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Mrz
26

Der Traum von spanischen Verhältnissen

Nach dem Einzug von Bayern München und Borussia Dortmund in Champions-League-Finale 2013 stellte sich ganz Fußball-Deutschland auf „spanische Verhältnisse“ ein, also auf zwei dominierende Klubs à la Real Madrid und FC Barcelona. Elf Monate später ist die Schere zwischen Deutschland und Spanien weiter auseinander gegangen. Der Blick schweift sehnsuchtsvoll auf die iberische Halbinsel.

Wann gab es das zuletzt in der Bundesliga? Neun Spieltage vor dem Ende der Primera División ist das Top-Trio Atlético Madrid (70 Punkte), Real Madrid (70) und FC Barcelona (69) nur einen Zähler getrennt. Rund 2000 Kilometer nordöstlich hat sich der FC Bayern München am Dienstag in Berlin bereits sich sieben Spieltage vor dem Saisonende seine 24. Deutsche Meisterschaft gesichert. Schneller war bislang niemand in einer der fünf großen Ligen.

Der Leistung des FCB gebührt größter Respekt. Besonders imposant ist die Tatsache, dass die Mannschaft nach dem Gewinn des Triple aus der Vorsaison nicht – wie von vielen erwartet – ein paar Prozent nachgelassen hat, sondern im Gegenteil unter der Leitung des neuen Trainers Pep Guardiola neue Ressourcen aufgetan hat. Der Lohn: Bis zum Saisonende am 10. Mai werden mit ziemlicher Sicherheit noch einige Bestmarken der 51-jährigen Bundesliga-Geschichte fallen.

Momentan scheint es unvorstellbar, dass diese „Dominanz“ – pardon, Herr Sammer: diese auf täglicher, harter Arbeit basierende aktuelle Stärke – kurz- oder mittelfristig ein Ende finden wird. Die Bayern sind national auf weiter Flur, haben in den letzten 61 Bundesligaspielen sagenhafte 50 Punkte mehr geholt als der vermeintliche große Widersacher Borussia Dortmund.

Spanien macht Hoffnung

Dennoch sollte man nicht verzweifeln und die Bundesliga zu einer Operettenliga erklären. Die Liga des Welt- und Europameisters sollte jedem Fan, der auf mehr Spannung hofft, Mut machen. In Spanien hatten Real Madrid und der FC Barcelona am Ende der Saison 2011/12 39 beziehungsweise 30 Punkte mehr auf dem Konto als der Dritte FC Valencia. Der heutige Meisterschaftswidersacher Atlético Madrid war seinerzeit mit 44 beziehungsweise 35 Punkten noch weiter von den nationalen Giganten entfernt.

In weniger als zwei Jahren ist es den Rojiblancos aber gelungen, diesen Rückstand durch ein klares fußballerisches Konzept und eine gute Balance bei der Kaderzusammenstellung wettzumachen. Geld hat dabei keine Rolle gespielt: Während Real in diesem Zeitraum 163 Millionen Euro in neue Spieler steckte und Barça immerhin noch 103 Millionen, robbte sich Atlético mit lediglich 40 Millionen Euro Transferausgaben heran – und verzeichnete nebenbei noch Einnahmen von 99 Millionen Euro.

Mehr Mut zur Courage

Real und Barcelona sind seitdem von ihrem Potenzial kaum schlechter geworden. Beide zählen auch in dieser Saison zum Favoritenkreis in der Champions League. Die Stärke des einen muss folglich nicht automatisch die Schwäche aller anderen bedeuten. Der FC Augsburg etwa zeigt momentan, wie man mit sehr kleinen Brötchen das Maximum aus seinen Möglichkeiten machen kann. Der Rest der Liga kann das auch! Dortmund, Schalke, Leverkusen oder Wolfsburg dürfen sich gern angesprochen fühlen.

Auflösung der Eingangsfrage: Es ist gerade einmal vier Jahre her, dass es in der Bundesliga neun Spieltage vor dem Saisonende ähnlich spannend zuging wie derzeit in der spanischen Liga. Nach dem 25. Spieltag der Saison 2009/10 war Bayern München Tabellenführer mit 53 Punkten. Schalke (51) und Leverkusen (50) waren absolut auf Schlagdistanz. Vermutlich blickte man damals in der einen oder anderen spanischen Redaktionsstube sehnsüchtig nach Deutschland und dachte sich: Wäre das toll, wenn wir auch mal deutsche Verhältnisse hätten…

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  1. #Link11: Die Luft ist raus | Fokus Fussball sagt:

    […] Tobias Escher auf seinem privaten Blog über die “Mär von der Spannung im Fußball”. Aktives Abseits lässt den Blick sehnsuchsvoll nach Spanien blicken und träumt von spanischen […]

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