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Mai
05

Die kurze Illusion von der besten Liga der Welt

Im Mai 2013 machte er besonders oft die Runde: der Satz, die Bundesliga sei „die beste Fußballliga der Welt“. Immerhin hatten in Bayern München und Borussia Dortmund zwei deutsche Vereine den Sieg in der Champions League unter sich ausgemacht. Lediglich ein Jahr später muss man allerdings festhalten, dass sich viele Beobachter vom schönen Schein haben blenden lassen: An der spanischen Primera División führt kein Weg vorbei – trotz der scheinbar so starken Premier League.

Titelverteidiger Bayern München, Vorjahresfinalist Borussia Dortmund und die „dritte Kraft“ Schalke 04 scheiden in der Champions League gegen Real Madrid aus, Bayer Leverkusen bezieht im Achtelfinale heftige Prügel gegen Paris St. Germain. Dazu das frühe Aus der Europa-League-Starter Eintracht Frankfurt, SC Freiburg und VfB Stuttgart – vor dem letzten Akt einer langen Europapokal-Saison liest sich das Abschneiden der deutschen Teilnehmer ernüchternd. Passt ein solches Abschneiden mit dem Status der besten Fußballliga der Welt zusammen? Natürlich nicht!

So sehr viele deutsche Medien, Funktionäre, Profis und Fans vor Jahresfrist die Bundesliga als das Maß aller Dinge wähnten, so sehr ist man nun auf dem Boden der Tatsachen angelangt. Das deutsche Finale von Wembley 2013 war nicht mehr als ein Ausreißer nach oben. Zwar nicht so überraschend wie das Finale 2004 zwischen dem FC Porto und AS Monaco, aber eben auch nichts, woran man sich gewöhnen sollte.

Die Fünfjahreswertung lügt nicht

Spanien bleibt das Maß der Dinge. Selbst die englische Premier League – die ja in unseren Gefilden gern alternativ zur Bundesliga als beste Liga der Welt genannt wird – kann nicht mit der Primera División mithalten. In diesem Jahr, da drei der vier Endspielteilnehmer in den europäischen Klubwettbewerben aus dem Land des Weltmeisters kommen, ist dies extrem.

Doch die unbestechliche UEFA-Fünfjahreswertung attestiert bereits seit der Jahrtausendwende, dass der spanische Fußball international konstant die besten Leistungen abruft. Ein aktueller Vorsprung von rund 13 Punkten auf die Premier League und sogar 16 Punkten auf die Bundesliga (zum Vergleich: die BL-Ausbeute in der Europapokal-Saison 2013/14 betrug 14,7 Punkte) lassen daran keinen Zweifel.

Breitere Spitze in Spanien und England

Dass die Bundesliga mit ihren Speerspitzen Bayern München und Borussia Dortmund nicht allzu breit aufgestellt ist, muss jedem Beobachter auch in der erfolgreichen Vorsaison klar gewesen sein. England mit den sogenannten „Big Four“ (Chelsea, ManUnited, ManCity, Arsenal) sowie den traditionell hochgewetteten Spurs aus Tottenham und dem FC Liverpool haben deutlich mehr Klasse in der Breite zu bieten – auch wenn United, City und Arsenal heuer abermals bewiesen haben, in der Königsklasse nicht zur absoluten Crème zu gehören und Liverpool auf internationalem Parkett gar nicht vertreten war.

Somit können logischerweise nur die Spanier als erste Kraft des Kontinents sein. Hierzulande war man in den letzten Jahren oft der Fehleinschätzung unterlegen, die Primera División könne man getrost auf den FC Barcelona (Sieger 2006, 2009, 2011) und Real Madrid (Rekordsieger im Landesmeister-Wettbewerb/CL) reduzieren.

Dabei wurde schon vor dem Aufstieg von Atlético Madrid zum Champions-League-Finalisten vergessen, dass die Iberer alle Jahre in der hierzulande wie auch in England als minderwertig eingestuften Europa League fleißig ihre Punkte gemacht haben.

Spanien macht auch im „Cup der Verlierer“ seine Hausaufgaben

Wo Tottenham Hotspur oder Manchester City weiland mit der B-Elf angetreten sind und die deutschen Starter vor allem über die „hohe Belastung“ lamentiert haben, gaben die Vertreter der Primera División Gas.

Fünf der letzten zehn Sieger in der Europa League kamen aus Spanien, der FC Sevilla (gegen Benfica Lissabon) könnte die Erfolgsbilanz auf sechs aus elf ausbauen. Der deutsche Fußball hat in dieser Zeit in Werder Bremen (2008/09; 1:2 nach Verlängerung gegen Schachtjor Donezk) nur ein Team ins Finale gebracht. In diesem Jahr fand bereits die Runde der letzten 16 ohne DFB-Beteiligung statt.

Man kann es also drehen und wenden wie man will: Die berühmte Breite in der Spitze ist in Spanien dichter als anderswo. Was die Top sechs angeht, kann zumindest aktuell nicht einmal die Premier League mithalten. Von der Bundesliga ganz zu schweigen. Die hat sich im dritten Glied wieder eingereiht. Neuer Versuch im nächsten Jahr.

2 Kommentare

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  1. Dominic sagt:

    „Dass Bayern München mit seinen Speerspitzen Bayern München und Borussia Dortmund nicht allzu breit aufgestellt ist, muss jedem Beobachter auch in der erfolgreichen Vorsaison klar gewesen sein.“

    Schöner Versprecher :D

  2. Heibel sagt:

    Ups, tatsächlich ein schöner Versprecher :-). Fast zu schön, um ihn richtigzustellen. Hab’s aber dann doch gemacht, der Vollständigkeit halber.

  1. #Link 11: Kölsch ist nicht zwingend unseriös | Fokus Fussball sagt:

    […] Wück spricht einige Worte über jeden seiner Schützlinge (DFB.de) + + + Beste Liga der Welt: Aktives Abseits vergleicht Deutschland, England, Spanien + + + Crystal Palace holt 0:3 auf: Was der FC Liverpool […]

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