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Jun
17

Die fünf schönsten Beinahe-Transfers der Premier League

Für gewöhnlich behält man nur die Transfers im Kopf, die tatsächlich über die Bühne gegangen sind. Dabei sind die gescheiterten Wechsel oft deutlich unterhaltsamer. Als kleine Replik auf meinen über zwei Jahre alten Beitrag über die schönsten Beinahe-Transfers der Bundesliga hier nun die fünf besten Transfers des englischen Fußballs, die nie zustande kamen.

Platz 5: Didier Drogba zum FC Arsenal (2002)

Arsène Wengers Vorliebe für Spieler aus dem französischsprachigen Raum ist hinlänglich bekannt. Umso schwerer fällt es in diesem Zusammenhang zu glauben, dass die spätere Chelsea-Ikone Didier Drogba vor seinem Durchbruch unter dem Radar des Gunners-Coachs durchgerutscht sein soll?!? Ist er natürlich nicht.

Tatsächlich hatte Wenger im Januar 2002 die Chance, den Ivorer für schlappe 100.000 Euro zu verpflichten. Der Elsässer befand den damals 24 jahre alten Stürmer des FC Le Mans allerdings als nicht reif genug. Drogba wechselte daraufhin für eben diese Summe zu EA Guingamp, wo er wie am Fließband traf. 2003 ging er für sechs Millionen Euro zu Olympique Marseille und schoss sich mit elf Europapokaltoren in die Notizbücher des FC Chelsea. Die Blues holten ihn 2004 für sage und schreibe 37 Millionen Euro. Bis 2012 erzielte Drogba für Chelsea 157 Tore in 341 Spielen.

Jahre später auf die entgangene Drogba-Verpflichtung angesprochen, räumte Wenger gewisse Versäumnisse ein: „Es war im Nachhinein ein Fehler, ihn nicht zu holen. Aber wir hatten damals Thierry Henry, also hatten wir keinen akuten Handlungsbedarf.“ Henry? In der Tat auch kein Schlechter.

Platz 4: Zlatan Ibrahimovic zum FC Arsenal (2000)

Wieder die Gunners, dieses Mal zwei Jahre früher. Der Transfer des damals 18-jährigen Zlatan Ibrahimovic von Malmö FF nach Highbury war quasi schon in trockenen Tüchern. Beide Klubs waren sich über eine Ablöse in Höhe von umgerechnet 3,5 Millionen Euro einig, Ibrahimovic ließ sich sogar schon im rot-weißen Jersey der Londoner mit der Rückennummer neun ablichten.

Im letzten Moment ließ der als Sturkopf bekannte Schwede den Deal allerdings platzen: Arsène Wenger habe ihm nicht ausreichend Wärme entgegengebracht und zu einem Probetraining drängen wollen, so die Version von „Ibracadabra“. Wenger stellte das Ganze etwas anders dar: „Ich fragte ihn, ob er eine kleine Trainingseinheit mit der Mannschaft machen möchte. Er hat abgelehnt.“

Ibrahimovic blieb noch ein Jahr in Malmö, ehe er 2001 für 7,8 Millionen Euro zu Ajax Amsterdam wechselte. Beim niederländischen Rekordmeister nahm seine Weltkarriere mit den weiteren Stationen Juventus, Inter, FC Barcelona, Milan und Paris St. Germain schließlich Fahrt auf.

Arsenal holte anstelle von Ibrahimovic für 15 Millionen Euro den jungen Francis Jeffers vom FC Everton, der in zwei Spielzeiten nur vier Tore für die Gunners erzielen sollte. Ibrahimovics Karrierebilanz bis zum Ende der Saison 2012/13 fiel da schon imposanter aus: 554 Spiele, 278 Tore.

Platz 3: Andrej Schewtschenko zu West Ham United (1994)

2006 wechselte Andrej Schewtschenko in die Premier League zum FC Chelsea. Dabei wäre „Europas Fußballer des Jahres 2004“ bereits 1994 um ein Haar auf der Insel gelandet. Zwei ukrainische Spielerberater kamen damals auf das Gelände des Londoner Traditionsklubs West Ham United und boten Trainer Harry Redknapp eine Handvoll junger Spieler aus Osteuropa an.

Redknapp schilderte die Szene später so: „Mein Co-Trainer Frank Lampard senior und ich waren von diesen Typen so eingeschüchtert, dass wir zustimmten, uns die Spieler anzuschauen. Einer machte einen guten Eindruck und wir fragten nach seinem Preis. Die Berater forderten 1,2 Millionen Euro – also sagten wir ‚Auf Wiedersehen‘.“ Wie sich später herausstellte, war dieser talentierte Knabe der damals 18-jährige Andrej Schewtschenko von Dynamo Kiew.

Falls es für Redknapp und Lampard senior ein Trost ist: Auch der 1. FC Köln (1995) und Werder Bremen (1996) versäumten es, bei „Schewa“ zuzugreifen. Der blieb noch ein Weilchen in Kiew, ehe er 1999 für 23 Millionen Euro zum AC Milan wechselte. 2006 war der Ukrainer dem FC Chelsea sogar das Doppelte wert. Mit 35 Jahren beendete Schewtschenko nach der EM 2012 in Polen und der Ukraine seine große Karriere nach 574 Spielen und 268 Toren.

Platz 2: Zinédine Zidane zu den Blackburn Rovers (1995)

In der abgelaufenen Saison haben die Blackburn Rovers mit Mühe und Not den Sturz in die Drittklassigkeit verhindert, doch 1995 waren die Blau-Weißen das Maß der Dinge im englischen Fußball. Angeführt von Stürmerstar Alan Shearer gewannen die Rovers damals sensationell den Titel – ein Kunststück, das seither nur Vereinen aus den Metropolen London oder Manchester gelang.

Nicht auszudenken, was für das Team in den nächsten Jahren möglich gewesen wäre, hätte Trainer Kenny Dalglish seinerzeit seinen Wunschspieler bekommen. Der hieß Zinédine Zidane, war 23 Jahre jung und kickte für Girondins Bordeaux.

Dalglish nahm im Sommer 1995 Kontakt zum sensiblen Franzosen auf, der einem Wechsel angeblich nicht abgeneigt war. Doch Präsident Jack Walker verhinderte den Transfer mit der folgenden schlüssigen Argumentation: „Was willst du mit Zidane, wir haben doch Tim Sherwood.“

Im Nachhinein dürfte Walker in diverse Kissen gebissen haben: Zidane wurde dreimaliger Weltfußballer des Jahres, Welt- und Europameister mit Frankreich, gewann mit Juventus Turin und Real Madrid Titel in Serie. Sherwood machte insgesamt drei Länderspiele für England und beendete seine Karriere 2005 beim Zweitligisten Coventry City.

Platz 1: Diego Maradona zu Sheffield United (1978)

Der damalige Zweitligist Sheffield United hätte vor 35 Jahren um ein Haar den Coup schlechthin gelandet. Niemand geringeres als das damals 17-jährige argentinische Supertalent Diego Maradona saß im Grunde schon im Flieger nach England.

Trainer Harry Haslam war sich mit „el pibe de oro“ einig, auch mit Maradonas damaligem Klub Argentinos Juniors waren die Konditionen bereits ausgehandelt. In letzter Minute schob der Vorstand der „Blades“ dem Wechsel jedoch einen Riegel vor. Umgerechnet 240.000 Euro Ablöse waren der Vereinsführung dann doch zu viel Geld für einen Teenager.

Stattdessen holte man für 190.000 Pfund Maradonas sieben Jahre älteren Landsmann Alejandro Sabella von River Plate. Der ist heute immerhin Trainer der argentinischen Nationalmannschaft. Als Spieler stand Sabella jedoch in keinem Verhältnis zum späteren Weltstar Maradona, der Argentinien 1986 quasi im Alleingang zum Weltmeister machte und mit dem FC Barcelona und dem SSC Neapel Titel um Titel einheimste.

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