«

»

Apr
18

DFB-Pokal-Halbfinale: Triple-Baustein, Heimspiel-Traum oder Saison-Rettung

Vier Traditionsvereine kämpfen um den Einzug ins DFB-Pokal-Finale in Berlin. Während Bayern München am Dienstag gegen den tief gefallenen Rivalen Werder Bremen einen weiteren Schritt Richtung Triple gehen will, kämpft Hertha BSC tags darauf gegen Borussia Dortmund um die erste Final-Teilnahme in seinem „Wohnzimmer“ Olympiastadion. Für den BVB ist der Pokal nach Wochen der Enttäuschungen die letzte Titelchance.

So kurios es klingt, aber für Werder Bremen hätte der Einzug ins DFB-Pokal-Endspiel am 21. Mai in Berlin unter allen vier Halbfinal-Teilnehmern den geringsten Wert. Die Grün-Weißen, 2009 letztmals Pokalsieger und lange Jahre der Bayern-Jäger Nummer eins, stecken tief im Abstiegskampf. Es droht der zweite Gang in die 2. Bundesliga nach 1980.

Klassenerhalt geht für Bremen vor, aber…

Das Nord-Derby gegen den ebenfalls noch gefährdeten Hamburger SV am Freitag ist eigentlich wichtiger für die auch wirtschaftlich angeschlagenen Hanseaten. Gleiches gilt für die folgenden drei Ligaspiele, die dem Pokalfinal-Termin voranstehen. Doch ganz ohne Ambitionen reist Werder nicht in die Allianz-Arena. „Wir kommen mit großer Moral und großem Schwung nach München“, sagte Rekordtorschütze Claudio Pizarro, der 2013 noch mit dem FC Bayern das Triple gewann, nach dem wichtigen 3:2 gegen den VfL Wolfsburg.

Bayern-Coach Pep Guardiola wird nicht müde, seine Spieler zur Vorsicht zu mahnen. „Nur wegen der Trikots von Bayern München erreicht man nicht das Finale“, sagte der Spanier und führte aus: „Bremen hat in dieser Pokal-Saison Wahnsinniges vollbracht“. Tatsächlich kann Werder auf unerwartete Siege in Mönchengladbach (Achtelfinale) und Leverkusen (Viertelfinale) zurückblicken. Für Guardiola ist klar: „In einem Spiel kann alles passieren. Wenn unser Kopf ist nicht bei Werder Bremen ist, dann ist Werder Bremen im Finale.“

Bayerns Triple-Traum könnte unerwartet platzen

Dennoch ist Bayern München natürlich klarer Favorit – und käme durch den Finaleinzug dem zweiten Triple der Vereinsgeschichte nach 2013 einen weiteren Schritt weiter. Die historische vierte Meisterschaft in Folge ist den Roten angesichts von sieben Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund bei noch vier ausstehenden Bundesliga-Spielen kaum noch zu nehmen. In der Champions League gilt der fünfmalige Titelträger nach dem Aus des FC Barcelona für viele Experten als Top-Favorit, wenn auch nur um Nuancen.

Dass die Bayern ausgerechnet im DFB-Pokal ihre Chance auf das Triple herschenken, erwartet niemand. Doch genau darin liegt die Gefahr. Der FCB lässt derzeit zwar kaum Punkte liegen, doch der Fußball des Rekordmeisters hat wie schon in den Frühjahren 2014 und 2015 nicht mehr das Rauschhafte der ersten Saisonhälfte. „Wir müssen schneller spielen als am Samstag gegen Schalke“, warnte Kapitän Philipp Lahm, sonst werde es „schwer gegen Bremen“. Für Bayern spricht: Gegen die Königsblauen stand bei allem Mäkeln auf der Ergebnistafel nach 90 Minuten ein 3:0. Wehe also, wenn die Bayern wieder das Gaspedal entdecken.

Hertha und der Traum vom Heim-Endspiel

Es ist kaum zu glauben: In 31 Anläufen, das Pokal-Endspiel im heimischen Olympiastadion zu erreichen, ist Hertha BSC bislang gescheitert – und das allzu oft krachend in der 1. oder 2. Runde. Dann kam Pal Dardai: Nachdem der Abstieg im Vorjahr nur um Haaresbreite abgewendet werden konnte, gab der junge ungarische Trainer für die Saison 2015/16 neben einer soliden Performance in der Liga den Einzug ins Endspiel als Ziel aus.

In der Bundesliga haben die Hertha-Spieler die Vorgabe ihres Trainers übererfüllt. Auch wenn die Formkurve im Endspurt abfällt, sind die Berliner immer noch Vierter und können weiter auf die Champions League hoffen. Und im Pokal fehlt nur noch ein Schritt zum Finale. „Wenn wir das schaffen, werden die Leute in der Stadt davon noch in 20 Jahren reden“, sagte Dardai.

Was dieses Mal anders ist früher? „Als ich noch Spieler war, haben wir immer gesagt, wir wollen ins Finale kommen“, sagte der Bundesliga-Rekordspieler der Berliner (286 Einsätze von 1997 bis 2011): „So richtig ernst genommen hat das aber keiner. Jetzt ist das anders, die Mannschaft glaubt daran.“

Dortmund droht eine tolle Saison mit fadem Ausklang

Den Berliner Traum zerstören will Borussia Dortmund. Der BVB spielte bis Anfang April eine herausragende Saison. Doch in der Vorwoche wurde zunächst die wohl letzte Chance auf die Meisterschaft durch das 2:2 beim Ruhrpott-Rivalen Schalke 04 verspielt. Vier Tage später versandete auch die durchaus realistische Aussicht auf den Gewinn der Europa League durch das epische 3:4 nach 3:1-Führung beim FC Liverpool um den früheren Dortmunder Kult-Trainer Jürgen Klopp.

Folglich ist der DFB-Pokal die letzte Chance für die Mannschaft von Thomas Tuchel, die tolle Entwicklung seit der Stabübernahme von Klopp mit einem Titel zu krönen. Wenigstens das Pokal-Finale sollte es sein, damit unter dem Strich kein bitterer Nachgeschmack bleibt. Es wäre das vierte Endspiel in Berlin seit 2012, als der BVB den FC Bayern mit 5:2 demontierte. 2014 unterlag Dortmund den Münchnern umstritten nach 0:2 Verlängerung, im Vorjahr war der VfL Wolfsburg (1:3) in allen Belangen besser.

„Es war von Anfang an unser erklärtes Ziel, wieder ins Pokalfinale zu kommen“, sagte Sportdirektor Michael Zorc zuletzt: „Wir stehen jetzt kurz davor und müssen unsere ganze Kraft darauf ausrichten.“ Zusatzmotivation: Für einige BVB-Akteure könnte das Endspiel zugleich das Abschiedsspiel im schwarz-gelben Dress werden. Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang wird heftig umworben, ein Wechsel von Taktgeber Ilkay Gündogan zu Manchester City soll kurz bevorstehen, auch Kapitän Mats Hummels ist noch unschlüssig über seine Zukunft.

Nach dem Jahr der Neuausrichtung könnte auf Dortmund nun gar ein Jahr des Neuaufbaus zukommen. Das wäre gewiss nicht einfach. Aber es gäbe schlechtere Ausgangspositionen, als dieses Projekt als Champions-League-Teilnehmer und DFB-Pokalsieger in Angriff zu nehmen.

Die Top Facts zu den DFB-Pokal-Halbfinalspielen

  • Mit Bayern München (17 Titel) und SV Werder Bremen (6 Titel) treffen die beiden erfolgreichsten Mannschaften in der Geschichte des DFB-Pokals aufeinander.
  • Bayern und Werder begegnen sich zum 8. Mal im Pokal, dabei erstmals in einem Halbfinale. Von den bisherigen 7 Duellen gingen 6 an den FCB, nur im Finale 1999 setzte sich Bremen im Elfmeterschießen durch.
  • Die Berliner Profis erstmals seit 1981 im Halbfinale des DFB-Pokals (bislang zwei Siege, drei Niederlagen). Erstmals seit der Final-Austragung im Olympiastadion (seit 1985) stehen die Herthaner in der Runde der letzten Vier. 1993 erreichten die Hertha-Amateure sensationell das Finale (0:1 gegen Bayer Leverkusen). Die Profis haben nun die Chance auf das 3. Endspiel nach 1977 und 1979.
  • Dortmund setzte sich in seinen letzten 5 Pokal-Halbfinalspielen stets durch und blieb dabei in 4 von 5 Partien ohne Gegentor. Die letzte Niederlage im Pokal-Halbfinale setzte es in der Saison 1985/86 mit 1:4 beim VfB Stuttgart.
  • Pierre-Emerick Aubameyang traf in seinen letzten 7 Pokaleinsätzen immer (8 Tore), das gelang vor ihm keinem BVB-Spieler. Den Rekord im Wettbewerb hält Dieter Müller, der für den 1. FC Köln von April 1976 bis Juli 1977 in 10 aufeinander folgenden Pokaleinsätzen traf.

(Quelle: Volkswagen Data Service)

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*