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Jun
19

Die Könige sind tot – Spaniens Tiki-Taka hat ausgespielt

Irgendwie mochte man nicht so recht an das Vorrunden-Aus der Spanier bei der WM 2014 glauben. Viel zu oft hat die „Furia roja“ in der Vergangenheit bewiesen, dass man sie nicht abschreiben sollte. Doch seit dem 0:2 gegen Chile ist der K.O. der Dominatoren der letzten sechs Jahre Fakt. Das Aus hat Gründe.

Lange war es nur eine These, nun ist es verbrieft: Die große spanische Mannschaft, die 2008 in furioser Manier die Europameisterschaft, 2010 auf abgeklärte Weise die Weltmeisterschaft und 2012 mit einer Mischung aus Routine und Momentum die Europameisterschaft gewonnen hat, ist über ihren Zenit hinaus.

Zu lange an den Granden festgehalten

Im Nachhinein muss man Trainer Vicente del Bosque attestieren, zu lange an lebenden Legenden wie Xavi, Iniesta, Alonso oder Casillas festgehalten zu haben – ein Fehler, der in der Vergangenheit fast jede große Mannschaft ereilt hat.

Deutschland 1994, Frankreich 2002 oder Italien 2010 waren trotz zahlreicher Weltmeister im Team nicht mehr auf der Höhe. In diese Reihe muss man nun auch Spanien stellen. Es ist das tragische Ende der vielleicht größten Nationalmannschaftsgeneration der Geschichte.

Spanien wird sich erholen

Doch Spanien wird zurückkommen: Kein Nationalverband produziert im Juniorenbereich so viele Kicker der Extraklasse. Dass del Bosque etwa einen Isco von Real Madrid angesichts der hohen Dichte an exzellenten Spielern zuhause gelassen hat, sagt einiges aus.

Wenn Spaniens alte Garde abtritt, wird die bisherige zweite Reihe um Bayerns Thiago, Manchester Uniteds Juan Mata, und die Real-Youngster Morata, Jesé oder eben Isco nachrücken. Allesamt sind sie brillante Fußballer mit enormem Entwicklungspotenzial. Spanien wird schon bei der EM 2016 wieder ein Titelkandidat sein. Ganz sicher.

Spanien muss sich verändern

Allerdings wird Spanien seine Spielidee verändern müssen. Wie schon beim FC Barcelona in den vergangenen zwei Jahren zu beobachten war, hat sich das berühmte Tiki-Taka totgelaufen. Der Ballbesitz ist zum Selbstzweck geworden, weil das Erzeugen von Torchancen zum Nebenprodukt verkommen ist.

Fast alle großen Nationen sind bei der WM von ihrer altbekannten Spielweise abgewichen, um sich den Verhältnissen in Brasilien anzupassen – ob es die Deutschen, die Niederländer oder die Argentinier sind. Spanien hat seinen Stiefel durchgezogen. Doch neben der Stringenz in den Aktionen haben sich auch die Gegner mittlerweile auf die Seleccion eingestellt.

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