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Apr
22

Die große Fallsucht – Bundesliga goes down

Gewinnspieleinlösung für April-Quizchampion Oli: Es ist erwiesen, dass männliche Fußballer nach Verletzungen im Spiel doppelt so lange liegen bleiben wie Fußballerinnen. Viele Profis gehen auch auffällig schnell danieder – ein Trend, der die Bundesliga zusehends erfasst.

Didier Drogba hat beim FC Chelsea den Status einer Legende inne. Zu Recht, hat der ivorische Angreifer für die Blues doch zwischen 2004 und 2012 157 Tore erzielt und das Champions-League-Finale 2012 gegen Bayern München fast im Alleingang gewonnen.

Drogba hatte aber lange Zeit auch ein schwieriges Verhältnis zu den eigenen Fans. Trotz seines Kampfgewichts von knapp 90 Kilogramm ging er in seinen ersten Jahren auf der Insel nämlich allzu schnell im Zweikampf zu Boden.

Vorbild England: Fans erziehen Stars zum Weiterspielen

Was in weiten Teilen der Welt – besonders in Südeuropa und Südamerika – normal ist, wird in England selbst von den eigenen Fans geächtet und mit Buh-Rufen quittiert. Die Folge: Auch wenn es ein paar Jahre gedauert hat, setzte bei Drogba ein Lerneffekt ein. Gleiches gilt für viele weitere Spieler, die im Lauf ihrer Karriere auf der britischen Insel angeheuert haben.

Die Engländer machen gewissermaßen vor, wie es sein sollte: Fußball ist ein Männersport, in dem man keine Freistöße, Elfmeter oder Platzverweise durch zu schnelles Fallen, theatralisches Abrollen oder lautes Mokieren provozieren sollte.

Bundesliga hat Aufholbedarf

Der deutsche Fußball mag weit vom extrem unsportlichen Standard der Südeuropäer entfernt sein, die bei einer Führung oft nach weniger als einer Stunde mit dem Zeitschinden beginnen. Die Bundesliga ist aber auch weit vom Standard des Inselfußballs entfernt. Aktuell tummeln sich in der Liga nicht wenige Spieler, die das Fallen kultiviert haben. Einige tun dies recht offen und „ligabekannt“, andere gehen subtiler und fast unbemerkt vor. Das Paradebeispiel hierfür ist Nationalspieler Thomas Müller vom FC Bayern, unzweifelhaft einer der größten Stars im Land.

Der WM-Torschützenkönig von 2010 hat es sich zusehends angewöhnt, nach einem leichten Kontakt noch im Fallen alle Viere von sich zu strecken und Richtung Schiedsrichter „Foul“ zu schreien. Wäre der 24-Jährige aber tatsächlich hart getroffen worden, hätte er wohl genug damit zu tun, erst einmal zu landen. Auch in anderen Klubs finden sich Spieler wie der Hoffenheimer Roberto Firmino oder der Mainzer Shinji Okazaki, bei denen die Schwerkraft oft relativ leichtes Spiel hat.

Fall Jarolim und die Folgen

Allerdings darf man nicht vergessen, dass es immer schon Spieler mit einer innigen Bindung zum Rasen gegeben hat. Wohin das extreme Ausleben der Fallsucht führt, hat der langjährige HSV-Profi David Jarolim in den 2000er Jahren erfahren: Zu Beginn seiner Laufbahn bekam der Tscheche noch zahlreiche Elfmeter zugesprochen – bis die Schiedsrichter dank der Fernsehbilder dahinterkamen, dass der leichtgewichtige Mittelfeldspieler sie allzu oft genarrt hatte.

Jarolim bekam im Herbst seiner Laufbahn die Konsequenzen zu spüren: Weil er den Ruf des Schwalbenkönigs nicht mehr loswurde, entschieden sich die Referees im Zweifel stets gegen einen Strafstoß. Mehr als einmal erhielt der Tscheche sogar Gelb wegen einer vermeintlichen Schwalbe im Strafraum, obwohl ein Kontakt durchaus vorhanden war.

Auch deutsche Fans sind gefordert

Der Fall David Jarolim zeigt, wohin einen die Fallsucht im Extremfall bringen kann. Doch es ginge auch anders: Wenn die Zuschauer in Deutschland dem englischen Vorbild folgen und auch die Spieler der eigenen Mannschaft für eine Schwalbe oder theatralisches Abrollen „ächten“ würden anstatt blind auf jede Gelegenheit für das eigene Team anzuspringen, wäre der Liga geholfen. Auch wenn ich es nicht gern zugebe: In manchen Fällen sollten wir Deutschen uns einfach mal etwas von den Engländern abgucken.

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