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Apr
15

Der SC Freiburg und der Fluch der guten Tat

Der Sinn des Fußballspiels besteht darin, Tore zu erzielen und Spiele zu gewinnen. Gelingt einem Verein das in der Bundesliga, kann man sich über Millioneneinnahmen aus dem Europapokal freuen. In Freiburg dürfte die Freude über einen eventuellen Einzug in die Europa League oder gar die Champions-League-Qualifikation gedämpft ausfallen. Das Team steht vor dem Ausverkauf, allein der Klassenerhalt kann in der kommenden Saison das Ziel sein.

„Über allem steht der Nichtabstieg. Wenn ich ans internationale Geschäft denke, müsste ich sogar Angst haben. Vereine, die überraschend in einen internationalen Wettbewerb kommen, steigen häufiger im darauffolgenden Jahr ab.“ Dieser Satz stammt vom Freiburger Trainer Christian Streich, getätigt unmittelbar nach der Bundesliga-Hinrunde im „kicker“. Würde man heute mit Streich sprechen, würde er diese Aussage gewiss sofort wieder tätigen. Ein Indiz ist gewiss seine Aussage aus der vergangenen Woche, wonach er „mehr an die nächste Saison als an die jetzige“ denke.

Streich weiß, dass der Standort Freiburg mit seinem alten, nur 24.000 Zuschauer fassenden Stadion in einer normalen Saison ein Abschneiden zwischen Platz 13 in der Ersten Liga und Platz sechs in der Zweiten Liga zulässt. Wenn es jedoch einen Ausreißer nach oben gibt – wie in der laufenden Saison gibt, wo das Team nach 29 Spieltagen Rang fünf belegt –, kann der Erfolg sogar zum „Problem“ werden.

Nie dagewesene Fluktuation droht

Dass die besten Spieler den SCF nach ein, zwei guten Spielzeiten verlassen und zu einem finanzkräftigeren Klub wechseln, kannte man bereits in Freiburg. Doch bislang musste man nie mehr als zwei, vielleicht drei Leistungsträger in einem Jahr gehen lassen. Selbst nach der legendären Saison 1994/95, als die Breisgauer sensationell den dritten Tabellenplatz erreichten, gingen die Stars Rodolfo Cardoso, Jörg Heinrich oder Jens Todt nicht auf einen Schlag, sondern peu à peu.

Nach dieser Spielzeit wird es anders aussehen. Der ablösefreie Jan Rosenthal hat sich bereits vor Wochen für Eintracht Frankfurt entschieden. Auch die mit einer Ausstiegsklausel in ihren Verträgen ausgestatteten Max Kruse und Daniel Caligiuri sind sicher weg, bei Eigengewächs Caligiuri ist allein der Name des neuen Arbeitsgebers noch ein Geheimnis. Auch weitere Jungstars aus der eigenen Top-Nachwuchsschmiede wie Torhüter Oliver Baumann, Rechtsaußen Jonathan Schmid, Sechser Johannes Flum sowie die Verteidiger Matthias Ginter und Oliver Sorg werden wohl nicht mehr allzu alt an der Dreisam.

Freiburg wird wieder einmal gutes Geld für seine Top-Spieler erhalten, und zwar völlig zu Recht. Doch die Vergangenheit hat bereits gezeigt, dass der SCF diese Ressourcen ebenso wenig wie eventuelle Europapokaleinnahmen in die Verbesserung der Mannschaft stecken wird. Nicht, weil man das nicht gern tun würde; sondern weil man damit seine Identität verlöre und womöglich mittel- und langfristig seinen Platz unter den besten 25 Vereinen in Deutschland aufs Spiel setzten würde.

Zum Kleinsein verdammt

Die Breisgauer sind nun einmal ein ewiger Ausbildungsverein. Das Mage-Solar-Stadion ist eine erstklassige Bühne für die Talente der eigenen Eliteschmiede, die sich nicht zuletzt wegen dieses Schaufenster-Charakters dem SCF anschließen. Weiterhin ist Freiburg ein Biotop für veranlagte Spieler, denen an anderer Stelle der Durchbruch nicht gelungen ist. Für sie alle gilt gleichermaßen: Bin ich gut, bleibe ich in Freiburg. Bin ich sehr gut, spiele ich bald woanders.

Freiburg, das sich seiner limitierten Möglichkeiten bewusst ist, kann im kommenden Sommer wieder einmal nur das Geld nehmen, das herauszuholen ist. In „Stars“ wird man es gewiss nicht investieren – das wäre nicht der Freiburger Weg. Man wird sich treu bleiben und hoffen, in der kommenden Saison wieder eine Sensation zu schaffen. Nur dass die dann nie Europapokal-Qualifikation heißt, sondern Klassenerhalt. Vielleicht blieben Christian Streich bei einem „marktgerechten“ Zieleinlauf ja auch ein paar Spieler mehr übrig…

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