schaffen.

17 Jerome Boateng (Bayern München/27/57 LS)

Seit Jahren einer der besten Innenverteidiger der Welt. Mit 27 wohl auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit. Die Aussetzer seiner frühen Nati-Jahre hat Boateng mittlerweile so gut wie abgestellt. Nach seiner Muskelverletzung zu Beginn der der Rückrunde sollte der Bayern-Abwehrchef wieder nah an 100 Prozent sein. Seine Physis ist einzigartig. Ohne Wenn und Aber ein Stützpfeiler in Löws System.

21 Sebastian Rudy (1899 Hoffenheim/25/10 LS)

Ein weiterer Löw-Liebling. Taktisch gut geschulter Sechser, der aber in der Nationalelf auf der Position des Rechtsverteidigers seine größten Einsatzchancen hat. Seine Saison war so wechselhaft wie die Formkurve seines Vereins 1899 Hoffenheim. Wahrscheinlich, dass Löw an ihm festhält – weil nicht nur hinten rechts, sondern womöglich auch im defensiven Mittelfeld die Optionen rar werden könnten.

MITTELFELD/ANGRIFF:

6 Sami Khedira (VfB Stuttgart/29/58 LS)

Seit sechs Jahren ist Khedira als zweikampfstarker und zugleich spielintelligenter Mittelfeldspieler eine Bank im Nationalteam. Bei Juventus Turin hat der Weltmeister eine bärenstarke Premieren-Saison hinter sich. Einziges Manko: Seit seinem Kreuzbandriss Ende 2013 wird Khedira die Verletzungsseuche nicht los. Der 29-Jährige geht auch angeschlagen in die EM-Vorbereitung. Ist er fit, ist er unverzichtbar – zumal auf der Sechserposition in Ilkay Gündogan bereits eine hochkarätige Alternative verletzt ausfällt und die Gesundheit von Bastian Schweinsteiger kaum Anlass zur Hoffnung auf viele Einsätze zulässt.

7 Bastian Schweinsteiger (Manchester United/31/114 LS)

Bastian Schweinsteiger ist in seinem Fußballerleben schon oft totgesagt worden – und doch immer wiedergekommen. Nach fast 13 Jahren Profifußball am Rande der Verschleißgrenze scheint der Körper des Kapitäns aber nicht mehr mitzumachen. Sein Wechsel im vergangenen Sommer zu Manchester United war mutig und notwendig zugleich, denn bei Bayern hatte er unter Pep Guardiola kaum noch Perspektiven. In Manchester waren gesundheitliche Probleme Schweinsteigers ständiger Begleiter. Ehe er zur Hochform finden konnte, kam die nächste Verletzung. Mit einer noch nicht ganz kurierten Innenbandverletzung reist der Kapitän nun zur Nationalelf. Löw wird ihn mitnehmen, wenn es/er irgendwie geht. In die Form von 2014 wird er aber nicht mehr kommen.

8 Mesut Özil (FC Arsenal/27/72)

Begnadeter Techniker mit tollem Auge, der aber seit seinem kometenhaften Aufstieg bei der WM 2010 bei großen Turnieren im Nationaltrikot zu wenig aus seinen gigantischen Möglichkeiten gemacht hat. In den entscheidenden Momenten wirkt der Linksfuß, der das uneingeschränkte Vertrauen des Bundestrainers genießt, immer etwas lethargisch und ohne den letzten Punch. Mit 27 wird es langsam Zeit, das abzulegen.

9 André Schürrle (VfL Wolfsburg/25/50 LS)

Der Super-Joker der WM 2014 spielt seit zwei Jahren irgendetwas zwischen Fisch und Fleisch. Sowohl beim FC Chelsea als auch seit 16 Monaten beim VfL Wolfsburg vermisste man den unwiderstehlichen Antritt und den eiskalten Abschluss des Außenstürmers. Schürrle scheint auf dem Platz mittlerweile sehr viel nachzudenken. Ist bei der EM bestenfalls Einwechselkandidat.

10 Lukas Podolski (Galatasaray Istanbul/30/127 LS)

Vor zehn Jahren war Podolski Deutschlands Liebling, ein Nachwuchsstürmer mit eiskaltem Abschluss und schier grenzenlosen Möglichkeiten, auf den vor allem mit dem Adler auf der Brust immer Verlass war. Entgegen aller Kritik an Podolski, der außerhalb Kölns in seinen Vereinen stets Probleme hatte, hat Löw mit Nibelungentreue an dem Linksfuß festgehalten. Seine Rolle ist im Lauf der Jahre aber von der Stammkraft zur Gute-Laune-Kraft mutiert. Während Podolski sich fußballerisch und taktisch kaum weiterentwickelt hat, haben ihn jüngere und lernbereitere Spieler links und rechts überholt. Löw wird ihm vermutlich ein letztes Mal die Treue halten. Aber mehr als Kaderplatz 21 bis 23 wird in Frankreich nicht drin sein.

11 Marco Reus (Borussia Dortmund/26/29 LS)

Die WM 2014 war eigentlich dazu bestimmt, das Turnier des Marco Reus zu werden. Der pfeilschnelle, technisch brillante und torgefährliche Offensivspieler war vor zwei Jahren eine Naturgewalt auf zwei Beinen. Dann brachte ihn eine Sprunggelenkverletzung im letzten Testspiel um das Turnier und den WM-Titel. Seither sucht Reus die Konstanz jener Tage. Er kann immer noch ein Spiel allein entscheiden, tut das aber immer seltener. Muss bei der EM um seinen Platz in der ersten Elf kämpfen.

13 Thomas Müller (Bayern München/26/70 LS)

„Müller spielt bei mir immer“, sagte Louis van Gaal im Sommer 2009 über den storchenbeinigen, nicht gerade filigranen Offensivspieler aus der Zweiten Mannschaft des FC Bayern. Seit seiner Beförderung zu den Profis gleicht die Karriere des Offensivspielers einem Märchen. Ob er als hängende Spitze oder Rechtsaußen eingesetzt wird, ist eigentlich egal. „Raumdeuter“ Müller geht immer dahin, wo ihn sein Instinkt hinzieht. Und oft genug fällt dann ein Tor. Das ist seit sieben Jahren so, das wird sich auch bei der EM kaum ändern.

15 Julian Draxler (VfL Wolfsburg/22/17 LS)

Das einstige Schalker Juwel hatte beim VfL Wolfsburg kein leichtes erstes Jahr. In der Champions League deutete der offensive Mittelfeldspieler seine Klasse mehr als nur an, in der Liga spielte er aber oft genauso dezent wie seine gesamte Mannschaft. Löw setzt auf das große Potenzial des schnellen Linksfußes. Er dürfte seinen Platz im 23er Kader sicher haben, wie bei der WM wird Draxler aber bestenfalls sporadisch zum Einsatz kommen.

18 Toni Kroos (Real Madrid/26/64 LS)

Bei der WM 2014 hat Kroos den Sprung zum Weltklasse-Regisseur vollzogen und diesen Level seither nicht verlassen. Bei Real Madrid wie auch in der Nationalmannschaft ist der umsichtige, passsichere und zugleich enorm abschlussstarke Mittelfeldspieler längst unverzichtbar. Ist er nicht verletzt oder gesperrt, wird Kroos keine Turnierminute verpassen.

19 Mario Götze (Bayern München/24/50 LS)

Nach drei unglücklichen Jahren bei Bayern München droht der WM-Goldjunge immer mehr zu einem zweiten Fall Lukas Podolski zu werden: Seine Leistungen im Verein geben eigentlich keinen zwingenden Anlass zu einer Nationalmannschaftsnominierung. Doch wenn er den Adler auf der Brust trägt, ruft er oft genug sein Potenzial ab und zeigt seinen Wert für das Team. Für Löw ist Götze als „falsche Neun“ in der Spitze die erste Alternative zu Mario Gomez. Das Megatalent dürfte bei der EURO gerade gegen defensiv stehende Gegner einige Chancen erhalten, sein Mega-Talent auch zu zeigen.

20 Karim Bellarabi (Bayer Leverkusen/26/10 LS)

War die Entdeckung des Spätsommers 2014. Als die frischgebackenen Weltmeister noch ein wenig müde und satt waren, drehte der bei Bayer Leverkusen fast schon aussortierte Rechtsaußen auf und ist seither Dauergast bei der Nationalmannschaft. Manchmal ist Bellarabi zu eigensinnig, aber mit seiner Dynamik und seinem Auge kann er eine Waffe sein – allerdings eher aus der zweiten und dritten Reihe. Denn für die Anfangsformation wird es nicht reichen.

23 Mario Gomez (Besiktas Istanbul/30/62 LS)

Nach drei verkorksten Jahren bei Bayern München und dem AC Florenz hat Gomez bei Besiktas Istanbul als Torschützenkönig und türkischer Meister sein Glück und sein Selbstvertrauen wiedergefunden. Letzteres ist gerade im Nationaldress seit seiner „Torverhinderung“ bei der EM 2008 gegen Österreich sein größtes Problem. Nach dem Rücktritt von Miroslav Klose ist Gomez der einzige echte Mittelstürmer nach Löws Gusto. Das muss aber nicht heißen, dass er bei der EURO immer spielt.

24 Julian Brandt (Bayer Leverkusen/20/kein LS)

Bellarabis Vereinskamerad ist der Aufsteiger der Rückrunde. Bereits als 18-Jähriger deutete Brandt in seiner ersten Bundesliga-Saison sein großes Talent an, fiel anschließend jedoch in das erwartete Loch. Seit März brillierte der Linksaußen in der Bundesliga aber mit sechs Toren und genialen Assists. Sein Selbstvertrauen ist derzeit gigantisch. Löw könnte ihn mitnehmen und einfach reinwerfen. Aber vermutlich vertraut der Bundestrainer auf die Routine, sortiert Brandt am 31. Mai aus und beruft ihn dafür nach der EM regelmäßig. In diesem Fall wird sich Brandt mit Olympia trösten dürfen.

25 Leroy Sané (Schalke 04/20/1 LS)

Manchester City soll im Winter einfach mal so 35 Millionen Euro für den Angreifer geboten haben. Nach nicht einmal 25 Profi-Spielen. Dass Sané dieses Geld wirklich einmal wert sein kann, deutet der Außenstürmer fast an jedem Wochenende in der Bundesliga an. Mit seiner Schnelligkeit, Finesse und Unbekümmertheit kann er bei der EM eine Überraschungswaffe sein. Löw wird ihn in den 23er Kader berufen.

26 Julian Weigl (Borussia Dortmund/20/kein LS)

Weigl, wer is‘ datt? Das fragte sich die Mehrzahl der Fans von Borussia Dortmund zu Saisonbeginn beim Blick auf die Startaufstellung der Schwarz-Gelben. Der No-Name-Einkauf von Zweitligist 1860 München hat schneller beim BVB Fuß gefasst, als er es vermutlich selbst erhofft hatte. Doch Trainer Thomas Tuchel schenkte dem ballsicheren Sechser unendliches Vertrauen und wurde nicht enttäuscht. 30 Bundesliga-Einsätze und zwölf Spiele in der Europa League sind so schlecht nicht. Weigl ist ein typischer Kandidat, der bis zum 31. Mai mal reinschnuppern darf und dann erst einmal wieder abreist. Aber wenn im defensiven Mittelfeld Personal-Engpässe entstehen, könnte er auch zur EURO fahren.

27 Joshua Kimmich (Bayern München/21/kein LS)

Liebling der Teenies, Liebling von Pep Guardiola, und wohl bald auch ein Liebling von Löw – im Haifischbecken Bayern München hat der feingliedrige Kimmich in seiner ersten Saison alle beeindruckt. Im zentralen Mittelfeld, als rechter Verteidiger und zur Not gar als Innenverteidiger bot der 1,76 cm kleine Schwabe teils herausragende Leistungen. Seine Vielseitigkeit könnte ihm den Platz im 23er Kader bescheren. Wenn Schweinsteiger nicht fit wird, ist Kimmich sogar unverzichtbar.

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