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Jul
03

Die Nummer eins…

Gewinn des Confed Cup mit einer Elf aus Talenten und Spätberufenen, Gewinn der U21-EM ohne zahlreiche spielberechtigte Akteure – ein Jahr vor der Fußball-WM 2018 in Russland steht Titelverteidiger Deutschland glänzend da.

Man muss sich die Namen auf der Zunge zergehen lassen: Manuel Neuer, Mats Hummels, Jerome Boateng, Benedikt Höwedes, Ilkay Gündogan, Sami Khedira, Toni Kroos, Thomas Müller, Marco Reus, Mesut Özil, Leroy Sané, Mario Götze, André Schürrle, Mario Gomez. Allesamt gestandene Nationalspieler, viele davon Weltstars, und allesamt NICHT am Gewinn des Confed Cup beteiligt.

Stattdessen holten beim ersten Erfolg einer DFB-Auswahl bei der „Mini-WM“ Spieler wie der lange übersehene Lars Stindl (28/Borussia Mönchengladbach) oder Nachwuchskräfte wie der überragende Schalker Leon Goretzka und „Liebling der Nation“ Timo Werner von RB Leipzig die Kohlen aus dem Feuer.

Eine simple und logische Rechnung

Die Rechnung scheint simpel: Wer selbst mit einer Perspektivmannschaft gegen die Meister aller Kontinente – darunter Europameister Portugal um Weltfußballer Cristiano Ronaldo und der giftige Südamerika-Champion Chile mit „Krieger“ Arturo Vidal und Torjäger Alexis Sanchez – besteht, der ist in Bestbesetzung zwangsläufig der Favorit bei der Weltmeisterschaft in einem Jahr. Zumal als Titelverteidiger, bei dem zahlreiche Weltmeister von 2014 noch immer im besten Fußballalter sind.

„Zumindest im Cricket sind sie schlecht“, twitterte der für seine feine Ironie bekannte frühere englische Nationalspieler Gary Lineker nach dem 1:0-Finalsieg der DFB-Auswahl über Chile. Ziemlich genau 27 Jahre ist es her, das sagte eben jener Lineker nach dem verlorenen WM-Halbfinale 1990 gegen den späteren Champion Deutschland seinen berühmten Satz mit dem resignierenden Schluss „…und am Ende gewinnt immer Deutschland“.

Löw der große Gewinner

Für Bundestrainer Joachim Löw ist die aktuelle Situation ideal. Der Weltmeistercoach verkaufte den Confed Cup, an dem man als Weltmeister teilnehmen „musste“, von vornherein als Veranstaltung mit Testcharakter. Ein Dutzend Stammspieler durfte sich erholen, anstatt erneut einen Sommer durchzupowern. Mit einer zusammengewürfelten B- bis C-Elf ging Löw das Turnier ohne jeden Druck an, wenn man einmal von der Kritik der FIFA und der russischen Gastgeber absieht. Selbst für ein Vorrundenaus hätte sich der Bundestrainer kaum rechtfertigen müssen, schließlich maß auch die Öffentlichkeit dem „Confetti Cup“ oder „Konfekt Cup“ nur wenig Bedeutung bei.

Nun kam es bekanntermaßen anders. Um Weltmeister und Vertretungskapitän Julian Draxler, selbst erst 23 Jahre alt, erhob in Abwesenheit der Platzhirsche die neue Generation ihren Anspruch auf die WM-Plätze. Löw kann sich sicher sein: Im nächsten Jahr gibt es ein Hauen und Stechen um die 23 Kaderplätze für Russland. Eine brutale Auslese, an deren Ende ein Top-Team stehen wird.

U21-Europameister scharren schon mit den Hufen

Und die übernächste Generation ist bereits in den Startlöchern. Goretzka, Werner, Emre Can, Joshua Kimmich, Niklas Süle, Julian Brandt und Benjamin Henrichs wären allesamt für die parallel stattfindende U21-EM in Polen spielberechtigt gewesen. Sie hätten die Mannschaft von Trainer Stefan Kuntz gewiss noch einmal verstärkt – doch auch ohne sie sprang dank einer Leistungssteigerung im Turnierverlauf der Titelgewinn heraus.

Erinnerungen wurden sofort wach an die U-21-Europameister von 2009. Fünf Jahre nach ihrem „Mittsommermärchen“ in Schweden gehörten sechs von ihnen im WM-Finale gegen Argentinien (1:0 n.V.) zur Startelf. Und auch die zweite deutsche Generation der Junioren-Europameister hat durchaus Ambitionen. Kapitän Maximilian Arnold und der Schalker Max Meyer haben bereits Erfahrung im A-Nationalteam. Ebenso wie Serge Gnabry, der nicht von ungefähr im Sommer zu Bayern München wechselt. Auch baldige Nominierungen von Dortmunds 20-Millionen-Neuzugang Maximilian Philipp oder vom Hoffenheimer Nadiem Amiri für „Die Mannschaft“ wären keine Überraschungen.

Kurzum: Ein Jahr vor der WM sind die Aussichten rosig, weil die Crème de la Crème des deutschen Fußballs immer noch zu Höchstleistungen fähig ist, aber auch jede Menge Qualität nachkommt. Dennoch ist eine WM ein Turnier voller Unwägbarkeiten. Der Teamgeist spielt eine große Rolle, dazu können Verletzungen, unglückliche Gegentore oder ungerechtfertigte Sperren eine Mannschaft aus dem Rhythmus und damit schnell aus dem Turnier bringen. Das Ziel muss dennoch sein, am 15. Juli 2018 den WM-Pokal zum fünften Mal zu gewinnen. Gut möglich, dass sich Lineker in einem Jahr mit einer anderen Sportart trösten muss, in der Deutschland so gar nicht gut ist. Hurling zum Beispiel. Oder Rugby.

2 Kommentare

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  1. Oliver sagt:

    Da hat der DFB anscheinend gute Arbeit geleistet! Jetzt sind die Erwartungen natürlich für die WM sehr hoch.Hoffentlich geht das ganze nicht nach hinten los.Das Potential ist da,mal sehen wie die jungen Spieler mit dem Druck umgehen.Bin gespannt wie viele es von der jungen Garde in den WM Kader schaffen. Wenn es weiter so läuft sag ich nur WM FINALE!!!

  2. JJ sagt:

    Ob ausgerechnet Rugby sein nächstes Spiel wird? Geben wir ihm doch erstmal noch eine Chance…

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