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Feb
24

Der Slomka-Effekt? Eher eine Frage des Charakters

Der 3:0-Sieg des Hamburger SV über Borussia Dortmund nach acht Pflichtspielniederlagen in Folge war in der Höhe und in der Art und Weise beeindruckend. Den Turnaround auf den Trainerwechsel von Bert van Marwijk zu Mirko Slomka zurückzuführen, ist ein naheliegender Gedanke. Dieser Umstand spräche allerdings für einen überaus fragwürdigen Charakter der Mannschaft.

Dass neue Besen gut kehren, ist eine Binsenweisheit des Fußballgeschäfts. Obwohl Kontinuität die meisten Früchte trägt, haben in der Bundesliga-Geschichte unzählige Vereine nach einem Trainerwechsel kurzfristig einen massiven Schub erhalten. So erfreulich die Tatsache sein mag, dass Profis urplötzlich frei von Ängsten aufspielen, so bleibt allerdings immer auch ein fader Beigeschmack.

Dem neuen HSV-Trainer Mirko Slomka war es zwischen seiner Installierung am vergangenen Montag und seinem Premierenspiel am Samstag unmöglich, grundlegende Veränderungen in der Mannschaft vorzunehmen. Er konnte weder an der Ausdauer noch an der Abstimmung arbeiten noch in taktischer Hinsicht entscheidend einwirken.

Slomkas Arbeit in so kurzer Zeit konnte lediglich darin bestehen, in Gesprächen Vertrauen aufzubauen und vielleicht an ein paar kleinen Stellschrauben zu drehen. Hinzu kommt die mit jedem Trainerwechsel einhergehende Tatsache, dass auch chancenlose Akteure wieder bei null anfangen. Eine Chance, die in diesem konkreten Fall Petr Jiracek und Slobodan Rajkovic genutzt haben.

Qualität beginnt im Kopf

Doch wenn ein simpler Fakt wie ein Trainerwechsel tatsächlich bereits für eine derartige Trendwende ausreicht, dann waren die Spieler zuletzt entweder total blockiert – oder aber sie haben ihren Beruf einfach nicht ernst genug genommen. Dass jeder einzelne HSVer im wichtigen ersten Spiel der Ära Slomka sein positivstes Gesicht gezeigt hat, lässt wieder einmal die Frage nach dem Charakter der Mannschaft aufkommen.

Denn obwohl der Kader unausgewogen zusammengestellt ist und die Zahl der Innenverteidiger und zentralen Mittefeldspieler die der Flügelspieler bei Weitem überragt, besitzen die Akteure der Rothosen individuell hohe Qualität. Ausschließlich aktuelle oder ehemalige A-Nationalspieler beziehungsweise Junioren-Nationalspieler bilden den Kader.

Hamburgs Probleme reichen tief

Das Potenzial ist also unbestritten vorhanden. Dass es nun wie von Geisterhand abgerufen wurde, muss allerdings – so paradox es erscheinen mag – bedenklich stimmen. Denn es bedeutet nichts anderes, als dass bei vielen Spielern die Arbeitsauffassung das größte Problem ist. Slomka wird nun beweisen müssen, ob er das Engagement aus dem Dortmund-Spiel aufrechterhalten kann. Gelingt ihm dies, kann er parallel mit seiner eigentlichen Arbeit beginnen und die Spieler als Mannschaft besser machen.

Allein die Vorzeichen stehen schlecht. Seit dem 2007 geschassten Thomas Doll haderten die meist nur kurzzeitig angestellten Übungsleiter mit der Wankelmütigkeit der Mannschaft. Einigen wenigen Glanzleistungen, wie beispielsweise den beiden Siegen gegen den BVB aus der Vorsaison, folgten viele unerklärlich schwache Auftritte. Die HSV-Spieler müssen in den nächsten Wochen beweisen, dass sie besser sind als ihr Ruf.

1 Kommentar

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  1. WM News sagt:

    war wirklich ein Top-Spiel :) Ich denke heute sollten mehr Spieler behalten werden, andauernd wird verkauft und eingekauft..

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