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Die Spur des Geldes – Der Transfersommer 2016

Im Sommer 2016 wurden sämtliche Transferrekorde der Fußballgeschichte pulverisiert. Angeheizt vom 3,2 Milliarden Euro schweren TV-Vertrag der Premier League kauften die Klubs aus England für irrsinnige Summen ein. Auch die Bundesliga war ein wichtiger Baustein der Summer Madness. Nichts kann den Wahnsinn besser dokumentieren als die nackten Zahlen.

Die 10 teuersten Transfers des Sommers

1. Paul Pogba (ZM) Juventus Turin -> Manchester United 105,00 Mio. Euro (Weltrekord)
2. Gonzalo Higuaín (MS) SSC Neapel -> Juventus Turin 90,00 Mio. Euro
3. Hulk (RA) Zenit St. Petersburg -> Shanghai SIPG 55,80 Mio. Euro
4. John Stones (IV) FC Everton -> Manchester City 55,60 Mio. Euro (teuerster Abwehrspieler der Geschichte)
5. Leroy Sané (RA) Schalke 04 -> Manchester City 50,00 Mio. Euro
6. Granit Xhaka (ZM) Borussia M’gladbach -> FC Arsenal 45,00 Mio. Euro
7. Henrich Mchitarjan (OM) Borussia Dortmund -> Manchester United 42,00 Mio. Euro
8. Sadio Mané (LA) FC Southampton -> FC Liverpool 41,20 Mio. Euro
9. Shkodran Mustafi (IV) FC Valencia -> FC Arsenal 41,00 Mio. Euro
10. Álvaro Morata (MS) Juventus Turin -> Real Madrid 40,00 Mio. Euro

Was fällt auf? Zunächst einmal war die Premier League bei den zehn teuersten Transfers siebenmal als Käufer aktiv – für die unfassbare Summe von 379,8 wurden also sieben Spieler zu einem der Klubs aus dem Mutterland des Fußballs transferiert. Paul Pogba war Manchester United die Weltrekordsumme von 105 Millionen Euro wert. Unfassbar: Nur vier Jahre zuvor ließ United den damals 19 Jahre jungen Franzosen ablösefrei (!) zu Juventus Turin wechseln.

Überhaupt die Turiner: Kauften 2014 das Angriffstalent Álvaro Morata von Real Madrid für 20 Millionen und verkauften ihn zwei Jahre später für das Doppelte wieder an den Klub, der ihn einst ausbildete. Da kann man auch mal 90 Millionen Euro für den Argentinier Gonzalo Higuaín, einen bei aller Treffsicherheit deutlich übergewichtigen Angreifer, ausgeben.

Und die Bundesliga? Die hat schön kassiert: Leroy Sané (20) war Manchester City nach nur 47 Bundesligaspielen und vier A-Länderspielen satte 50 Millionen Euro wert. Der Schweizer Granit Xhaka, ein stets am Rande des Platzverweises wandelnder Sechser, brachte Borussia Mönchengladbach eine Summe ein, mit der die Elf vom Niederrhein vermutlich ein Jahr lang seinen gesamten Kader bezahlen kann. Und Dortmund verkaufte den unzufriedenen Armenier Mchitarjan ein Jahr vor Vertragsende für 40 Millionen Euro – in Manchester ist er zu Saisonbeginn nicht mehr als ein Edelreservist.

Seltsames trug sich auf dem Transfermarkt in den hinteren Reihen zu: John Stones, 22 Jahre alter Verteidiger mit nicht einmal einem Dutzend Länderspielen für England, darf sich seit wenigen Wochen teuerster Abwehrspieler der Welt nennen. Und Shkodran Mustafi, der 2014 mit seiner Verletzung und der daraus folgenden Rückversetzung Philipp Lahms auf die Rechtsverteidigerposition mehr zum WM-Gewinn der deutschen Mannschaft beigetragen hat als mit jedem Laufduell und Ballkontakt, ist nun offiziell der viertteuerste deutsche Spieler überhaupt.

Das Geld wanderte derweil immer weiter nach unten. So wurden in der Bundesliga ebenfalls Mondpreise für mittelmäßige Spieler aufgerufen. Mittlerweile gilt: Wer für weniger als fünf Millionen Euro wechselt, wird eigentlich nur für die Reservebank gekauft.

Ablösen werden zudem immer mehr für Talent – also für ein sich womöglich nie erfüllendes Versprechen – ausgegeben als für erwiesene Klasse. Ein 50-Millionen-Mann wie Leroy Sané oder ein Renato Sanches, den Bayern München für zunächst „nur“ 35 Millionen Euro als Basiszahlung verpflichtet hat, könnten nach einem guten Jahr doppelt soviel wert sein. Vergessen wird dabei oft, dass diese jungen Spieler an ihren Ablösesummen leicht zerbrechen können.

Transferausgaben nach Ligen

1. Premier League 1,41 Mrd. Euro (Weltrekord)
2. Serie A 0,71 Mrd. Euro (Serie-A-Rekord)
3. 1. Bundesliga 0,56 Mrd. Euro (Bundesliga-Rekord)
4. La Liga 0,49 Mrd. Euro
5. Championship (2. Englische Liga) 0,27 Mrd. Euro

Transferausgaben nach Vereinen

1. Manchester City (England) 213,00 Mio. Euro
2. Manchester United (England) 185,00 Mio. Euro
3. Juventus Turin (Italien) 162,50 Mio. Euro
4. FC Chelsea (England) 141,30 Mio. Euro
5. FC Barcelona (Spanien) 122,75 Mio. Euro
6. Inter Mailand (Italien) 113,30 Mio. Euro
7. FC Arsenal (England) 113,00 Mio. Euro
8. Borussia Dortmund (Deutschland) 109,75 Mio. Euro
9. AS Rom (Italien) 98,10 Mio. Euro
10. Tottenham Hotspur (England) 82,50 Mio. Euro
… 16. Bayern München (Deutschland) 73,00 Mio. Euro

Die Vereine mit dem größten Transferminus

1. Manchester City (England) -191,15 Mio. Euro
2. Manchester United (England) -178,55 Mio. Euro
3. Inter Mailand (Italien) -100,60 Mio. Euro
4. FC Chelsea (England) -100,30 Mio. Euro
5. FC Arsenal (England) -99,75 Mio. Euro

Die größten ausländischen Profiteure der England-Millionen

1. 1. Bundesliga 190,2 Mio. Euro
2. La Liga 176,6 Mio. Euro
3. Serie A 161,0 Mio. Euro

Zum Abschuss zwei Denkanstöße

„Wir handeln wie mit Spielgeld. Wenn der Scheich keinen Bock mehr hat, wäre alles vorbei.“ (Jürgen Klopp, Teammanager FC Liverpool)

„Die Summen stehen in keinem Verhältnis mehr zu den Leuten, die ins Stadion kommen, um sich ein Spiel anzusehen. Wenn es nur noch um Geld und Transaktion geht, verlieren wir die Beziehung zu den Menschen.“ (Thomas Tuchel, Trainer Borussia Dortmund)

Quelle der Ablösesummen: transfermarkt.de

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