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Aug
27

Die legendärsten Eigentore der Bundesligageschichte

Zum Start der 50. Bundesligasaison ist Fußball-Deutschland im Nostalgiefieber. Viele Medien erinnern aktuell an die ersten Jahre der Liga, die erfolgreichsten Torschützen oder die prägendsten Spielerpersönlichkeiten. Nils, der Gewinner des Aktives Abseits-Quiz im August, hat sich einen Rückblick auf die legendärsten Eigentore gewünscht. Bitte schön!

Stolze 886 Mal (Stand: 27. August 2012) ist der Ball seit Gründung der Fußball-Bundesliga im verkehrten Tor gelandet. Pro Saison macht das ungefähr 18 Eigentore. Rein statistisch ist also an jedem zweiten Spieltag ein Spieler der „Depp“.

Das erste Eigentor

Die Bundesliga war gerade einmal eine Woche alt, da fiel bereits das erste Eigentor: Am 2. Spieltag der Saison 1963/64 traf der Schalker Willi Schulz ins eigene Netz. Seiner Karriere hat das keinen Abbruch getan. Der Verteidiger bestritt zwischen 1959 und 1970 66 Länderspiele, wurde 1966 Vize-Weltmeister und 1970 WM-Dritter.

Treffsicherer Kaiser

Ein noch viel Größerer als Schulz, nämlich der „Kaiser“ persönlich, war sogar lange Zeit der „erfolgreichste“ Eigentorschütze der Liga. Franz Beckenbauer überwand in seiner Karriere seinen Keeper Sepp Maier ganze viermal – nur ein gutes Dutzend Bundesligastürmer der 60er und 70er dürfte die „Katze von Antzing“ häufiger bezwungen haben. In der Saison 1974/75 gelang Beckenbauer sogar in zwei aufeinander folgenden Spielen ein Eigentor. Bei der Taktikbesprechung vor der nächsten Partie fragte Sepp Maier daher lieber einmal bei Trainer Dettmar Cramer nach: „Wer deckt am Samstag eigentlich den Franz?“ Auch in seinem Abschiedsspiel am 1.6.1982 ließ es sich der „Kaiser“ nicht nehmen, ins eigene Tor zu treffen. Gelernt ist eben gelernt…

Streaky Shooter

Wenn der Knoten einmal platzt, fallen die Treffer bekanntermaßen wie am Fließband. Das gilt für das richtige Tor – und scheinbar auch für das falsche. Ein halbes Dutzend Spieler hat diesen „Lauf“ bereits erlebt und in ein und demselben Spiel zweimal ins eigene Tor getroffen: Dieter Pulter (1. FC Kaiserslautern, 1963), Gerd Zimmermann (Fortuna Köln, 1973), Per Røntved (Werder Bremen, 1976), Dieter Bast (VfL Bochum, 1980), Nikolce Noveski (Mainz 05, 2005) und Karim Haggui (Hannover 96, 2009). Der schnellste „Doppelschlag“ ist dabei dem Mainzer Urgestein Noveski gelungen: In der Partie gegen Eintracht Frankfurt am 19.11.2005 überwand der Mazedonier seinen Keeper Dimo Wache in der 3. und in der 6. Minute. In der 70. Minute traf Noveski ins richtige Tor zum 1:2, ehe Mitspieler Petr Ruman in der Nachspielzeit sogar der Ausgleich gelang. Gemeinsam mit HSV-Legende Manfred Kaltz führt Noveski übrigens mit sechs Eigentoren die ewige Bestenliste der Bundesliga an. Kann der Verteidiger allerdings seinen Karriereschnitt von einem Eigentor pro Saison halten, wird er sich noch in dieser Saison zur alleinigen Nummer eins aufschwingen.

6 Tore erzielt, 3:5 verloren

Im Spätherbst 2009, kurz nach dem tragischen Selbstmord ihres Schlussmans Robert Enke, steckte die Mannschaft von Hannover 96 in einer tiefen Krise. Wie mit einer Zentnerlast beladen, verlor die Mannschaft in dieser Phase Spiel um Spiel. Der Tiefpunkt war die Partie am 12.12.2009 in Mönchengladbach, als Karim Haggui seinen Torwart Florian Fromlowitz gleich zweimal überwand und Mitspieler Constant Djakpa auch noch einmal ins eigene Tor traf. 96 schenkte der Borussia damit 3 Tore zum schmeichelhaften 5:3-Sieg. Es war das eigentorreichste Spiel der Ligageschichte.

Unterhaching

Michael Ballack musste sich in seiner Karriere häufig den Vorwurf gefallen lassen, nur in unwichtigen Spielen zu treffen. Stimmt nicht…

Ein Tor im Tor – Pfaff und Piplica

In der Eigentorschützenliste der Bundesliga stehen besonders viele Torhüter. Bei ihnen gehört das Selbsttor zum Berufsrisiko, weil Szenen wie die folgende immer wieder passieren: Ein gegnerischer Spieler zieht aus der Distanz ab, der Keeper fliegt in die Ecke, der Ball prallt vom Pfosten an dessen Rücken und landet im Tor – kann man nix machen.

Doch manchmal sind die Torhüter auch selber schuld. Das Paradebeispiel in dieser Hinsicht hat der Belgier Jean-Marie Pfaff geliefert: Am 1. Spieltag der Saison 1982/83 verlängerte Pfaff in seinem ersten Pflichtspiel für den FC Bayern München einen weiten Einwurf des Bremers Uwe Reinders ins eigene Tor. Für Regelunkundige: Aus Einwürfen heraus dürfen keine Tore direkt erzielt werden. Hätte Pfaff den Ball passieren lassen, hätte es Abstoß gegeben.

Das legendärste Eigentor eines Keepers hat aber der unerreichte Tomislav Piplica (Energie Cottbus) erzielt. Der Kroate war ein Phänomen: Stets belächelt, aber von seinen Trainern immer aufgestellt und von den Energie-Fans gefeiert. Selbst seine Slapstick-Einlage am 6.4.2002 im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach wurde ihm verziehen. Cottbus führte kurz vor Schluss mit 2:1, als der Gladbacher Marcel Witeczek aus der zweiten Reihe abzog. Sein Schuss wurde von einem Cottbuser Verteidiger zu einer Bogenlampe abgefälscht, die Piplica mit der sprichwörtlichen Mütze hätte fangen können. Doch der Keeper stand wie festgenagelt auf der Torlinie, spekulierte wohl darauf, dass der Ball über das Tor geht. Die Kugel fiel jedoch kurz vor der Latte wie ein Stein vom Himmel, landete auf dem Kopf des staunenden Piplica und wurde von dort ins Tor verlängert. Bis heute kommt kein Kuriositätenfilm über die Bundesliga ohne diese Szene aus. Natürlich auch der folgende nicht:

Eigentore mit System

99 Prozent aller Eigentorschützen in der Bundesliga wollten sich nach ihren Fauxpas vermutlich irgendwo verkriechen. Einer nicht: Der Nürnberger Abwehrspieler Vlado Kasalo traf in der Saison 1990/91 – wie der „Kaiser“ in zwei aufeinander folgenden Spielen ins eigene Tor – allerdings so auffällig, dass die Polizei Ermittlungen anstellte. Die Ordnungshüter wurden fündig: Kasalo, Dauergast in fränkischen Spielcasinos, konnte eine Verbindung zur Wettmafia nachgewiesen werden. Der FCN entließ ihn, der DFB sperrte ihn. Auch eine kurze Haftstrafe musste der Kroate verbüßen. 1992 fand er in Mainz 05 sogar einen neuen Club. An der Seite von Jürgen Klopp verteidigte er zwei Jahre lang. Eigentore: Fehlanzeige. Die schoss er erst wieder nach seiner Karriere: Wegen illegalen Waffen- und Drogenbesitzes wurde Kasalo in den letzten Jahren zum Stammgast in kroatischen Gefängnissen.

Die Mutter aller Eigentore

Helmut Winklhofer war allenfalls ein durchschnittlicher Bundesliga-Spieler. Ok, er spielte in den 1980er Jahren immerhin acht Jahre lang für den FC Bayern und durfte vier deutsche Meisterschaften bejubeln, doch über den Status des Ergänzungsspielers kam der Defensivakteur nie hinaus. Vermutlich wäre er längst in Vergessenheit geraten, wenn es diese eine Szene nicht gegeben hätte: Am 1. Spieltag der Saison 1985/86 spielte Winklhofer mit dem FC Bayern bei Pokalsieger Bayer Uerdingen. Eine halbe Stunde ist gespielt, als sich Uerdingens Lars Gudmundsson den Ball ungefähr 30 Meter vor dem Bayern-Tor zu weit vorgelegt. Winklhofer will klären und zieht in Erwartung eines Pressschlags voll durch. Doch Gudmundsson nimmt im letzten Moment seinen Fuß weg. Winklhofer versenkt die Kugel mit einem perfekten Spannstoß aus 30 Metern, dem Jean-Marie Pfaff nur hinterherschauen kann, im eigenen Netz. Bayern verliert das Spiel mit 0:1, wird aber trotzdem Meister.

Die ARD-Sportschau nominiert den Treffer zum Tor des Monats. Winklhofer gewinnt mit deutlichem Vorsprung. Als der Kunstschütze und Torwart Pfaff ins Sportschau-Studio eingeladen werden, platzt Manager Uli Hoeneß der Kragen: „Das ist eine bodenlose Frechheit!“ Helmut Winklhofer holt seine Siegermedaille nie ab. Hier noch einmal sein unnachahmlicher Kunstschuss:

1 Kommentar

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  1. Nils sagt:

    Gutes Ding!! Da kann ich nur ein Wort sagen: Vielen Dank!

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