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Feb
23

Der nächste Lehrgang ist immer der beste – Kahn, Lehmann, Scholl und Effenberg machen den Trainerschein

Kahn, Lehmann, Scholl und Effenberg in einer Klasse – der DFB-Trainerlehrgang 2011/12 wird der prominenteste sein seit dem Wochenendworkshop, bei dem Klinsmann, Matthäus oder Brehme Ende der 1990er ihren Trainerschein bekommen haben. Hier ein nicht ganz ernstgemeinter Blick in die Zukunft.

Jeder Lehrer wird schon jetzt mit DFB-Trainerausbilder Frank Wormuth mitfühlen. In seiner Klasse tummeln sich im Schuljahr 2011/12 u.a. ein ewig wegen Krankheit fehlender Witzbold (Mehmet Scholl), ein Alphatier, das man besser nicht schief ansehen sollte (Stefan Effenberg), ein schnöselhafter Schlaumeier mit geschliffenen Manieren (Jens Lehmann) und ein verbissener Einzelgänger, der nur hier ist, „um sich persönlich weiterzuentwickeln“ (Oliver Kahn). Zum Glück für den Klassenlehrer steht keine gemeinsame Klassenfahrt in eine ranzige Jugendherberge im Harz an, doch auch so wird es sicherlich hoch hergehen. Ein Auszug:

Oliver Kahn beharrt trotz eindringlicher Bitte des lehrenden Personals darauf, den gesamten Unterricht im Stehen zu verfolgen. Er begründet das damit, dass er „ja schon 2006 auf der Bank gesessen“ habe.

Jens Lehmann überlegt kurz, ob er es Kahn aus Prinzip gleich tun soll, entscheidet sich dann aber dafür, in der ersten Reihe vor dem Lehrerpult Platz zu nehmen und sich durch charmantes und wissendes Lächeln ins Herz des Chefs zu spielen. Die Taktik geht auf – zumindest bis Lehmann zum ersten Mal nach vorne gebeten wird. Als Wormuth „den Jens“ bittet, am Flipchart die Viererkette zu erklären, reißt der nämlich dem Lehrer die Brille von der Nase und besteht darauf, mit „Herr Lehmann“ angesprochen zu werden. Er verlässt vorübergehend die Klasse, kehrt aber nach wenigen Minuten reumütig zurück – sein Hubschrauberpilot kommt ihn erst in drei Stunden abholen.

Stefan Effenberg gibt derweil zu verstehen, dass er gelangweilt ist. Den „Pipifax“ mit der Viererkette brauche man ihm nicht zu erklären, Spiele entscheide man mit Härte und Aggressivität. Um das zu unterstreichen, fährt Effenberg seinen Ellenbogen aus. Der „Tiger“ trifft dabei versehentlich (zwinker) seinen Nebenmann Mehmet Scholl im Gesicht. Der schreit auf – Scholls Nase blutet, ist vielleicht sogar gebrochen! Lehrer Wormuth schickt Scholl daraufhin zur Behandlung ins Sekretariat. Doch Scholl kommt nicht weit. Ein schneller Antritt, Faserriss!

Stefan Effenberg freut sich über den gewonnenen Freiraum zu seiner Rechten. Doch den nimmt sogleich Oliver Kahn ein, der mittlerweile zu der Auffassung gelangt ist, dass es einen als Gruppe weiter bringe, wenn sich die Führungspersönlichkeiten verbünden. Die Folge: Kahn und Effenberg stecken ihr Revier ab – Kahn kriegt die jungen, Effenberg die alten Blondinen – und bewerfen fortan Jens Lehmann mit Papierkugeln. Der hält sämtliche Kugeln, die aus kurzer Distanz auf ihn zugeflogen kommen, muss aber jede zweite aus größerer Entfernung passieren lassen. Er begründet das später mit den veränderten Flugeigenschaften des modernen Papiers.

Oliver Kahn wirkt zusehends gelangweilt vom Lehmann-Drangsalieren. Um seine Energien zu kanalisieren, beginnt er, sich die Papierkugeln selbst zuzuwerfen. Er hält alle und schlägt sie sofort lang ab. Sein Ziel, Lehrer Wormuth, verfehlt er dabei stets.

Mittlerweile ist Mehmet Scholl zurückgekehrt in den Unterricht. Das Nasenbluten war wirklich nur Nasenbluten, und der Faserriss behindert nicht beim Lernen. Scholl kann dem Ganzen sogar noch etwas Positives abgewinnen und feixt: „Vielleicht beantrage ich ja jetzt die griechische Staatsbürgerschaft, dann kann ich meinen Vornamen in Faseris ändern.“ Die Klasse braucht ein wenig, bis sie seinen Witz versteht. Dann prusten aber alle los. Scholl denkt sich zufrieden: Hat sich doch gelohnt, dass ich mir vom Delling immer ein paar Wortspiele aufschreiben lasse.

Zugleich sch(m)ollt Mehmet aber auch ein wenig, weil Oliver Kahn seinen Platz eingenommen hat. Er überlegt kurz, ob er diesen zurückzufordern soll, erinnert sich aber an seine eigenen Worte aus dem Jahr 1996 („Meine größten Ängste? Krieg und Oliver Kahn“) und setzt sich lieber in die letzte Reihe.

Lehrer Wormuth ist mittlerweile sichtlich genervt ob des schleichend voranschreitenden Unterrichts. Er greift zu einem unpopulären Mittel, um seine Klasse wieder gefügig zu machen und lässt eine unangekündigte Arbeit schreiben. Thema: „Wie man einen Gegner dominiert“.

Stefan Effenberg verwechselt das Ganze mit einer Praxis-Arbeit und holt zwei seiner Mitschüler noch im Klassenraum von den Beinen, um anschließend wie ein Feldherr vor ihnen zu posieren. Lehrer Wormuth reicht es, er schmeißt den “Cheffe“ aus dem Unterricht. Bei dem entlädt sich das gestaute Adrenalin auf einen Schlag. Er zeigt der Klasse seinen längsten Finger, brüllt Wormuth an: „Die Klasse hat ein Riesenspiel gemacht, nur ich war wieder scheiße, oder was?!“ Jens Lehmann versucht zu vermitteln, handelt sich von Effenberg aber nur ein „Red‘ ich mit Dir?!“ ein. Der “Tiger“ packt seine Sachen, verlässt den Raum aber nicht, ohne allen zumindest „einen schönen Abend noch“ zu wünschen. Der Legende nach wurde er bald darauf in Mönchengladbach gesehen, um sich als Sportdirektor/Manager/Trainer/Zeugwart/Fanbeauftragter anzubieten.

Oliver Kahn hat die Zeit genutzt und schon einmal mit dem Schreiben begonnen. Der Lärm konnte ihm nichts anhaben, Kahn fokussierte sich voll auf das Blatt Papier vor sich. Hier ein paar Auszüge seiner Arbeit: „Die einfachste Methode, einen Gegner zu dominieren ist, ihm Angst einzujagen. Stufe 1: Brüllen und böse gucken. Stufe 2: Körperliche Dominanz ausüben, etwa in Form von Nasebohren (ich gegen Klose), Ohrbeißen (ich gegen Herrlich), Kung-Fu (ich gegen Chapuisat) oder dem Hamstergriff (ich gegen Brdaric); ist kein Gegner verfügbar, nimmt man halt den nächstbesten Mitspieler und schüttelt ihn durch (ich gegen Herzog). Stufe 3: Unbezwingbar sein und einfach alles halten, was auf das Tor kommt, ob Bananen oder Golfbälle.“ Kahns Arbeit weiß zu überzeugen – zumindest in Teilen. Wormuth fehlt jedoch der Weitblick, der “Titan“ beschränke sich in seinen Ausführungen zu sehr auf den eigenen Strafraum. Beim zweiten Blick fällt Wormuth zudem auf, dass Kahn Teile seiner Arbeit wortwörtlich bei der Doktorarbeit von Verteidigungsminister zu Guttenberg abgeschrieben hat – und zwar ohne Quellenangabe. Note 6. Kahn nimmt dies als Ansporn, sich immer weiter zu verbessern und noch mehr an sich zu arbeiten – und zwar so lange, „bis ich die Nummer eins bin“.

Auch Jens Lehmann nutzt die allgemeine Verwirrung. Er zieht heimlich einen Spickzettel aus dem Socken. Dummerweise stehen dort nur die Lieblingsecken von Ayala, Cambiasso, Riquelme & Co. drauf. Lehmann greift daraufhin zur Ultima Ratio. Er kontaktiert seinen alten „Buddy“, den Konrektor Oliver Bierhoff, via SMS. Der lässt Lehmann über den Lautsprecher ausrufen und schickt ihn „wegen eines akuten Krankheitsfalls“ nach Hause. Gerade noch mal gut gegangen. Da der Helikopter aber immer noch auf sich warten lässt, nimmt Lehmann kurzentschlossen die S-Bahn nach Hause. Er kommt drei Tage später in Starnberg an und entscheidet, sich das nicht nochmal anzutun und doch lieber als TV-Experte zu arbeiten.

Mehmet Scholl hat einen anderen Ansatz. Er schwört in seiner Arbeit darauf, in Strafraumnähe möglichst viele Freistöße herauszuholen und zu verwandeln. Ansonsten ist seine Prämisse, Zweikämpfen am besten aus dem Weg zu gehen (Verletzungsgefahr!). Da ihm beim Defensivverhalten nichts einfällt, füllt er die Seiten mit einem Best of seiner Witze. Weniger als null Punkte kann man schließlich nicht bekommen, und am Ende gibt das vielleicht noch einmal ein paar Sympathiepunkte, denkt sich “Scholli“. In der Tat lässt sich Wormuth erweichen und gibt für Scholls Satz „Dass es in Bremen nicht geklappt hat, lag an der Aad de Mos-Phäre“ einen Sonderpunkt. Logisch, stimmt es in der Mannschaft nicht, kann man auch keinen Gegner dominieren. Scholl kommt alles in allem zu einer 3 minus. Das reicht dem FC Bayern. Uli Hoeneß drückt beim DFB durch, dass sein Ziehsohn Scholl einen solchen Zirkus nicht mitzumachen braucht. Der DFB stimmt zu, dass der alte Trainerschein von Franz Beckenbauer auf Mehmet Scholl übertragen wird. Immerhin warten bei den Bayern große Aufgaben auf “Scholli“: Einer muss schließlich die Zweite Mannschaft in die 3. Liga zurückführen…

1 Kommentar

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  1. spox sagt:

    Wahnsinn, Heibel!
    Meinen größten Respekt für diesen verbalen Humor-Rundumschlag in alle Richtungen. Genial verschriftet. Selten so herzlich gelacht..

    Eine meiner Lieblingsstellen als immer noch glühender Scholl-Liebhaber.

    „Doch Scholl kommt nicht weit. Ein schneller Antritt, Faserriss!“

    was er ja mit dem „Faseris“ wieder rausriss!

    (Falls jmd an außergewöhnlicher Musik interessiert ist als Retourkutsche sozusagen, oben angegeben.)

    Dranbleiben & weiterlesen,
    der beatspox.

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