«

»

Jan
06

Die schlechtesten Winter-Transfers der Bundesliga

Die Winterpause wird von vielen Bundesliga-Vereinen dazu genutzt, die Fehler des Sommer-Transfermarkts zu korrigieren. Allzu oft haben sich solche Einkäufe allerdings als Flops erwiesen. Hier sind die schlechtesten Winter-Transfers der Bundesliga.

Ailton (2005/06; Besiktas SK -> Hamburger SV)
In sechs Jahren bei Werder Bremen war Ailton Torjäger und Publikumsliebling in Personalunion. Als der „Kugelblitz“ nach dem Double-Gewinn 2004 der Spur der Kohle zum FC Schalke 04 folgte, ging es mit seiner Karriere langsam bergab. 2005 folgte ein weiterer Wechsel des Geldes wegen zu Besiktas. Nach sechs Monaten in der Türkei wurde das „Heimweh“ unerträglich, doch Werder wollte Ailton nicht mehr, also ging der ausgerechnet zum Nordrivalen HSV. Dass er dort nur drei Tore in 13 Spielen erzielte, wäre halb so schlimm gewesen, hätte er am 34. Spieltag im direkten Duell mit Werder um Platz zwei das leere Tor getroffen – hat er aber nicht.

Albert Streit (2007/08; Eintracht Frankfurt -> Schalke 04)
Es ist ein billiger Gag, aber im Fall von Albert Streit war der Name im Verlauf seiner Karriere tatsächlich Programm – besonders auf Schalke, wo er im Januar 2008 einen angeblich mit drei Millionen Euro p.a. dotierten Vertrag bis 2012 unterschrieb. Nach 14 Einsätzen unter Mirko Slomka und Fred Rutten suspendierte Felix Magath Streit im Herbst 2009, weil dieser „nicht ansatzweise“ versucht habe, „sich einen Stammplatz zu erarbeiten.“ Die Schalker U23 und die Regionalliga West wurden fortan Streits Zuhause. Es folgten mehrere Abmahnungen, ehe ihm 2011 die fristlose Kündigung ins Haus flatterte. Ende 2011 wurde der Streit vor Gericht beigelegt. Zuletzt kickte der Techniker bei Viktoria Köln in der Regionalliga. Er schied im Streit.

Breno (2007/08; FC Sao Paulo -> Bayern München)
Die Geschichte von Breno Vinicius Rodrigues Borges begann verheißungsvoll, als er im Alter von 18 Jahren beim FC Bayern anheuerte. Zwölf Millionen Euro musste der Rekordmeister auf den Tisch legen, um die Konkurrenz aus Madrid und Mailand im Kampf um das Verteidiger-Talent auszustechen. Breno wurde allerdings zu einem Anschauungsobjekt dafür, wie ein junger Südamerikaner seine Karriere NICHT aufbauen sollte: Gerade einmal volljährig, war er fernab der Heimat mit der neuen Sprache und (Spiel-)Kultur überfordert. Mehr Zeit in Brasilien oder eine Zwischenstation in Spanien oder Portugal hätten ihm gewiss gut getan. Bis zu seiner Inhaftierung wegen Brandstiftung bestritt Breno nur 28 Bundesligaspiele für den FCB. Mittlerweile ist er Freigänger und arbeitet im Trainerteam der U23 des Vereins.

Caio (2007/08; Gremio Barueri -> Eintracht Frankfurt)
Irgendwie musste es so kommen: Da öffnete Eintracht Frankfurts sonst so knausriger Vorstandsboss Heribert Bruchhagen einmal das Portemonnaie, indem er 3,8 Millionen Euro in einen brasilianischen Spielmacher steckte, und dann erwies sich dieser als Flop. Nur auf eines war bei Caio Verlass: Nach jedem Sommer- und Winterurlaub stand er mit Übergewicht und katastrophalen Fitnesswerten bei den Hessen auf der Matte. Caio blieb bis zum Abstieg 2012. Er bestritt immerhin Bundesliga-80 Spiele (acht Tore), stand aufgrund seiner andauernden Fitnessprobleme aber nur zehnmal über die vollen 90 Minuten auf dem Rasen.

Landon Donovan (2008/09; LA Galaxy -> Bayern München)
Der Name des US-amerikanischen Angreifers steht exemplarisch für das gescheiterte Experiment der Münchner, den „Projektmanager“ Jürgen Klinsmann als Cheftrainer einzusetzen. Donovans Leihe dauerte nur zehn Wochen, vom 1. Januar 2009 bis zum Beginn der Saisonvorbereitung in der Major League Soccer im März. In dieser Zeit kam der damals 26-Jährige, der 2005 bereits bei Bayer Leverkusen gescheitert war, auf sechs Kurzeinsätze. Der damalige Bayern-Manager Uli Hoeneß hatte seine eigene Meinung zu Donovan, wie er 2010 bei einem TV-Auftritt verriet: „Klinsmanns einziger konkreter Vorschlag war die Verpflichtung von Landon Donovan gewesen, von dem Hermann Gerland sagt, der würde bei ihm nicht mal in der zweiten Mannschaft spielen.“

Ryan Babel (2010/11; FC Liverpool -> 1899 Hoffenheim)
Der niederländische Angreifer Ryan Babel ist vermutlich der prominenteste Einkauf in der 115-jährigen Geschichte des „Dorfvereins“. Für amtliche sieben Millionen Euro wechselte der Linksaußen im Januar 2011 von der Anfield Road an die Sinsheimer Straße. Doch weder Marco Pezzaiuoli noch Holger Stanislawski oder Markus Babbel kamen so recht an den Nationalspieler heran. Nach 46 Bundesligaspielen und fünf Toren machte Babel 2012 den Abflug.

Lilian Laslandes (2001/02; AFC Sunderland -> 1. FC Köln)
Ein waschechter (Ex-)Nationalspieler aus dem Land des seinerzeit amtierenden Welt- und Europameisters Frankreich sollte die zahnlosen Geißböcke in der Saison 2001/02 vor dem zweiten Abstieg aus der Bundesliga bewahren. Das war wohl nichts. Laslandes‘ Arbeitsnachweis: Fünf Spiele, eine Rote Karte. Geblieben sind nur sein Spitzname „Laslandesliga“ und der inoffizielle Titel, der vermeintlich schlechteste Wintertransfer in der Geschichte des 1. FC Köln zu sein.

Tuncay Sanli (2010/11; Stoke City -> VfL Wolfsburg)
Das Missverständnis zwischen dem türkischen Idol und dem VfL war so groß, dass man Tuncay nur drei Jahre nach seinem Engagement in der Bundesliga fast schon wieder vergessen hat. Tuncay war der absolute Wunschspieler von Trainer Steve McClaren, unter dem er einst beim FC Middlesbrough geglänzt hatte. Dumm nur: McCLaren wurde bereits im Februar 2011 gefeuert. Der für 4,5 Millionen Euro verpflichtete Linksaußen kam so lediglich viermal zum Einsatz. Nach einem halben Jahr erfolgte bereits die Trennung.

Rever (2009/10; Gremio Porto Alegre -> VfL Wolfsburg)
Der Transfer des Brasilianers Rever Humberto Alves Araujo für fünf Millionen Euro war die erste bedeutende Amtshandlung des frisch installierten Wölfe-Managers Dieter Hoeneß, der Rever als „absolute Granate“ pries. Arbeitsnachweis des Verteidigers für den damals amtierenden Deutschen Meister: 15 Minuten in der Europa League. Bereits im Sommer 2010 ging es für drei Millionen Euro wieder in die Heimat zu Atletico Mineiro. Pointe: Mittlerweile ist Rever achtfacher brasilianischer Nationalspieler. Der 29-Jährige hat sogar Chancen auf einen Platz im WM-Kader der Selecao.

Wesley Sonck (2004/05; Ajax Amsterdam -> Bor. M’Gladbach)
Bevor die große Talentschwämme im belgischen Fußball einsetzte, war Angreifer Wesley Sonck einer der wenigen Stars in unserem Nachbarland. In der Winterpause der Saison 2004/05 wurde er in Mönchengladbach dem neuen Trainer Dick Advocaat für 2,5 Millionen Euro unter den Weihnachtsbaum gelegt. Sonck blieb zwei Jahre, machte aber eher durch Verletzungen (Knieprobleme, Leistenverletzung, dreifacher Rippenbruch) Schlagzeilen als durch Tore. Derer gelangen ihm sechs in 28 Spielen.

Denni Avdic (2010/11; IF Elfsborg -> Werder Bremen)
Werder Bremen hat in den letzten Jahren auf dem Transfermarkt gewiss mehr schlechte als gute Entscheidungen getroffen. Eine der schlechtesten dürfte der schwedische Angreifer Denni Avdic gewesen sein, den der damalige Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs im Januar 2011 für stolze 2,2 Millionen Euro an Land zog. Der „schöne Schwede“, wie der Boulevard Avdic schnell taufte, erwies sich allerdings als nicht bundesligatauglich. Nach 159 Bundesliga-Minuten war Schluss bei Werder, mittlerweile kickt er in den Niederlanden.

Franca (2012/13; Criciuma EC -> Hannover 96)
Welington Wildy Muniz dos Santos, besser bekannt als Franca, ist eher eine tragische Figur als ein Flop. Einvernehmlich von Trainer Mirko Slomka und dem damaligen Sportdirektor Jörg Schmadtke anhand von DVD-Material für 1,3 Millionen Euro verpflichtet, wurde der defensive Mittelfeldspieler schnell beim Boulevard zur Lachnummer, weil er anstatt der angekündigten 1,88 Meter nur 1,81 Meter maß. Hannover hatte allerdings explizit einen kopfballstarken Spieler für die Sechserposition gesucht. Doch das war erst der Anfang. Auf eine Knieverletzung folgte eine Tuberkulose-Erkrankung, von der sich Franca erst im Mai 2013 erholte. Seinen Rückstand konnte er auch bis zur Winterpause 2013/14 nicht aufholen, sodass 96 ihn in seine Heimat zu Palmeiras verlieh.

Arilson (1995/96; Gremio Porto Alegre -> 1. FC Kaiserslautern)
Aus Angst vor dem ersten Abstieg investierte der FCK im Winter 1995 seine damalige Rekordablösesumme von sechs Millionen DM (etwa drei Millionen Euro) in den brasilianischen Spielmacher Arilson. Die Probleme des damals 22-Jährigen erscheinen so heute symptomatisch wie vorhersehbar: Klima, Kultur und Sprache sowie der Spielstil der Bundesliga bereiteten dem Techniker riesige Probleme. Dazu kam er in einer absoluten Drucksituation zum FCK. Als am Saisonende unter Eckhart Krautzun nur noch Kämpfer gefragt waren, spielte Arilson keine Rolle mehr. Nach zehn Einsätzen verließ er Kaiserslautern am Saisonende wieder in die Heimat.

Roland Wohlfarth (1994/95; AS St. Etienne -> VfL Bochum)
Ende der 1980er Jahre war Roland Wohlfarth der Torgarant schlechthin beim FC Bayern München. Der zweimalige Bundesliga-Torschützenkönig („Zwei Schüsse, ein Tor – das nennt man wohl hundertprozentige Chancenauswertung“) wurde allerdings 1993 aussortiert und an den französischen Traditionsklub AS St. Etienne verkauft. Nach eineinhalb Jahren zog es den zweimaligen Nationalspieler wieder in die Bundesliga, wo er den VfL Bochum vor dem Abstieg bewahren sollte. Wohlfarths Problem: Er war körperlich etwas aus der Facon geraten und kompensierte diesen Umstand auf eigene Faust durch die Einnahme eines Appetitzüglers. Bei einem Dopingtest wurde er daraufhin als erster Bundesligaspieler positiv getestet und für zwei Monate gesperrt. In elf Spielen gelang ihm kein Tor, der VfL stieg ab.

Vlado Kasalo (1989/90; Dinamo Zagreb -> 1. FC Nürnberg)
„Wettschulden sind Ehrenschulden“ lautet ein altes Sprichwort, das offenbar auch dem jugoslawischen Libero Vado Kasalo bekannt war. Der wechselte in der Winterpause 1989/90 für eine Million DM nach Nürnberg. Nach schleppendem Start spielte er in der Hinrunde der Folgesaison groß auf, im März 1991 unterliefen ihm aber binnen zwei Spielen zwei Eigentore. Die Polizei ermittelte wegen Wettbetrugs gegen Kasalo, der schließlich wegen illegalen Glücksspiels zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*