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Jun
16

Deutschland mit 6 Punkten raus? Verbrüderung gegen Italien?

Bei der EURO in Polen und der Ukraine geht es allmählich in die heiße Phase. Vor dem letzten Gruppenspieltag ist noch keine Mannschaft sicher für das Viertelfinale qualifiziert. Der Modus erlaubt die verrücktesten Konstellationen. Sogar der UEFA-Koeffizient kann entscheiden. Vor allem in den Gruppen A, B und C kann es hochdramatisch werden.

Deutschland schlägt Dänemark souverän mit 2:0, zugleich rehabilitieren sich die Niederländer für die zwei Auftaktpleiten und besiegen Portugal mit einer engagierten Leistung ebenfalls mit 2:0. Auf einmal wäre Deutschland als Gruppensieger im Viertelfinale (logisch bei drei Siegen aus drei Spielen), und auch die Holländer hätten es in die K.O.-Runde geschafft – mit mickrigen drei Zählern. Die Konstellation in der Gruppe B erlaubt dieses kuriose Szenario.

Verrückte Rechenspiele bei der EURO – der Modus macht’s möglich

Genauso kann es aber passieren, dass die deutsche Mannschaft mit zwei Siegen aus drei Spielen ausscheidet. Dafür braucht es morgen „nur“ einen Sieg der Portugiesen gegen die Holländer in beliebiger Höhe und eine deutsche 0:1-oder 1:2-Niederlage gegen die Dänen. Dann hätten Portugal, Dänemark und Deutschland jeweils sechs Zähler auf dem Konto. Maßgeblich für die Platzierung in der Gruppe wäre dann nicht die Tordifferenz, sondern der direkte Vergleich der punktgleichen Mannschaften. Hier hätte jede der drei Mannschaften einen Sieg und eine Niederlage auf dem Konto. Entscheidend wäre somit das Torverhältnis aus diesen Partien. Hier würde es für die deutsche Mannschaft zum Boomerang, gegen die Portugiesen „nur“ mit 1:0, dem knappsten aller Siege im Fußball gewonnen zu haben. Ein 4:3 oder 5:4 gegen Portugal wäre zwar ebenfalls ein knapper Sieg gewesen (wenn auch ein denkwürdiger), er hätte den Deutschen aber quasi das Viertelfinale gesichert. Denn durch das 3:2 aus dem Spiel Portugal-Dänemark haben diese beiden Mannschaften den Vorteil, in den direkten Duellen viele Tore erzielt zu haben. Klar soweit? Also wenn morgen schon verlieren, dann bitte mit 2:3, 3:4 oder 4:5… Dann wären die Dänen zwar Gruppenerster vor Deutschland, doch das wäre wohl zu verschmerzen.

Riesige Spannung bei Portugal-Holland

Im Übrigen können sich morgen auch die Dänen trotz einer hypothetischen Niederlage gegen Deutschland noch qualifizieren, nämlich dann, wenn die Niederlande genau mit 1:0 gegen Portugal gewinnen sollte. In diesem Fall könnten die Dänen auch zehn Stück von der deutschen Mannschaft kassieren und wären immer noch eine Runde weiter. Bei einem 2:1, 3:2 oder 4:3 der Niederländer und bei einem gleichzeitigen deutschen Sieg gegen Dänemark in beliebiger Höhe wären dagegen die Portugiesen eine Runde weiter. Man sieht, das kann morgen durchaus dramatisch werden.

Ein deutsches Remis gegen Dänemark wäre dagegen beinahe ein langweiliges Ergebnis: Deutschland wäre dann definitiv Gruppenerster, die Niederländer definitiv raus. Die Portugiesen würde dann jedes Remis genügen, um die Dänen vom zweiten Platz zu verdrängen.

Gruppe A: Drama ist möglich

Auch die Gruppe A bietet einiges an Spannung vor den Parallelspielen heute Abend. Wenn Griechenland die Russen schlagen sollte und die Tschechen einen Punkt gegen die Polen erzielen sollten, wäre einerseits der Co-Gastgeber mit drei Punkten raus, andererseits hätten wir dann auch in der Gruppe A die Konstellation, dass drei Teams die gleiche Punktzahl auf dem Konto haben (nämlich vier). Jede der drei Mannschaften hätte je einen Sieg und eine Niederlage aus den direkten Duellen auf der Habenseite. Die Russen hätten dank ihres 4:1-Sieges gegen die Tschechen aber die besten Karten auf das Weiterkommen: Nur eine Niederlage gegen die Griechen mit sechs Toren Unterschied würde die Hellenen und die Tschechen eine Runde weiter bringen – aber daran glaubt wohl niemand.

Die Polen müssen gegen Tschechien in jedem Fall gewinnen, um das Viertelfinalticket zu erreichen. Die Höhe des Sieges spielt dabei keine Rolle. Auch ein Remis oder eine Niederlage würde Klarheit schaffen: Der Co-Gastgeber wäre definitiv raus. Schlagen die Polen die Tschechen (die dann raus wären), müssten die Russen wiederum aufpassen: Eine Niederlage gegen Griechenland in jeder Höhe würde das Aus für die „Sbornaja“ bedeuten. Gekas und Co. zögen dann als Zweiter in die K.O.-Runde ein.

Gruppe C: Ciao, Italia?

Auch in Gruppe C kann es zum „flotten Dreier“ an der Spitze kommen. Hierzu müsste Italien „nur“ einen Favoritensieg gegen die schon ausgeschiedenen Iren einfahren und zugleich die Spanier und die Kroaten Unentschieden spielen. Dann hätte jeder der drei an der Spitze gegen die Konkurrenten zwei Remis erzielt.

Besonders interessant wird es, wenn sich die Spanier und die Kroaten bei einem Sieg der Italiener exakt 1:1 trennen sollten. Dann hätten alle drei Partien der drei Besten in der Gruppe gegeneinander das gleiche Resultat. Dann würde derjenige Gruppenerster, der den höchsten Sieg gegen die Iren eingefahren hat. Spanien führt in dieser inoffiziellen Wertung mit 4:0, Kroatien hat die Iren 3:1 geschlagen. Das heißt für die Italiener: In dieser Konstellation reicht ein 2:0 gegen Irland nicht für das Weiterkommen, weil die Kroaten bei gleicher Tordifferenz mehr Treffer erzielt hätten. Italien bräuchte also einen Sieg mit drei Toren Unterschied oder ein 4:2, 5:3 etc.

Spielt Italien aber ebenfalls 3:1 gegen Irland, wären Italien und Kroatien exakt punkt- und torgleich und hätten gegen jeden Gegner in der Gruppe exakt das gleiche Resultat erzielt. Dann müsste der UEFA-Koeffizient entscheiden – und der ist bei den Italienern besser. Kroatien wäre dann raus.

Und bei jedem anderen Remis der Spanier gegen die Kroaten? Einen Sieg der Italiener gegen die Iren vorausgesetzt, wäre die Squadra Azzurra bei einem 0:0 im Parallelspiel Gruppenerster (Spanien wäre Zweiter). Jedes Remis mit vier und mehr Toren (also 2:2, 3:3, 4:4 etc.) würde Kroatien als Gruppenzweiten hinter Spanien eine Runde weiterbringen (aufgrund der höheren Anzahl der erzielten Tore im direkten Vergleich). Anders ausgedrückt: Würden sich die Spanier und die Kroaten „verbrüdern“ und sich schiedlich-friedlich auf ein 2:2, 3:3 etc. einigen, könnten die Italiener gegen die Iren auch zweistellig gewinnen, sie wären trotzdem raus!

Unabhängig davon müssen die Italiener ihr Spiel aber auf jeden Fall gewinnen. Ein Remis oder eine Niederlage gegen Irland würde Spanien und Kroatien automatisch eine Runde weiterbringen. Gelingt den Italienern aber ein Sieg und gibt es bei Spanien-Kroatien einen Gewinner, ist der Verlierer dieser Partie ausgeschieden. Auch hier verspricht die Konstellation also jede Menge Spannung.

Gruppe D: Fast schon ein Langeweiler

Einzig die Gruppe D kommt mit vermeintlich klaren Verhältnissen daher: Siegen die Franzosen gegen die schon ausgeschiedenen Schweden und die Engländer gegen die Ukrainer, gehen die Équipe Tricolore und die Three Lions mit je sieben Zählern eine Runde weiter. Da sich England und Frankreich 1:1 getrennt haben, würde die Tordifferenz aus allen drei Spielen über den Gruppensieg entscheiden. Hier haben die Franzosen durch ihr 2:0 gegen die Ukrainer einen Treffer „Vorsprung“ gegenüber den Engländern, die Schweden mit 3:2 besiegt haben.

Ähnlich wie Co-Gastgeber Polen, hat auch die Ukraine eine klare Vorgabe: Ein Sieg in beliebiger Höhe gegen England bringt die Mannschaft in die nächste Runde, ein Remis oder eine Niederlage bedeutet das Aus. Siegt die Ukraine, kann sich Frankreich sogar eine Niederlage gegen Schweden leisten – sie darf nur nicht höher ausfallen als die der Engländer. Eine Niederlage mit zwei Toren Unterschied würde für die Franzosen also das Aus bedeuten, wenn die Engländer mit nur einem Tor Differenz gegen die Ukraine verlieren sollten.

7 Kommentare

1 Ping

  1. Der Blatter Sepp sagt:

    Ich finde, man sollte wieder zurück zur simplen Tordifferenz. Das ist sehr viel transparenter für Spieler und Fans. Dann könnten sich auch die Spanier und Kroaten nicht „absprechen“ – wobei ich mir auch nicht vorstellen kann, dass die Spanier nicht den Ehrgeiz haben, dass Spiel zu gewinnen.

    Und wenn man gegen den Gruppenletzten 5:0 gewinnt, dann muss man eine Mannschaft auch dafür belohnen! Der direkte Vergleich sollte nur herangezogen werden, wenn neben den Punkten auch das Torverhältnis gleich ist.

  2. Besucher sagt:

    Da stimmt etwas nicht…

    Sie schreiben:

    „Nur eine Niederlage gegen die Griechen mit sechs Toren Unterschied würde die Hellenen und die Tschechen eine Runde weiter bringen – aber daran glaubt wohl niemand.“

    Gestern hat Griechenland nur 1:0 gegen Russland gewonnen und hat sich trotzdem qualifiziert.

    Wie erklaeren Sie das?

    1. Heibel sagt:

      Das erkläre ich mit dem nicht zu verzeihenden Fauxpas, dass ich in diesem Artikel nicht alle denkbaren Konstellationen durchgespielt habe. Bei dem geschilderten Fall geht es darum, dass Tschechien und Polen Unentschieden spielen – so wie es gestern ja auch lange Zeit war. Durch das 1:0 der Tschechen gegen die Polen war die Konstellation aber eine ganz andere.

      Im Übrigen: Bei 1:0 von Griechenland gegen Russland und einem Unentschieden bei Polen-Tschechien, wären Griechenland und Russland gemeinsam eine Runde weiter gewesen. Wäre Polen-Tschechen 0:0 ausgegangen, hätte Griechenland allerdings Schützenhilfe für die Tschechen leisten und die Russen rauskicken können: nämlich durch einen Sieg über Russland mit mindestens sechs Toren Unterschied (s. Artikel).

      Sorry dafür, dass ich mich unklar ausgedrückt habe. Aber auch als Leser darf man Sätze ruhig im Gesamtkontext sehen und sollte sie nicht immer isoliert für sich betrachten.

  3. zane sagt:

    Ich glaube dass ist das erste mal dass ich Sepp Blatter zustimmen kann ;)

  4. morbid sagt:

    Ich mag auch solche Rechnereien. Vielleicht haben sie ja auch schon über folgenden Spezialfall nachgedacht und wissen, wie verfahren wird:
    Mannschaften A, B, C, D spielen folgendermaßen
    A : B – 2:0
    C : D – 0:0
    A : C – 2:0
    B : D – 0:0
    A : D – 2:0
    B : C – 1:1

    B, C und D also Punktgleich mit 2 Punkten, D scheidet aber mit 0:0 Toren im direkten Vergleich gegenüber B und C aus, da diese jeweils 1:1 Tore aufweisen.

    Gibt es jetzt etwa kein Vorrunden-Elfmeterschießen zwischen B und C, sondern eine UEFA Koeffizient Entscheidung in der Vorrunde, weil es im Regelwerk heisst:

    …wird die Platzierung der beiden Mannschaften durch Elfmeterschießen ermittelt – vorausgesetzt, dass KEINE ANDEREN MANNSCHAFTEN derselben Gruppe nach Abschluss der Gruppenspiele dieselbe Anzahl Punkte haben.

    oder greift jetzt trotzdem die Elfmeterschießregel, eben weil die dritte Mannschaft D eh schon schlechter dasteht und logischerweise keinen Einfluss mehr haben sollte? Wäre eigentlich logischer, oder?

    1. plenzi sagt:

      Es stellt sich ja bei Anwendung der weiteren Kriterien erst heraus, dass Mannschaft D mit 0:0 Toren Gruppenletzer ist.

      Zunächt erfolgt die Prüfung, ob es ein Elfmeterschießen gibt.
      Sind genau zwei Mannschaften punkt- und torgleich und haben diese am letzten Spieltag Unentschieden gespielt -> Elfmeterschießen
      ansonsten: Tiebreak-Prozedur

      „… vorausgesetzt, dass keine anderen Mannschaften derselben Gruppe nach Abschluss der Gruppenspiele dieselbe Anzahl Punkte haben. Haben mehr als zwei Mannschaften dieselbe Anzahl Punkte, finden die Kriterien von Absatz 8.07 Anwendung.“

      Aber eigentlich wäre es logischer, sehe ich auch so :)
      Zumal die UEFA eine letzte Regeländerung vorgenommen hat, die den direkten Vergleich innerhalb der bereits durch den direkten Vergleich gebildeten Tabelle sozusagen ein weiteres Mal anwendet.
      Beispielhaft wäre ein 3-2 Dänemark-Deutschland gewesen

  5. Heibel sagt:

    Die Konstellation mit dem Elfmeterschießen hätte es fast bei der EURO 2008 gegeben. Vor dem letzten Gruppenspiel war Portugal bereits als Gruppenerster für das Viertelfinale qualifiziert und spielte im bedeutungslos gewordenen letzten Gruppenspiel gegen die schon ausgeschiedenen Schweizer.

    Die punkt- und torgleichen Türken und Tschechen trafen im direkten Duelle aufeinander. Damit war vorher klar: Gibt es ein Remis, wird ein Elfmeterschießen nach 90 Minuten herangezogen. Kurz vor Schluss stand es 2:2, doch die Türken erzielten quasi mit dem Abpfiff das 3:2 und verhinderten diesen Sonderfall.

  1. Dänemark siegt bei "Sexy Soccer" klar über Deutschland sagt:

    […] Wer spielt für Boateng Also ich weiß nicht klar ist es schrecklich was die Ukrainer daDeutschland mit 6 Punkten raus Verbrüderung gegen Italien Denn durch das 3:2 aus dem Spiel PortugalDänemark haben diese beiden Mannschaften den Vorteil […]

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