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Nov
16

Der Furcht keine Chance: Unbedingt spielen!

Dem morgigen Länderspiel gegen die Niederlande dürfte der Deutsche Fußball-Bund bereits vor den Ereignissen vom Freitag nicht den höchsten Stellenwert eingeräumt haben. Durch die erschütternden Attentate von Paris ist der Sport nun komplett in den Hintergrund gerückt. Und doch könnte das Spiel kaum wichtiger sein.

Was in den Köpfen von Mats Hummels, Thomas Müller oder Sami Khedira vorgehen wird, wenn sie am Dienstagabend den Rasen der Arena in Hannover betreten, kann sich jeder ausmalen. Normalerweise erwartet man von Fußballprofis – erst recht, wenn sie Weltmeister sind –, sich unabhängig vom Weltgeschehen auf den Fußball zu fokussieren. Am Dienstag wird es im Prestigeduell Deutschland gegen Niederlande keinem Akteur über 90 Minuten gelingen. Und das ist in Ordnung.

Das Länderspiel nach dem Schrecken von Paris abzusagen, war eine Option. Eine Option, die beinahe Realität geworden wäre, wie Bundestrainer Joachim Löw am Montag einräumte: „Ich habe mir oft gedacht: Gibt es nicht vielleicht doch Wichtigeres als den Fußball? Am Samstagmorgen in Frankfurt hatte ich persönlich das Gefühl, dass dieses Spiel eigentlich nicht stattfinden kann und nicht stattfinden soll.“ Doch damit hätten die feigen Attentäter von IS genau das geschafft, was sie gewollt hätten. Sie hätten unsere Welt verändert, indem sie Furcht erzeugt hätten. Dass gespielt, ist daher die einzig richtige Entscheidung.

Die mehr als 120 Terroropfer von Paris hätten sich gewiss gewünscht, dass die Welt sich weiter dreht. Es ist zwar nur Fußball, doch das Match der Deutschen gegen die Niederlande, vor allem aber das der Franzosen zeitgleich in England, können durch die Strahlkraft des Spiels zur Verarbeitung der Ereignisse helfen. Solidarität hat schließlich viele Gesichter, und während die einen Blumen niederlegen, andere still beten, wieder andere ihr Facebook-Profilbild mit einem Tricolore-Filter versehen, tut der Fußball gut daran, seine völkerverbindende Kraft ausspielen.

Versammelt Euch im Stadion und vor den TV-Geräten. Gedenkt der Opfer in lauten und in stillen Gesten. Zeigt, dass unsere Gesellschaft die Werte in sich trägt, die man ihr einerseits gern nachsagt und die ihr auf der anderen Seite immer häufiger abgesprochen werden. Zeigt auch auf dem Fußballplatz, dass wir mit unserer Menschlichkeit und Empathie stärker sind als eine radikale Gruppe.

Der Tod kann uns in der heutigen Zeit an jedem Ort der Welt begegnen. Spätestens seit Freitag ist dies traurige Gewissheit. Furcht ist aber das Futter des Terrors. Gebt ihm keine Nahrung, sondern lasst ihn verhungern. Wichtig ist daher, dass gespielt wird. Nicht, wie das Spiel ausgeht.

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