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Jul
04

Die 10 nervigsten Fußballthemen im Sommerloch 2013

Der europäische Vereinsfußball steckt mitten in der Sommerpause, auch auf Nationalmannschaftsebene ist gerade ziemlich die Luft raus. Gut für Spieler, schlecht für Journalisten. Schließlich müssen die Spalten auch dann gefüllt werden, wenn es eigentlich nichts zu berichten gibt. Hier sind die zehn nervigsten Dauerbrenner des Sommers 2013.

Für welchen Verein entscheidet sich Neymar, und wann wechselt er? Wohin geht Falcao? Kehrt Mourinho zum FC Chelsea zurück? Wann wird Ancelotti als Real-Trainer bestätigt? Wann einigen sich der VfL Bochum und Schalke 04 im Rosenkrieg um Leon Goretzka? Diese und weitere Nerv-Themen der letzten Wochen (u.a. die Causa Lewandowski) können wir mittlerweile zu den Akten legen. Zu einem „Halleluja“ besteht aber kein Anlass. Schließlich gibt es immer noch genug Themen, die sich mit einer Micaela-Schäfer-haften Penetranz in den Gazetten und Online-Magazine halten.

Platz 10: AS Monaco

Der Aufsteiger in die Ligue 1 ist dank seines superreichen Mäzens Dmitry Rybolovlev bereits seit Wochen mit der ganz großen Tüte auf Shoppingtour. Allein an Ablösezahlungen haben die Monegassen bereits 139 Millionen Euro unters Volk gebracht. Um den Tolkien-Duktus zu bemühen, erhebt sich in diesen Tagen eine neue Macht am Mittelmeer. Wieder ein Verein ohne Fans, ohne Philosophie, dafür aber mit ganz viel Geld. Jeder Spieler der geradeaus laufen kann, wird derzeit von irgendeinem Käseblatt zwischen Lissabon und Wladiwostok mit dem AS Monaco in Verbindung gebracht. Kein Wunder, können sich die Rot-Weißen doch jeden leisten! Vielleicht kommt ja sogar noch Edward Snowden. So einen Whistleblower kann man zur Not sicher als Schiedsrichter einsetzen…

Platz 9: Henrikh Mkhitaryan

Der torgefährliche Mittelfeldspieler von Schachtjor Donezk ist ein ziemlicher Newcomer in der Nervliste. Doch der Armenier holt mit gewaltigen Schritten auf. So kann man neuerdings täglich nachlesen, dass Mkhitaryan mit dem FC Liverpool bereits einig ist. Oder nein, Dortmund hat ihn bereits unter Vertrag genommen. Oh, Moment! Da gibt es Probleme mit seinen Transferrechten, weil eine Agentur Anteile besitzt. Am Ende kann man über Mkhitaryan nur zwei Dinge mit Gewissheit sagen. Erstens: 25 Tore in der ukrainischen Liga müssen nicht bedeuten, dass 30 Millionen Euro gut angelegt sind. Zweitens: Der Versuch, den Namen Henrikh Mkhitaryan ohne Copy-Paste zu Papier zu bringen, kommt einem Himmelfahrtskommando gleich.

Platz 8: Ilkay Gündogan

Ja, richtig gelesen. In Deutschland ist Gündogan gar nicht mal ein großes Thema, dafür erscheint in Spanien täglich (mindestens) eine neue Wasserstandsmeldung zum Mittelfeldstar des BVB. Vor allem die Sportzeitung „Marca“ wartet regelmäßig mit neuen fadenscheinigen Behauptungen auf, wonach der 22-Jährige lieber heute als morgen bei Real Madrid anheuern würde. Nach aktuellem Stand kommt Gündogan aber erst 2014, dafür aber sicher. Dass der „Kicker“ am 4. Juli unter Berufung auf Gündogans Vater und Berater schreibt, dass in den nächsten Tagen Vertragsgespräche mit dem BVB über eine vorzeitige Verlängerung aufgenommen werden, wird in Spanien gewiss als deutscher Spekulatius abgetan…

Platz 7: Borussia Dortmund

Aki Watzke strahlt uns momentan beinahe täglich von der Titelseite irgendeiner Gazette an. Der BVB-Geschäftsführer erklärt gebetsmühlenartig, dass der Champions-League-Finalist auf dem Transfermarkt gewiss noch tätig wird. Immerhin hat man ja bis zu 50 Millionen Euro unters Volk zu bringen. Und wer wurde nicht schon alles als „Dortmund’s next Mario Götze“ gehandelt? Ein Auszug: Kevin de Bruyne, Bernard, Christian Eriksen, Julian Draxler, Henrikh Mkhitaryan (s.o.) und einige mehr. Geholt hat der BVB bislang ausgerechnet zwei Spieler, die medial eigentlich nie ein Thema waren: Sokratis für die Abwehr und Pierre-Emerick Aubameyang für die Offensive. Über dessen Modegeschmack weiß man dank einschlägiger deutscher Medien übrigens mehr als über seine fußballerischen Qualitäten. Die sind ja auch nicht so wichtig…

Platz 6: FC Chelsea

Auch dieses Thema wird vor allem international gekocht, dafür aber superheiß. „Mou“ ist zurück, Abramowitsch feiert sein Zehnjähriges und gefühlt jeder Spieler mit internationalem Bekanntheitsgrad steht in diesen Tagen angeblich unmittelbar vor einem Wechsel an die Stamford Bridge. Um nur die wichtigsten zu nennen: Edinson Cavani (s.u.), Mario Gomez (s.u.), Wayne Rooney (s.u.). Diese großen Ambitionen wirken besonders bizarr, weil Chelsea-Geschäftsführer Ron Gourlay am 1. Juli angekündigt hat, wegen des Financial Fairplay künftig weniger kaufen und vielmehr selber ausbilden zu wollen. Der gute Mann hat scheinbar noch nicht mit Abramowitsch gesprochen…

Platz 5: Gareth Bale

Wieder wird’s international. Dass Gareth Bale sauschnell ist, einen erstklassigen Schuss hat und noch dazu richtig gut am Ball ist, weiß jeder, der den Waliser von Tottenham Hotspur schon einmal in Aktion gesehen hat. Dass Bale Jahr für Jahr in der Sommer- wie auch in der Winterpause für Unsummen bei fast allen europäischen Spitzenklubs gehandelt wird, um dann kurz vor Ende der Transferperiode seinen Vertrag bei den Spurs doch noch einmal zu verlängern, hat mittlerweile fast Tradition. Dieses Jahr erreicht die Bale-Saga aber einen neuen Höhepunkt: Real Madrid, Paris St. Germain und der AS Monaco wären wohl ohne mit der Wimper zu zucken bereit, 100 Millionen für den Linksaußen locker zu machen. Gerade Real Madrid soll ja vorne links wahrlich Bedarf haben. Wie heißt nochmal dieser schön frisierte Gockel mit der Rückennummer 7?

Platz 4: Mario Gomez

Was wären wir ohne den täglichen Gomez? Zumindest reden wir nicht über die Frisur des Nationalstürmers, sondern tatsächlich über seinen neuen Arbeitgeber. Der soll – wie sich nach fast einem Monat Vertragsverhandlungen dann doch schon herausgestellt hat – in Italien beheimatet sein und AC Florenz heißen. Bayern München, das seinen früheren 35-Millionen-Einkauf in den letzten Wochen nach allen Regeln der Kunst demontiert und so seinen Marktwert spielerisch auf knapp 20 Millionen gesenkt hat, feilscht mit der Fiorentina aber noch um das Geld. Die wiederum ist alles andere als eine Top-Adresse – und wird es vermutlich auch so schnell nicht werden. Denn um einen Kracher wie Gomez zu kriegen, will La Viola einen Kracher wie Jovetic verkaufen. Und eins minus eins ergibt nach Adam Riese null. Ambitionen sehen anders aus.

Platz 3: Wayne Rooney

Es war ein ereignisreiches Halbjahr für Wayne Rooney: Verlust seines Stammplatzes bei Manchester United unter Sir Alex Ferguson. Abschied des ungeliebten Ferguson zum Saisonende. Bekanntgabe, dass der ihm noch weniger genehme David Moyes neuer United-Trainer wird. Eine zweite Haarplantation. Die Ankündigung, sich Anfang Juli mit Moyes über seine Zukunft auszutauschen. Das war der Stand Ende Mai. Seitdem vergeht kein Tag, an dem in Manchester nicht mindestens ein Angebot für „Roo“ eingegangen sein soll. Eine Auswahl der angeblichen Interessenten: Bayern München, Paris St. Germain, AS Monaco, FC Chelsea, FC Arsenal, Juventus Turin, Real Madrid, FC Barcelona. Vor allem ein Engagement bei den Katalanen hätte Charme: Messi, Neymar und Rooney im Angriff – finde den Fehler.

Platz 2: Edinson Cavani

Zugegeben, Cavani ist ein guter Stürmer. Seine 104 Tore in 138 Spielen für den SSC Neapel geben Zeugnis davon. Doch der Transfergossip um den Uruguayer machte im vergangenen Jahr nicht einmal dann eine Pause, als der Transfermarkt geschlossen war. Umso vogelwilder ist die Lage im Moment, wo tatsächlich transferiert werden darf. Das Bemerkenswerte: Von den Bayern einmal abgesehen, buhlt vermeintlich jeder potenzielle neue Rooney-Klub (plus Manchester City) auch um Cavani. Man will sich ja absichern. Der Haken beim 26-Jährigen, der über seine Mutter, seinen Vater und andere Verwandte in unregelmäßigen Abständen seine Wechselambitionen verkünden lässt: Er hat vor nicht allzu langer Zeit in Neapel bis 2017 verlängert. Die Süditaliener fordern daher nicht ganz zu Unrecht knapp 60 Millionen für den Torjäger. Ich wette, irgendwann wird Cavani trotzdem wechseln. Vermutlich am 31. August um 23:59 Uhr. Damit wir alle noch lange etwas von dem Thema haben…

Platz 1: Pep Guardiola

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ von Walter Ulbricht, „Ich bin ein Berliner“ von John F. Kennedy, „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…“ von Hans Dietrich Genscher. Diese Sätze gehören zu den wichtigsten, die je in deutscher Sprache artikuliert wurden. Seit dem 24. Juni 2013 um 12:07 Uhr ist diese historische Sammlung um einen Satz reicher geworden. Mit den Worten „Äh, guten, guten Tag und Grüß Gott“ begann die Pep-Manie rund um den FC Bayern. Seit der neue Star-Trainer offiziell vorgestellt wurde, kennt die Hysterie keine Grenzen mehr. Ein internationales Medienaufkommen wie bei einem Champions-League-Finale begleitete Guardiolas erstes Training. Bayern-Testspiele gegen Fanklub-Auswahlen werden von einer Handvoll Medien mit einem Live-Ticker begleitet. Jedes Wort, jede Geste, jeder Blick des Spaniers wird bis ins Detail analysiert und hinterfragt. Nach zehn Tagen Pep-Manie kann man trotzdem nur attestieren, dass auch Guardiola im Training fünf gegen zwei spielen lässt, NICHT (sic!) über Wasser laufen kann, dafür aber vermutlich ebenso häufig Wasser lassen muss wie unsereins. Eigentlich muss man dem FC Bayern wünschen, dass er all seine Spiele der kommenden Saison ohne Gegentor gewinnt. Nicht auszudenken, all die „Brennpunkte“ und „Live-Schalten“ an die Säbener Straße, wenn nach schlechten Spielen die Pep-Krise diskutiert wird…

3 Kommentare

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  1. HansDampf sagt:

    danke lieber herr heibel,

    für diesen wunderbaren kommentar. du sprichst mir voll und ganz aus der seele. ich kann den ganzen mist nicht mehr lesen. allein die überschriften und bilder insbesondere zum thema „pepsi trinkt cola“ gehen mir schon tierisch auf den senkel.

    viele grüße von einem verehrer dieses blogs! :)

  2. Dominic sagt:

    Kein Lewandwoski unter den Top-10 ? Das erstaunt dann doch etwas, zumindest wenn man deutsche Medien als Referenz nimmt. Zwar die letzten 8 Tage etwas abgeflaut, aber davor konnte man keine 2 Stunden ohne neue Meldungen vergehen lassen.

    1. Heibel sagt:

      Hallo Dominic! Lewandowski hätte eigentlich einen Spitzenplatz verdient. Seit zwei Wochen ist es um das Thema aber so ruhig geworden, dass es mittlerweile fast keines mehr ist. Aber bis zum Ende der Transferperiode sind es ja noch acht Wochen. Kann alles wieder ganz schnell gehen…

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