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Sep
25

Der französische Patient – Leiser Abschied für Ribéry?

Die hartnäckige Sprunggelenkverletzung von Franck Ribéry gibt Rätsel auf, sein Comeback ist nicht seriös abzusehen. Beim FC Bayern München läuft es auch ohne den einstigen Schlüsselspieler exzellent, dem mittlerweile 32-jährigen Franzosen droht eine „Verrentung“ im Stillen.

Vor zwei Jahren war Franck Ribéry auf dem Gipfel seines Schaffens: Deutscher Meister 2013, DFB-Pokalsieger 2013, Champions-League-Sieger 2013 mit Bayern München, dazu die heiß ersehnte Auszeichnung als „Europas Fußballer des Jahres“ vor den scheinbar außerirdischen Tormaschinen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi.

Elf Verletzungen bei Ribéry in zwei Jahren

Seit Beginn der Saison 2013/14 geht beim Zauberer auf dem linken Flügel aber fast nichts mehr. Sage und schreibe elf Verletzungen zog sich der Dribbelkünstler seither zu, verpasste dadurch mehr als 70 Pflichtspiele des FC Bayern.

Besonders mysteriös ist Ribérys aktuelle Blessur, eine Sprunggelenkverletzung aus dem März. Laut einer ersten Diagnose sollte er damit lediglich „wenige Tage“ ausfallen, bald sind es bereits 200. Wie sich erst im Frühsommer herausstellte, leidet Ribéry unter einer Knochenhautreizung, einer Überlastungserscheinung, deren Genesung extrem viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Und Zeit ist im Profifußball ein extrem kostbares Gut, besonders für einen 32-Jährigen.

Ribérys Comeback ist nicht abzusehen

Während Ribéry eisern schweigt, sich in der Reha täglich von Neuem quält und neben Physiotherapie und Muskeltraining einen Crosstrainer Test nach dem anderen absolviert, stärken ihm die Kluboberen weiter unbeirrt den Rücken. Allerdings vermag niemand mehr eine Prognose abzugeben, wann der sensible Künstler auf den Platz zurückkehrt. Sportvorstand Matthias Sammer sprach Anfang September nur noch von einer „Aufwärtstendenz“.

Angesichts dieser zaghaften Aussage darf kaum erwartet werden, dass Ribéry in diesem Kalenderjahr noch ein Spiel für den FC Bayern bestreitet. Sein letzter Einsatz datiert vom 11. März. Beim 7:0 im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Schachtjor Donezk glänzte Ribéry wie in besten Tagen, trug sich zudem mit dem Treffer zum 3:0 in die Torschützenliste ein.

Costa, Coman und das Alter spielen gegen Ribéry

Ein halbes Jahr später vermissen auch die Fans Ribéry gewiss immer noch. Doch der Schmerz hält sich in Grenzen, weil der FCB in der Verpflichtung von 30-Millionen-Mann Douglas Costa (Schachtjor Donezk) einen Volltreffer gelandet hat, der Brasilianer hat bereits jetzt den Status eines Publikumslieblings inne – ein Rolle, die Ribéry seit seiner Ankunft im Jahr 2007 gehörte.

Mit seinen irren Tempodribblings, seinen spektakulären Tricks und seiner unübertroffenen Quote von neun Torvorlagen nach sechs Ligaspielen droht der 25-jährige Brasilianer nun ausgerechnet Ribéry in Rente zu schicken. Zudem hat Bayern im 19-jährigen Kingsley Coman von Juventus Turin einen weiteren Flügelartisten geholt, der in seinen ersten drei Einsätzen (ein Tor, zwei Vorlagen) sein Potenzial mehr als nur andeutete.

Ribéry ist zu wünschen, dass sein Körper einen offenen Kampf mit seinen designierten Nachfolgern zulässt. Damit ein so großer Spieler seine Rente selbst bestimmen kann. Sein Vertrag läuft noch bis 2017, dann ist er 34. Doch auch im schlimmsten Fall hat Ribéry mit 15 Titeln, 299 Spielen, 104 Toren und 149 Vorlagen für seine „Familie“, wie er den FC Bayern oft bezeichnet, bereits jetzt. Für einen Weltklassesportler ist das freilich ein schwacher Trost.

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