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Jan
25

Die Boateng-Bredouille

Offiziell verkündet ist es noch nicht, doch der FC Bayern wird wegen eines Muskelbündelrisses wohl den Rest der Saison ohne Jerome Boateng bestreiten müssen. Der 27 Jahre alte Weltmeister ist nicht nur der beste Innenverteidiger der Münchner, sondern auch einer der besten der Welt. Die Mission Triple wackelt.

Jerome Boateng ist ein Fels. Mit 1,92 m Körpergröße und knapp 90 kg Gewicht ist der gebürtige Berliner ein Abwehrspieler von absolutem Gardemaß. Dazu vereinigt er eine enorme Explosivität mit erstklassigem Stellungsspiel, tollen Timing in den wenigen notwendigen Tacklings und einer herausragenden Präzision im Aufbauspiel – kurzum: Boateng ist ein Verteidiger, wie man ihn sich am liebsten schnitzen würde.

Kein Offensivkünstler, und doch nicht zu ersetzen

Sehnsüchtig an Boateng denkt man seit Freitag auch beim FC Bayern. Mit der Adduktorenverletzung ohne Fremdeinwirkung in der 53. Minute des Bundesliga-Rückrundenauftakts beim Hamburger SV (2:1) wurde der Rekordmeister seines Stützpfeilers beraubt.

Während alle Welt von der – zweifellos herausragenden – Offensivreihe der Münchner spricht, ist neben „Sweeper Keeper“ Manuel Neuer eigentlich Boateng am wenigsten für den FC Bayern zu ersetzen. Schließlich war Boateng für Trainer Pep Guardiola nicht nur der beste Innenverteidiger, sondern auch der einzige, der nicht den Stempel „verletzungsanfällig“ mit sich herumtrug.

6 Spiele seit 2011 ohne Boateng, 179 ohne Badstuber

Seit seinem Wechsel von Manchester City zum FC Bayern im Sommer 2011 war Boateng ein Muster an körperlicher Robustheit, aufgrund von kleineren Verletzungen verpasste er in 55 Monaten bislang lediglich sechs Pflichtspiele. Nun kommen wohl mindestens um die 20 hinzu. Das ist freilich immer noch kein Vergleich zu den Fehlzeiten der anderen drei Innenverteidiger im Bayern-Kader.

Holger Badstubers Verletzungsgeschichte ist fast schon episch, 179 Spiele mussten die Münchner seit 2011 ohne den 26-Jährigen aufgrund von Kreuzband- und Muskelrissen bestreiten.

Ganze 80 Partien versäumte Defensiv-Allrounder Javi Martinez seit seinem 40-Millionen-Wechsel im Sommer 2012. In der Krankenakte des 27-jährigen Spaniers stehen unter anderem ein Kreuzbandriss und eine Leisten-OP.

Der Marokkaner Medhi Benatia (28), seit 2014 ein Münchner und stets auch ein potenzieller Schwachpunkt im Defensivverbund, steht seitdem schon bei 25 verpassten Pflichtspielen. Aktuell laboriert er an einem Muskelbündelriss.

Einkaufen oder umbauen

Das Transferfenster schließt erst am 1. Februar. Sieben Tage blieben den Bayern noch, um auf dem Mercato tätig zu werden. Am Geld würde eine Nachverpflichtung nicht scheitern, aber passendes Personal gibt es eigentlich nicht. Zwar sitzen einige Hochkaräter in England oder Spanien auf der Bank, aber in der Regel sind diese nicht für die Champions League spielberechtigt – und eigentlich nur für diesen Wettbewerb bräuchte der FC Bayern einen Neuen.

Wahrscheinlicher ist, dass Guardiola aus dem aktuellen Kader schöpfen möchte respektive muss. Badstuber, Martinez und Benatia bräuchten allerdings erst einmal ein paar Monate ohne gesundheitlichen Rückschlag, um auch nur annähernd an Boatengs Klasse heranzureichen.

Eine Alternative ist das Umstellen auf Dreierkette mit beispielsweise David Alaba als linkem und Philipp Lahm oder Rafinha als rechtem Glied neben nur einem gelernten Innenverteidiger. In der Liga hat das schon funktioniert, aber bereits gegen Juventus Turin im Achtelfinale der Champions League könnte diese Kombination überfordert sein.

Man kann den Bayern nur viel Glück wünschen – und Boateng wenigstens mit Blick auf die Europameisterschaft im Juni und Juli ein gutes Heilfleisch.

1 Kommentar

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  1. h.chinaski sagt:

    HW4! :-D
    Vorstellbar wäre höchstens, dass die Bayern noch einen Innenverteidiger mit Europa-League-Erfahrung holen der noch Entwicklungspotenzial hat. Sprich: jemanden aus der Kategorie Ginter/Jantschke/Tah.

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