«

»

Jan
16

Die besten Winter-Transfers der Bundesliga

Nach den schlechtesten Winter-Transfers der Bundesliga-Geschichte sind nun die Glückgriffe des Januars an der Reihe. Matthias Sammer etwa korrigierte sein missglücktes Inter-Abenteuer mit dem Wechsel zu Borussia Dortmund im Januar 1993. Auch Mesut Özil, Lucio oder Jan Aage Fjörtoft fanden als Winter-Transfers ihr Glück.

Matthias Sammer (1992/93; Inter Mailand -> Borussia Dortmund)
Als Anfang der 1990er Jahre jedes italienische Spitzenteam mindestens einen Deutschen in seinen Reihen hatte, wechselte auch Matthias Sammer vom VfB Stuttgart zu Inter Mailand. Bei den Nerazzurri sollte der damals 24-Jährige einen gewissen Lothar Matthäus vergessen machen, der soeben zum FC Bayern zurückgekehrt war. Zwölf Millionen D-Mark ließ sich Inter seinerzeit die Dienste Sammers kosten. Nach nur einer Halbserie (elf Liga-Einsätze, vier Tore) fand sich der dynamische Mittelfeldspieler jedoch im Abseits wieder und verabschiedete sich für 8,5 Millionen DM nach Dortmund. Dort rückte er unter Ottmar Hitzfeld auf die Libero-Position und führte den BVB zu zwei Meisterschaften sowie zum Champions-League-Sieg 1997. Nur ein Jahr später mit gerade einmal 30 Jahren beendete Sammer seine Laufbahn wegen Sportinvalidität.

Jens Lehmann (1998/99; AC Mailand -> Borussia Dortmund)
Bei Schalke 04 war Jens Lehmann Mitte der 1990er Jahre zu einem international umworbenen Klassetorhüter avanciert. Nach der WM 1998 holte der AC Milan Lehmann für 8,6 Millionen DM in die damals beste Fußballliga der Welt. In der neuen Heimat machte der gebürtige Essener allerdings eine derart unglückliche Figur, dass Trainer Alberto Zaccheroni ihm nach nur fünf Einsätzen das Vertrauen entzog. Lehmann kehrte im Januar 1999 für acht Millionen DM nach Deutschland zurück – ausgerechnet zum Schalker Erzrivalen BVB, gegen den er 13 Monate zuvor noch das erste Feldtor eines Bundesliga-Keepers erzielt hatte. Der Erfolg gab ihm aber recht: Lehmann fand zu alter Klasse zurück und wurde mit Dortmund 2002 Deutscher Meister. 2003 wagte er sein zweites Auslandsabenteuer beim FC Arsenal. In London fand sich „Crazy Jens“ deutlich besser zurecht als fünf Jahre zuvor in Mailand und avancierte auch zur Nummer eins im Tor der deutschen Nationalmannschaft.

Lucio (2000/01; Internacional Porto Alegre -> Bayer Leverkusen)
Von der nicht einmal achtmonatigen „Ära“ von Berti Vogts bei Bayer Leverkusen ist nicht allzu viel haften geblieben. Eines muss man dem ehemaligen Bundestrainer aber lassen: Seine Wunschspieler wurden für Bayer zu echten Verstärkungen. In der Winterpause 2000/01 holte Vogts u.a. den jungen Bulgaren Dimitar Berbatov, der bis 2006 in der Bundesliga 68 Tore für die Werkself erzielte, sowie den argentinischen Linksverteidiger Diego Placente, der zu einem der Besten auf seiner Position avancierte. Vogts‘ Top-Transfer war aber der brasilianische Innenverteidiger Lucio (17 Millionen DM Ablöse), der mit seiner enormen Physis und seinem unnachahmlichen Vorwärtsdrang schnell zu einem der begehrtesten Defensivspieler des Planeten avancierte. 2004 wechselte der brasilianische Weltmeister zum FC Bayern. 2009 dann der Transfer zu Inter, mit dem er 2010 als Abwehrchef die Champions League gewann.

Papiss Demba Cissé (2009/10; FC Metz -> SC Freiburg)
1,5 Millionen Euro hat sich der SC Freiburg im Januar 2010 den senegalesischen Angreifer Papiss Demba Cissé aus Frankreichs zweiter Liga kosten lassen. Für das Neunfache verließ dieser den Sportclub zwei Jahre später Richtung Newcastle. In den 24 Monaten dazwischen war Cissé mit 37 Toren in 65 Bundesligaspielen die Freiburger „Lebensversicherung“. Das Seltsame war aber, dass der SC nach Cissés Verkauf unter dem neuen Trainer Christian Streich auf einmal als gesamtes Team stärker auftrat. Der Lohn: Platz fünf am Ende der Saison 2012/13.

Mikael Forssell (2002/03; FC Chelsea -> Borussia M’gladbach)
Die meisten Fans werden Mikael Forssell vor allem mit seinem unglücklichen Hannover-Gastspiel (2008 bis 2011) in Verbindung bringen. Jahre zuvor war Forssell aber schon einmal in der Bundesliga – und hinterließ einen bärenstarken Eindruck. Für 500.000 Euro hatte die abstiegsgefährdete Gladbacher Borussia Anfang 2003 den damals 21-jährigen Finnen vom FC Chelsea ausgeliehen. Der in Deutschland geborene Forssell spielte eine spektakuläre Halbserie und trug mit sieben Toren und drei Vorlagen maßgeblich zum Klassenerhalt der Elf vom Bökelberg bei.

Jan Aage Fjörtoft (1998/99; FC Barnsley -> Eintracht Frankfurt)
Jan Aage Fjörtoft ist einer dieser Spieler, die bis an ihr Lebensende von jedem Hinz und Kunz auf eine einzige Szene angesprochen werden. Bei Jürgen Sparwasser etwa ist es das 1:0-Siegtor der DDR über die BRD bei der WM 1974, bei Oliver Bierhoff das Golden Goal im EM-Finale 1996. Der Norweger Fjörtoft bezieht seinen Ruhm aus einem wenig filigranen Übersteiger und seinem anschließenden Abschluss zum 5:1 der Frankfurter Eintracht gegen den 1. FC Kaiserslautern am 34. Spieltag der Bundesliga-Saison 1998/99. Dieses eine Tor sicherte der SGE damals aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber dem 1. FC Nürnberg den Klassenerhalt. Die 750.000 Euro Ablöse an den FC Barnsley hatten sich somit vollauf gelohnt. In der Folge mehrte der Norweger (52 Bundesligaspiele, 14 Tore) seinen Ruhm vor allem durch seine flotten Sprüche, welche den fabulösen Zitatenkalender „Lattenknaller“ gefühlt ungefähr zur Hälfte füllen.

Mesut Özil (2007/08; FC Schalke 04 -> Werder Bremen)
Fünf Millionen Euro überwies Werder Bremen im Januar 2008 für den 19-jährigen Mesut Özil an den FC Schalke 04. Fünfeinhalb Jahre später sollte der Mittelfeldspieler dem FC Arsenal sogar das Zehnfache dieser Summe wert sein. Dabei sorgten Özil und sein Vater Mustapha Anfang 2008 für einen Eklat, als sie mit Schalke einen knallharten Poker um ein hohes Millionengehalt für das Talent führten. Die Königsblauen zeigten sich empört und boten Özil daraufhin der Konkurrenz für einen sofortigen Wechsel an. Bayer Leverkusen war dran, machte aber einen Rückzieher. So ging Özil zu Werder Bremen, wo er 2009/10 mit 26 Torbeteiligungen die Rolle des Diego-Nachfolgers herausragend erfüllte. Anschließend spielte Özil eine starke WM und wechselte 2010 für 15 Millionen Euro zu Real Madrid, wo er zum weltweit populärsten deutschen Spieler unserer Tage avancierte. In London bastelt er seit August 2013 an seinem Mythos.

Diego Benaglio (2007/08; CD Nacional Funchal -> VfL Wolfsburg)
Von der portugiesischen Blumeninsel Madeira holte Felix Magath im Januar 2008 seinen späteren Meisterkeeper Diego Benaglio für 1,5 Millionen Euro. Magath kannte den talentierten Schweizer bereits aus gemeinsamen Stuttgarter Zeiten. Mittlerweile ist Benaglio in Wolfsburg fast schon ein Urgestein. Vor der Verpflichtung von Manuel Neuer im Jahr 2011 galt er sogar als Torwart-Kandidat beim FC Bayern.

Marko Rehmer (1996/97; Union Berlin -> Hansa Rostock)
Aus der dritten Liga holte Hansa-Trainer Frank Pagelsdorf in der Winterpause der Saison 1996/97 einen gewissen Marko Rehmer an die Ostsee. Der 200.000-Euro-Mann schien zunächst nur einer unter Vielen zu werden, doch in kürzester Zeit avancierte der pfeilschnelle Abwehrspieler zum Leistungsträger und Nationalspieler. 1999 wechselte Rehmer für das 18-fache seines Kaufpreises zur Berliner Hertha, wo er bis 2005 den Laden zusammenhielt. 2002 zählte der 35-malige Nationalspieler zu den deutschen Vize-Weltmeistern in Japan und Südkorea.

Torsten Frings (1996/97; Alemannia Aachen -> Werder Bremen)
„Gib den Ball her, du Lutscher!“ Irgendwann in den Anfangstagen des Jahres 1997 muss dieser Satz aus dem Mund des damals 20-jährigen Werder-Neuzugangs Torsten Frings in Richtung des Bremer Platzhirschen Andreas Herzog entfleucht sein. Das zumindest sagt die Legende. Eine solche ist Frings in Bremen längst selbst: Für schlappe 200.000 DM aus der dritten Liga gekommen, wurde er unter Thomas Schaaf vom Stürmer (Typ: Chancentod) zu einem der besten defensiven Mittelfeldspieler seiner Zeit umgeschult. Trotz Zwischenspielen in Dortmund und beim FC Bayern absolvierte „Lutscher“ bis 2011 stolze 446 Spiele für die Grün-Weißen (52 Tore, 61 Vorlagen). Wie gesagt: Legende!

Carsten Ramelow (1995/96; Hertha BSC -> Bayer Leverkusen)
Carsten Ramelow gehört zu Leverkusen wie das Bayer-Werk und die Dhünn. Dabei stammt der Blondschopf eigentlich aus Berlin. Auf den Einkaufszettel des TSV spielte sich Ramelow bereits 1993, als er mit der Zweiten Mannschaft von Hertha BSC das Pokalfinale erreichte und ausgerechnet gegen Leverkusen mit 0:1 verlor. Zweieinhalb Jahre später schlug Bayer dann für 1,5 Millionen DM zu. Mit 446 Spielen im schwarz-roten Dress wurde er zur Kultfigur des Leverkusener Anhangs. 2009 beendete „Ramaloff“, wie Franz Beckenbauer ihn gern nannte, seine Laufbahn.

Harry Decheiver (1995/96; Go Ahead Eagles Deventer -> SC Freiburg)
Tief im Abstiegskampf stand der SC Freiburg in seinem dritten Bundesligajahr, als der „alternative Klub“ aus dem Breisgau zu den handelsüblichen Mechanismen griff: Man ging im Winter shoppen was das Zeug hielt, holte u.a. Alain Sutter sowie Nikola Jurcevic und schaffte den Klassenerhalt. Zum Star-Transfer avancierte aber der „flodderhaft“ auftretende Niederländer Harry Decheiver (Ablöse: 1,5 Millionen DM). Der Angreifer, der den Begriff „Knipser“ in den Fußball-Sprachschatz einführte, traf in seiner ersten Halbserie satte elfmal und wurde auch außerhalb des Breisgaus schnell zur Kultfigur. 1997 führte seine Reise sogar zum amtierenden Champions-League-Sieger Borussia Dortmund.

Pavel Kuka (1993/94; Slavia Prag -> 1. FC Kaiserslautern)
In der Spätphase seiner Karriere ist es Pavel Kuka „geglückt“, sich den Ruf eines Chancentods zu erarbeiten. Mit diesem Stempel tut man dem Tschechen aber eindeutig unrecht. Der 3,5 Millionen DM teure Angreifer legte auf dem Betze los wie die Feuerwehr: Seine acht Tore in der Rückrunde der Saison 1993/94 hätten Lautern sogar fast zum Deutschen Meister gemacht. Auch Kukas Folgesaison war mit 16 Treffern überaus stark. Allerdings trug der Angreifer auch zum ersten Abstieg der Klubgeschichte im Jahr 1996 bei, indem ihm vor dem Tor allzu oft die Nerven versagten und er „nur“ zehn Tore erzielte. Bis 2000 blieb Kuka in Deutschland, erzielte für Kaiserlautern, Nürnberg und Stuttgart 50 Bundesligatore.

Dariusz Wosz (1991/92; Hallescher FC -> VfL Bochum)
Der VfL Bochum steht wie kaum ein Verein in Deutschland für Maloche und Abstiegskampf. Ein Techniker wie Dariusz Wosz passt da eigentlich nicht so recht ins Bild. Doch der Deutsch-Pole, der von den Medien gern als „Zaubermaus“ tituliert wurde, erwies sich als echter Glücksgriff für den VfL. Während die großen Bundesliga-Klubs sich nach der Wende mit der Ost-Prominenz Kirsten, Thom, Sammer oder Doll eindeckten, blieb für Bochum „nur“ das Hallenser Mittelfeldtalent Wosz übrig, das Anfang 1992 für 400.000 DM transferiert wurde. Ein Torjäger wurde er nie, doch immerhin 123 Torbeteiligungen in 376 Einsätzen für Bochum gehen auf Wosz‘ Konto, der von 1998 bis 2001 einen Abstecher zur Berliner Hertha machte (Ablöse: 5,2 Millionen DM), ehe er in den Pott zurückkehrte. Hinzu kommen 17 A-Länderspiele für Deutschland (ein Tor).

Rune Bratseth (1986/87; Rosenborg Trondheim -> Werder Bremen)
Otto Rehhagels Vorliebe für großgewachsene Spieler ist ebenso bekannt wie legendär. Diesen Mythos hat der Norweger Rune Bratseth mitbegründet, der in siebeneinhalb Jahren die Werder-Abwehr als Libero zu einer der besten Defensivreihen Deutschlands machte. Mit Bratseth kam seinerzeit auch der Erfolg zu den lange als ewiger Zweiter verschrienen Bremer: Meisterschaft 1988 und 1993, DFB-Pokal 1991 und 1994, Europapokal der Pokalsieger 1992. Und das Beste: Bratseth kostete nur 200.000 DM. Das war auch Mitte der 1980er Jahre nicht allzu viel Geld – erst recht nicht für einen Klassespieler.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*