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Feb
10

„Der Knurrer ist nicht mehr“ – Zum Rücktritt von Huub Stevens

Huub Stevens ist bei 1899 Hoffenheim wegen Herz-Rhythmus-Störungen zurückgetreten. Die Trainerkarriere des „Knurrers von Kerkrade“ ist damit wohl beendet. Er wird der Bundesliga fehlen.

Tränen und große Emotionen sind eigentlich nicht die Sache von Hubertus Jozef Margaretha Stevens. Selbst die „Meisterschaft der Herzen“ 2001 mit dem FC Schalke hatte der Niederländer, den alle Welt nur Huub nennt, relativ gefasst aufgenommen, während fast das komplette Gelsenkirchener Parkstadion in Tränen versank.

Bei seinem Rücktritt bei 1899 Hoffenheim am Mittwochnachmittag aber hatte der „Knurrer aus Kerkrade“ tatsächlich ein paar Tränen in den Augen. „Das Risiko ist zu groß, dass etwas passiert, was ich nicht will“, sagte Stevens, der die Kraichgauer nach 107 Tagen im Amt bei noch 14 ausstehenden Spielen auf dem vorletzten Tabellenplatz zurücklassen muss: „Ich denke schon, dass meine Karriere damit beendet ist. Der Knurrer ist nicht mehr, schade.“

Schalke durch Stevens wiederbelebt

Wegen Herz-Rhythmus-Störungen sagt der 62-Jährige ungewohnt leise Servus. Man kann ihm bei seiner Genesung und einer eventuell anstehenden Operation nur alles Gute – oder vielmehr: „Glück auf“ – wünschen. Mit keinem anderen Verein ist Stevens schließlich so erfolgreich gewesen und mit keinem Klub hat es für ihn so gepasst wie mit Schalke.

Dabei begann die Liaison eher unglücklich: 1996 wurde er mit Roda Kerkrade in der 1. Runde des UEFA-Cups von den Schalkern rausgeworfen, um in Runde 2 als Nachfolger von Jörg Berger auf der Bank der Königsblauen zu sitzen. Der damals allmächtige Manager Rudi Assauer vertraute dem „Käskopp“, wie er ihn oft im Scherz nannte, und keinem aus dem Bundesliga-Karussell.

Stevens sollte das Vertrauen zurückhalten. In einer „against all odds“-Situation mit zahlreichen Verletzten führte er die Schalker als krasser Außenseiter 1997 zum Sieg im UEFA-Cup-Finale gegen die Star-Truppe von Inter Mailand. Der Mythos Euro-Fighter, einer verschworenen Kämpfertruppe um „Kampfschwein“ Marc Wilmots, Jiri Nemec oder den Ur-Schalker Olaf Thon, war geboren.

Die Null stand nur auf Schalke so richtig

Mit seiner Maßgabe „Die Null muss stehen“ machte Stevens den minimalistischen Fußball Ende der 1990er Jahre salonfähig – und Schalke wieder zu einem „heißen“ Klub. 2001 fehlten nur Sekunden zum Gewinn der ersten Meisterschaft seit 43 Jahren, zumindest der DFB-Pokal blieb als Trost für die herausragend harmonierende Mannschaft um Klassekicker wie Ebbe Sand, Emile Mpenza und Andreas Möller. 2002 wiederholte Stevens den Pokalsieg, ehe er sich zu Hertha BSC nach Berlin verabschiedete.

Mit der Hauptstadtluft wurde Stevens allerdings gefühlt zu einem anderen Trainer. Die Null stand nicht mehr so oft, seine Schnodderigkeit gegenüber Spielern und auch Journalisten war nicht mehr so sympathisch, und zu guter Letzt blieben auch die Erfolge aus. Nach wenig mehr als einem Jahr wurde er entlassen.

Wanderjahre und Retter-Zeiten

Es begannen Stevens‘ Wanderjahre. Den 1. FC Köln führte er 2004/05 mit schnörkellosem Fußball und einem überragenden Jungstar Lukas Podolski im Angriff zum Bundesliga-Aufstieg. Allein wegen seiner kranken Frau kehrte er zunächst in die Heimat zu Roda Kerkrade zurück. Doch es war kein Abschied für immer.

Anfang 2007 übernahm Stevens den Hamburger SV in höchster Abstiegsnot, erreichte den UEFA-Cup – und ging wieder. Nach Stationen bei der PSV Eindhoven und Red Bull Salzburg kehrte Stevens 2011 nach Schalke zurück und strafte zunächst alle Kritiker Lügen, indem er keineswegs den befürchteten Mauerfußball spielen ließ und in die Champions League führte. Ende 2012 war das Tischtuch aber zerrissen, der knorrige Stevens und die zuweilen eigenwilligen Stars um Jefferson Farfan kamen nicht mehr zurecht. Seit Assauer weg war, hatten sich die Zeiten geändert.

Ein halbes Jahr versuchte sich Stevens 2013 in der Sonne Griechenlands bei PAOK Saloniki, doch die Bundesliga ließ ihn nie los. 2014 und 2015 übernahm er jeweils in höchster Not den VfB Stuttgart und hielt mit den Schwaben mit durchaus umstrittenen Methoden in der Menschenführung („Ihr seid alle Affen“) die Klasse. In Hoffenheim wollte er dies wiederholen – es wäre wohl auch bei bester Gesundheit schwierig geworden.

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