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Aug
24

Die 7 ultimativen Fragen zur Bundesliga-Saison 2016/17

Am Freitag startet die Fußball-Bundesliga in ihre 54. Saison. Aktives Abseits beantwortet bereits vor dem ersten Pfiff die drängendsten Fragen zur neuen Spielzeit.

Wird Bayern München wieder Meister?

Gerne würde man sich hinstellen und die zahlreichen guten Gründe aufzählen, warum die Bayern nach vier Titelgewinnen in Folge in der kommenden Saison zu packen sind. Geändert hat sich aber nichts: Der in der Spitze, Breite und Tiefe beste Kader der Bundesliga wird auch nach dem Stabwechsel von Pep Guardiola zu Carlo Ancelotti dominieren. Neuer, Hummels, Boateng, Alaba, Vidal, Lahm, Costa, Ribéry, Robben, Müller oder Lewandowski sind jeder für sich Weltklasse. Zwar wird Bayern nicht mehr mit 25 Punkten Vorsprung Meister wie in der Triple-Saison 2012/13 – doch auch in der neuen Spielzeit brennt nix an.

Finden Götze und Schürrle in Dortmund ihr Glück?

Der BVB ist aktuell der spannendste Klub im deutschen Fußball. Dies liegt am enormen Wandel in der Sommerpause. Mit Gündogan, Hummels und Mchitarjan wurden drei Weltklassespieler zwar zähneknirschend, aber gegen gutes Geld abgegeben. Im Gegenzug holte Dortmund viel Potenzial, allen voran den verlorenen Sohn Mario Götze vom FC Bayern zurück und dessen Kumpel André Schürrle aus Wolfsburg. Die Helden des WM-Endspiels von 2014 finden in Dortmund eine regelrechte Wohlfühloase vor.

Wenn es unter Trainer Thomas Tuchel nicht klappt, dann wohl nirgendwo sonst. Götze startete allerdings gleich mit einer Verletzung denkbar schlecht in die Vorbereitung, Schürrle deutete unter seinem einstigen Mainzer Förderer Tuchel seine Klasse zumindest an. Prognose: Götze kommt spätestens im Herbst ins Rollen, Schürrle vielleicht schon vorher. Mit ihnen bleibt Dortmund die Nummer zwei in Deutschland – was angesichts des Aderlasses im Sommer aller Ehren wert wäre.

Wie schlägt sich Aufsteiger RB Leipzig?

Der kritisch beäugte Brauseklub wird zumindest in den ersten Wochen der Saison das Thema schlechthin sein. Dass der Osten nach sieben Jahren wieder mit einem Klub im Oberhaus vertreten ist, wird von vielen als einzig positiver Aspekt der „Bullenmast“ durch Red Bull wahrgenommen. Ansonsten wird der am Reißbrett geplante Fußballklub mit vielen Feindseligkeiten leben müssen. Häme bei Niederlagen ist RB gewiss. Genauso wie dem Klub einiger Hass entgegenschlagen wird, wenn er zu viel Erfolg hat. Immerhin hat Leipzig auch nach dem Aufstieg auf Mega-Transfers gestandener Topspieler verzichtet.

Noch ist die Mannschaft jung und dürfte einen sehenswerten Fußball bieten, wodurch sich die Zahl der Skeptiker – siehe das Beispiel 1899 Hoffenheim in der Hinrunde 2008/09 – schnell reduzieren würde. Ein allseits wertgeschätztes Mitglied der Beletage wird RB aber weder in der kommenden Saison, noch in den nächsten fünf oder zehn Jahren werden. Um alle Befürchtungen zu dämpfen: In die Europa League wird die Mannschaft von Ralph Hasenhüttl auch nicht gleich marschieren. Platz 7 bis 11 erscheint realistisch für das erste Ligajahr.

Kriegen Weinzierl und Heidel Schalke 04 in den Griff?

Der schläfrigste aller Riesen im deutschen Fußball trägt seit Jahren Königsblau. Wobei: So tief ist die Nachtruhe beim FC Schalke gar nicht, wie die zahlreichen Querelen der letzten 10, 15 Jahre zeigen, als trotz bester Voraussetzungen (natürlich) kein Titel eingefahren wurde. Die Voraussetzungen (!) scheinen vor der 54. Bundesliga-Saison nun so gut wie vermutlich seit Szepan und Kuzorra nicht mehr.

Mit Christian Heidel haben die Schalker einen der besten Manager der Bundesliga für sich gewonnen. Der hat mit Markus Weinzierl gleich einen der vermeintlich besten Trainer im Lande nach Gelsenkirchen geholt. Dazu wurde die Mannschaft nicht unerheblich verstärkt, nach 27,5-Millionen-Mann Breel Embolo etwa hat sich auch die halbe Premier League die Finger geleckt.

Es scheint alles angerichtet für einen Angriff auf Dortmund und Leverkusen und damit auf die direkte Champions-League-Qualifikation. Allein die alte Sorge von Kult-Manager Rudi Assauer wird auch Christian Heidel im Ohr liegen: „Entweder ich schaffe Schalke, oder Schalke schafft mich.“

Kommen Mario Gomez und Max Kruse bei ihren neuen Klubs zurecht?

Zunächst einmal kann man die beiden Nationalstürmer schlecht vergleichen. Der 31-jährige Gomez hat in zehn Jahren Profifußball seine Torjägerqualitäten immer bewiesen, wenn er fit war. Wäre sein Körper weniger anfällig für Verletzungen, hätte der VfL Wolfsburg den Stürmer nach seiner starken EM kaum für läppische sieben Millionen Euro bekommen.

Der drei Jahre jüngere Kruse dagegen ist ein Spieler vom Typus „Genie und Lebemann“. An guten Tagen gehört Kruse zu den gefährlichsten Schützen und besten Vorbereitern der Liga. Kruse ist aber auch einer der wenigen Profis unserer Zeit, die es nicht nur gerne krachen lassen, sondern sich dabei auch noch erwischen lassen. In Bremen, wo er einst ausgebildet und dann als nicht bundesligatauglich abgestempelt wurde, sucht er nach den Poker-/Sextape- und Handygates nun einen Neuanfang.

Was Gomez und Kruse vereint: Für beide ist ihr neuer Verein wohl die letzte Chance, sich noch einmal ins Rampenlicht zu spielen und sich den Traum von der WM 2018 zu erfüllen. Gomez dürfte das sehr viel wahrscheinlicher gelingen: Der Maßathlet ist in einer verletzungsfreien Saison für 15 bis 20 Tore gut. Kruse muss dagegen nicht nur sein eigenes Spiel wieder auf die Reihe bekommen, sondern in Bremen auch eine Mannschaft mitziehen, die wohl gegen den Abstieg kämpfen wird.

Wer steigt ab?

Reflexartig neigt man dazu, die Aufsteiger auch für die größten Abstiegsanwärter zu halten. Doch RB Leipzig ist ein Sonderfall (s.o.), auch der SC Freiburg ist in seiner Struktur stabil genug für den Klassenerhalt aufgestellt.

Die ersten Abstiegsanwärter dürften stattdessen die letztjährigen Aufsteiger sein: Darmstadt 98 hat in der Vorsaison am obersten Limit seiner Möglichkeiten gespielt, der Aderlass durch den Verlust von Trainer Dirk Schuster und zahlreicher Stammspieler ist enorm. Die Besetzung des Trainerpostens durch Norbert Meier und die Nominierung von Holger Fach als Sportlicher Leiter hat bei vielen Beobachtern zumindest für ungläubiges Staunen gesorgt. Die Lilien sind mit Abstand der erste Anwärter auf Tabellenplatz 18.

Insgesamt besser aufgestellt ist Mitaufsteiger FC Ingolstadt, aber auch bei den Bayern ging nicht nur der Trainer, auch der Underdog-Vorteil ist weg. Ingolstadt dürfte sich mit Werder Bremen um den Relegationsplatz duellieren. Aber auch Hertha BSC zeigt nach schwacher Rückrunde und dem Aus in der Europa-League-Qualifikation die typischen Symptome eines Teams, das sich trotz großer Qualität plötzlich im Abstiegskampf wiederfindet.

Wer wird die positive Überraschung der Saison?

Kandidaten gibt es einige: Bayer Leverkusen und Schalke 04 können zumindest den zweiten Platz angreifen. Der 1. FC Köln hat sich mit Platz neun im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg weiter stabilisiert und könnte eine ähnliche Rolle spielen wie der FSV Mainz 05 in der Vorsaison, der von den Schwächephasen stärker eingeschätzter Teams profitierte und Sechster Wurde. Auch 1899 Hoffenheim hat Chancen, anstatt gegen den Abstieg um Europa zu spielen. Die Rückrunde der Vorsaison unter dem jungen Trainer Julian Nagelsmann hat jedenfalls offenbart, wie viel Potenzial in der jungen Mannschaft steckt. Auch Leipzig hat allemal das Potenzial, die Liga aufzumischen. Und hört, hört: Der Hamburger SV hat erstmals seit Jahren wieder eine Saisonvorbereitung ohne Skandale und Fettnäpfchen hinter sich. Die Mannschaft scheint intelligent verstärkt worden zu sein, zumindest ein einstelliger Tabellenplatz kann vom einstigen Relegationsspezialisten angegriffen werden.

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