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Apr
06

Die Bundesliga im Abstiegscheck – Wer ist noch zu retten?

Bayern München ist so gut wie (wieder einmal) Deutscher Meister. Wolfsburg, Mönchengladbach und Leverkusen können wohl für die Champions League planen. Am spannendsten ist in der Fußball-Bundesliga wieder einmal die Abstiegsfrage. Wer packt’s?

Hertha BSC (11. Platz, 32 Punkte)

Im Winter schienen die Berliner noch dem dritten Abstieg binnen fünf Jahren hilflos entgegenzutaumeln. Der zurecht umstrittene Manager Michael Preetz hat mit der Trennung vom langjährigen Erfolgstrainer Jos Luhukay nach dem Fehlstart in die Rückrunde aber offenbar alles richtig gemacht und seinen Kopf wieder einmal aus der Schlinge gezogen.

(Noch-)Interimstrainer Pal Dardai hat der Hertha wieder Beine gemacht. Die Hauptstädter spielen weder besonders konstant noch besonders schön, holen aber die nötigen Punkte. Unter dem 39 Jahre alten Ex-Profi, der zumindest bis zum Sommer noch in Personalunion Trainer der ungarischen Nationalmannschaft ist, steht die beachtliche Bilanz von 14 Zählern aus acht Spielen.

Hertha hat sich gefangen, der Relegationsplatz ist sieben Punkte und 14 Tore entfernt. Aus dem Restprogramm scheinen nur Bayern und Gladbach unlösbare Aufgaben zu sein. Hertha wird die letzten Punkte locker holen, um die Klasse zu halten.

Rettungsprognose: 95 Prozent

Restprogramm Hertha BSC:
Hannover 96 (A)
1. FC Köln (H)
Bayern München (A)
Borussia Mönchengladbach (H)
Borussia Dortmund (A)
Eintracht Frankfurt (H)
TSG Hoffenheim (A)

FSV Mainz 05 (12. Platz, 31 Punkte)

Auch Mainz hat mit der Demission des glücklosen und blassen Kasper Hjulmand offenbar rechtzeitig die Reißleine gezogen. Das Experiment Barca- statt Bruchweg-Stil ist zu den Akten gelegt. Der neue Trainer Martin Schmidt packt Spieler und Umfeld mit seiner emotionalen Art. Dies ist seit der Zeit von Jürgen Klopp in Rheinhessen fast schon eine Garantie auf Punkte.

Die Zähler kommen zwar nicht unbedingt üppig auf das Mainzer Konto, aber mehr als das „Eichhörnchen-Prinzip“ benötigt der FSV auch nicht angesichts der Konstellation in der Liga und der schwachen Form der letzten drei. Das ist auch gut so, denn das Restprogramm ist gespickt mit Gegnern, die entweder für Europa oder für den Klassenerhalt Zähler benötigen.

Zwei weitere Siege dürften Mainz zur endgültigen und vorzeitigen Rettung reichen. Einer reicht immer noch dicke, wenn die Hamburg, Stuttgart und Paderborn nicht mehr nennenswert zulegen.

Rettungsprognose: 90 Prozent

Restprogramm FSV Mainz 05:
Bayer Leverkusen (H)
SC Freiburg (A)
Schalke 04 (H)
Hamburger SV (H)
VfB Stuttgart (A)
1. FC Köln (H)
Bayern München (A)

1. FC Köln (13. Platz, 30 Punkte)

Der Aufsteiger aus der Domstadt hat immer wieder das gleiche Problem: Muss er selbst etwas für das Spiel tun, wird es problematisch. Rückstände können die Kölner verhindern, doch welche aufzuholen, ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit.

Der FC hat es zwar geschafft, in der kompletten Saison über dem Strich zu stehen, doch angesichts von nur zwei Siegen aus zehn Rückrundenspielen täte ein Dreier aus den nächsten Partien gegen Hoffenheim oder bei Hertha BSC gut, um das Polster nach unten komfortabel zu halten. Ansonsten könnten die letzten Spieltage gegen starke Gegner wie Lokalrivale Leverkusen und die Europacup-Anwärter Augsburg, Schalke und Wolfsburg durchaus ungemütlich werden.

Der FC kann mit fünf Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone und einer exzellenten Tordifferenz von nur minus sieben wuchern. Weil die Teams im Keller nicht oder zumindest nicht nennenswert punkten, könnte bereits ein weiterer Sieg die Rettung bedeuten. Zwei weitere würden es sicher. Allerdings spielt der FC nur noch gegen Gegner, die vor ihm stehen. Das könnte eine unnötige Zitterpartie nach sich ziehen.

Rettungsprognose: 70 Prozent

Restprogramm 1. FC Köln:
TSG Hoffenheim (H)
Hertha BSC (A)
Bayer Leverkusen (H)
FC Augsburg (A)
Schalke 04 (H)
1. FSV Mainz 05 (A)
VfL Wolfsburg (H)

SC Freiburg (14. Platz, 28 Punkte)

Zur Winterpause noch Schlusslicht, hat sich der Sport-Club durch die Siege gegen Augsburg und Köln aus dem Keller befreit. Allerdings haderte Trainer Christian Streich nach dem 1:0 gegen den FC mit dem Spiel seiner Mannschaft, sprach unverhohlen von einem „glücklichen Sieg“ und meinte gar: „Wenn wir weiter so spielen, steigen wir ab.“

Unter dem Strich bleibt aber: Der SC kann selbst die Entscheidung hervorrufen, nämlich durch Punkte in den Schicksalsspielen gegen Stuttgart, Paderborn und Hamburg am 30., 31. und 32. Spieltag. Drei Niederlagen aus diesen Partien würden Freiburg wohl noch einmal tief nach unten reißen. Ein Sieg und ein Remis aus diesen „Sechs-Punkte-Spielen“ wären aber wohl die Rettung – und würden ganz nebenbei auch die Teams auf den Plätzen 11 bis 13 beruhigen.

Rettungsprognose: 60 Prozent

Restprogramm SC Freiburg:
Schalke 04 (A)
1. FSV Mainz 05 (H)
VfB Stuttgart (A)
SC Paderborn (H)
Hamburger SV (A)
Bayern München (H)
Hannover 96 (A)

Hannover 96 (15. Platz, 28 Punkte)

In Hannover ist die Stimmung derzeit besser als die Entwicklung: Kein Sieg aus zehn Spielen, schlechteste Rückrundenmannschaft – und doch halten Präsident Martin Kind, Manager Dirk Dufner und Führungsspieler wie Ron-Robert Zieler und Christian Schulz öffentlich zu Trainer Tayfun Korkut. Das 2:2 nach 0:2 bei Eintracht Frankfurt war wohl der endgültige Beweis, dass die Chemie im Team stimmt und ein Trainerwechsel zumindest mittelfristig wohl keinen Sinn macht.

Allein: Kurzfristig braucht Hannover nichts dringender als Punkte. Der HSV auf dem Relegationsplatz ist nur einen Sieg und ein paar Törchen entfernt. Auch wenn der Bundesliga-Dino derzeit ein desaströses Bild abgibt, sollte man sich nicht darauf verlassen, dass den Hanseaten keiner „rausrutscht“.

Rettungsprognose: 55 Prozent

Restprogramm Hannover 96:
Hertha BSC (H)
Bayer Leverkusen (A)
TSG Hoffenheim (H)
VfL Wolfsburg (A)
Werder Bremen (H)
FC Augsburg (A)
SC Freiburg (H)

Hamburger SV (16. Platz, 25 Punkte)

Der Dino wankt. Im letzten Jahr konnte er sich gerade noch vor dem Sturz retten, doch in dieser Saison sind die Voraussetzungen noch einmal andere. In Sportdirektor Peter Knäbel ist bereits der dritte (Interims-)Trainer der Spielzeit im Amt, die Euphorie um die AG-Gründung ist ebenso verpufft wie die Ekstase um die Rückkehr von Dietmar Beiersdorfer. Wieder einmal gilt: Irgendwie drin bleiben, Mund abputzen und es im nächsten Jahr irgendwie besser machen.

Sollte Thomas Tuchel tatsächlich bei den Hanseaten für den Fall des Klassenerhalts zur neuen Saison als Trainer kommen, scheint ein (zarter) Aufschwung tatsächlich zwangsläufig. Doch bis dahin muss die „letzte Patrone“ Knäbel zünden. Ganz klar: Der HSV ist momentan All-In, hat kaum noch Möglichkeiten zum Nachjustieren. Die Mannschaft war allerdings auch im ersten Spiel unter Knäbel offensiv harmlos, defensiv desolat und mit unsichtbarem Selbstvertrauen.

Eigentlich kann nur ein Wunder den HSV direkt retten. Doch auch für die Relegation sind noch ein paar Punkte nötig. Die müssen spätestens in den Sechs-Punkte-Spielen gegen Freiburg (32. Spieltag) und in Stuttgart (33.) her. Vielleicht hat man zudem das Glück, dass es für Schalke beim Saisonfinale um nichts mehr geht.

Rettungsprognose: 20 Prozent
Prognose Relegationsplatz: 50 Prozent

Restprogramm Hamburger SV:
VfL Wolfsburg (H)
Werder Bremen (A)
FC Augsburg (H)
1. FSV Mainz 05 (A)
SC Freiburg (H)
VfB Stuttgart (A)
Schalke 04 (H)

SC Paderborn (17. Platz, 24 Punkte)

Nach dem vierten Spieltag war der SC Paderborn Tabellenführer, seitdem ist er quasi im freien Fall. Nach drei Vierteln der Saison steht der Sensationsaufsteiger genau dort, wo ihn nahezu alle Experten vor der Saison erwartet hatten: auf einem direkten Abstiegsplatz. Die Hoffnung, diesen noch zu verlassen, erscheint verschwindend gering. Nur ein Sieg aus den letzten 17 Spielen und 561 Bundesliga-Minuten ohne eigenes Tor lassen allein den Schluss zu, dass es wieder runtergeht.

Immerhin: Paderborn hat lange das Maximum aus seinen geringen Möglichkeiten gemacht und ist auch heute noch ein unangenehmer Gegner für jede Mannschaft – zumindest bis das erste Tor gefallen ist. Einzig die Tatsache, dass die Konkurrenten kaum punkten und der Fakt, dass der VfB Stuttgart am letzten Spieltag in die Benteler-Arena kommt, hinterlässt zumindest einen Keim Hoffnung.

Rettungsprognose: 5 Prozent
Prognose Relegationsplatz: 10 Prozent

Restprogramm SC Paderborn:
FC Augsburg (H)
Borussia Dortmund (A)
Werder Bremen (H)
SC Freiburg (A)
VfL Wolfsburg (H)
Schalke 04 (A)
VfB Stuttgart (H)

VfB Stuttgart (18. Platz, 23 Punkte)

Ähnlich wie der HSV arbeitet auch Stuttgart seit Jahren nachhaltig am Gang in die 2. Bundesliga. Wirkte die Mannschaft vor Wochen noch leblos und Trainer Huub Stevens ratlos, machen die Leistungen der letzten Wochen ein wenig Mut, zumindest noch die Relegation packen zu können.

Das Positive aus Sicht der Schwaben: An den letzten beiden Spieltagen gegen den Hamburger SV und beim SC Paderborn könnte die Abstiegsfrage in einem Hitchcock-Finale geklärt werden. Da brauchen die VfB-Spieler Nerven und Form. Zumindest von letzterer haben sie derzeit ein wenig mehr als die Gegnerschaft.

Rettungsprognose: 15 Prozent
Prognose Relegationsplatz: 40 Prozent

Restprogramm VfB Stuttgart:
Werder Bremen (H)
FC Augsburg (A)
SC Freiburg (H)
Schalke 04 (A)
1. FSV Mainz 05 (H)
Hamburger SV (H)
SC Paderborn (A)

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  1. #Link11: Don’t hate the player(s) | Fokus Fussball sagt:

    […] doch bitte endlich zur Realität zurückfinden – in der zweiten Liga (Volk ohne Raumdeckung). Aktives Abseits macht einen Abstiegscheck und kommt zu dem Ergebnis: Uwe Seeler sollte sich Sorgen […]

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