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Die Trainersuche des 1. FC Köln – Ein Drama in 23 Akten

Fast vier Wochen hat die Trainersuche beim 1. FC Köln gedauert. Das ist selbst für diesen krisen- und turbulenzenaffinen Verein ein Novum. Hier noch einmal das komplette Drama, mit besonderem Dank an die Kriegsberichterstatter vom „Express“.

18. Mai 2013

In einer Presseerklärung gibt der 1. FC Köln die einvernehmliche Trennung von Trainer Holger Stanislawski zum Saisonende bekannt. Der „Express“ hatte zuvor in einer Breaking News berichtet, dass Stanislawski die Zusammenarbeit auf eigenen Wunsch beenden möchte.

19. Mai 2013

Beim bedeutungslosen 3:0 in Ingolstadt sitzt Stanislawski zum letzten Mal auf der Kölner Bank. Auf einer improvisierten Saisonabschluss-Pressekonferenz begründet er seinen Abschied mit dem Verpassen des Aufstiegs, den er sich persönlich zum Ziel gesetzt habe. Weiterhin beklagt er die mediale Berichterstattung um seine Person, die mehrfach „unter die Gürtellinie“ gegangen sei.

Die ersten Namen von Nachfolgekandidaten fallen. Geschäftsführer Alexander Wehrle nennt den im Februar bei Greuther Fürth entlassenen Mike Büskens einen „interessanten Mann“. Auch Heiko Vogel (vereinslos, zuletzt FC Basel) und Stephan Schmidt (vereinslos, zuletzt SC Paderborn) werden medial gehandelt.

20. Mai 2013

Am Tag nach dem letzten Saisonspiel sammelt man sich in Köln und bilanziert die Lage. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ spricht nicht allein angesichts des vakanten Traineramts vom „Tanz auf dem Scherbenhaufen“. Auch die finanzielle Schieflage ist in diesen Tagen ein großes Thema, wenn nicht das größte. Noch jedenfalls…

21. Mai 2013

Köln ist immer noch erschüttert. Der „Express“ titelt: „Stanis Fahnenflucht!“ Nach Büskens werden nun auch Claus-Dieter „Pele“ Wollitz (vereinslos, zuletzt VfL Osnabrück) und Kosta Runjaic (MSV Duisburg) ins Gespräch gebracht.

22. Mai 2013

Der „Express“ berichtet, dass Mike Büskens nicht mehr auf der Kandidatenliste bei Fortuna Düsseldorf steht. Damit scheint der Weg frei für den FC.

23. Mai 2013

Vizepräsident Harald „Toni“ Schumacher schwadroniert im „Express“ über die Trainersuche und die neuen Saisonziele. Der Tünn wird beinahe poetisch, als er sagt: „Wer hierhin kommt, findet das Paradies auf Erden.“ Weiterhin erweist sich der 59-Jährige als Mann mit Weitblick: „In drei Wochen beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison und deshalb drängt die Zeit. Wir müssen uns also beeilen.“

24. Mai 2013

Bei Fortuna Düsseldorf bahnt sich die Entlassung von Trainer Norbert Meier an. Kommt Wunschkandidat Mike Büskens etwa doch nicht zum FC?

25. Mai 2013

Der „Express“ enthüllt den Anforderungskatalog der Kölner Bosse: „Idealerweise bundesliga-, in jedem Fall aber zweitligaerfahren. Am besten als Aufstiegstrainer bekannt, medienerprobt, sowie mindestens drei Jahre im Geschäft.“

26. Mai 2013

Da sich eine Einigung zwischen Büskens und Düsseldorf abzeichnet, werden neue Trainerkandidaten ins Spiel gebracht, u.a. Michael Oenning (vereinslos, zuletzt Hamburger SV) und Markus Babbel (vereinslos, zuletzt 1899 Hoffenheim). FC-Geschäftsführer Wehrle sagt: „Eine Entscheidung fällt nicht vor Montag.“ Gnihi.

27. Mai 2013

Mike Büskens hält den FC weiter hin, verhandelt parallel mit seinem Heimatverein Fortuna Düsseldorf und dem FC Ingolstadt. Als zweiter Top-Kandidat wird erstmals Roger Schmidt (Red Bull Salzburg) gehandelt. In dessen Windschatten bringt sich auch Markus Babbel via „Express“ in Position: „Der Akku ist aufgeladen. Und die Arroganz habe ich nicht, die 2. Liga auszuschließen. Mit Hertha BSC bin ich auch einst aufgestiegen. Dort war die Situation damals zu der in Köln heute ähnlich.“

30. Mai 2013

Der „Express“ macht mit der Überschrift „Alles Roger mit Schmidt?“ auf. Schumacher und Wehrle sollen dem 46-Jährigen bereits einen Besuch abgestattet haben. Dennoch lautet die Devise: abwarten.

31. Mai 2013

Im Kölner Blätterwald rauscht es gewaltig: Bei Schmidt geht es dem Vernehmen nach nur noch um die Höhe der Ablösesumme. Roger ante portas?

1. Juni 2013

Mike Büskens sagt Köln ab und geht nach Düsseldorf. Zumindest aus Berlin gibt es positive Nachrichten: Die U-19 des FC gewinnt den DFB-Pokal.

2. Juni 2013

Laut „Express“ feilscht die FC-Führung mit Salzburgs Sportdirektor Ralf Rangnick um die Schmidt-Ablöse. Der weiß angeblich nichts von einem konkreten Interesse der Kölner: „Ich gehe davon aus, dass die Gespräche zwischen Köln und unserem Trainer nicht mehr als informellen Charakter haben.“ Parallel tritt das Unvermeidliche ein: Der Name Christoph Daum fällt. Der „Express“ beweist in diesem Zusammenhang echtes Satire-Potenzial und schreibt: „Finanziell würde es kaum Probleme geben. Denn: Daum würde angesichts der millionenschweren Schieflage des Klubs auf ein üppiges Gehalt verzichten und sich lediglich mit Erfolgsprämien abfinden.“ Ist klar.

4. Juni 2013

Die Verhandlungen mit Roger Schmidt sind definitiv geplatzt. „Wir haben die Verhandlungen abgebrochen“, erklärt Wehrle dem „Express“. Neuer Top-Kandidat ist angeblich Österreichs Nationaltrainer Marcel Koller, der den FC bereits zwischen Oktober 2003 und Mai 2004 betreut hatte. Unter Koller wurde Köln seinerzeit zwar abgeschlagen Tabellenletzter, dafür entdeckte der Schweizer jedoch Lukas Podolski – Absolution erteilt! Und: Nach dem sich abzeichnenden Lizenzentzug gegen den MSV Duisburg wird auch die Personalie Kosta Runjaic wieder heißer.

5. Juni 2013

Auf „fc-koeln.de“ bezieht Geschäftsführer Wehrle Stellung zur Trainersuche: „Zum Trainingsauftakt ist der Kader bei weitem nicht komplett und es stehen einige medizinische und leistungsdiagnostische Untersuchungen an, sodass wir nicht auf Teufel komm‘ raus alles auf einen symbolischen Termin setzen.“ Ob der 43-Jährige da schon was ahnte? Oliver Kahn macht sich derweil via „Express“ für Runjaic stark, der den ZDF-Experten in Taktikfragen berät: „Kosta ist ein absoluter Fachmann. Der Verein, der ihn als Trainer hat, kann sich glücklich schätzen.“ Der gebürtige Wiener scheint nun die neue Nummer eins der FC-Führung zu sein, zumal eine Verpflichtung Marcel Kollers unrealistisch erscheint. Sorgen bereitet allein die unsichere Zukunft von Runjaics Arbeitgeber MSV Duisburg: Nur wenn der Verein die Lizenz endgültig verliert, wäre der 41-Jährige ablösefrei zu bekommen. Außerdem vermeintlich neu im Rennen: Marco Kurz (vereinslos, zuletzt 1899 Hoffenheim), der jedoch bereits einen Tag später schon wieder aus demselben ist.

6. Juni 2013

Der nächste Kandidat: FC-Stürmerlegende Toni Polster bringt seinen Spezi Peter Stöger ins Spiel, der mit Austria Wien gerade die österreichische Meisterschaft gewonnen hat. Die FC-Verantwortlichen kennen ihn auch schon, sollen sich mit dem 47-Jährigen bereits getroffen haben. Problem: Wie Schmidt ist auch er bis 2014 gebunden. Runjaic konnte die Bosse bei einem weiteren Treffen dagegen derweil nicht überzeugen und ist aus dem Rennen.

7. Juni 2013

Die Austria bestätigt erste Gespräche mit dem FC. Nachdem Manager Markus Kraetschmer den Kölner Verantwortlichen zunächst ans Herz gelegt haben soll, „zu Hause zu bleiben“, wird nun wohl doch über Zahlen geredet. Mit Stöger selbst soll die vierköpfige FC-Delegation (Präsident Werner Spinner, Vize Markus Ritterbach, Geschäftsführer Wehrle und Kaderplaner Jörg Jakobs) bereits Einigkeit erzielt haben.

8. Juni 2013

Der „Express“ stellt Wunschkandidat Stöger als „Lila Launebär“ vor, der sich gerne in den Farben des Klubs kleidet. Selbst seine Brille in der Meistersaison war lila-weiß. In Köln gibt es sicher den einen oder anderen Designer, der ihm rot-weiße Kleider nähen würde.

9. Juni 2013

Der „Express“ kommt zu einer bahnbrechenden Erkenntnis: Einen Tag vor (!!) dem Trainingsauftakt ist der Trainingsplatz am Geißbockheim doch tatsächlich leer! Versteh mir einer die Welt…

10. Juni 2013

Trainingsauftakt in Köln – ohne neuen Cheftrainer. Torwarttrainer Alexander Bade leitet die Einheit, der neun Profis beiwohnen. Jakobs erklärt im „Express“, dass man sich unbeirrt auf Stöger konzentrieren werde: „Wir wollen ihn und bemühen uns weiter intensiv um seine Freigabe.“ Zugleich räumt Jakobs ein, „einen Plan B im Hinterkopf zu haben.“ Auch Stöger spricht mit dem „Express“: „Ich habe mich entschieden: Ich will zum FC. Das wissen auch die Verantwortlichen der Austria. Heute ist Trainingsauftakt, die Zeit drängt.“ Wohl wahr…

11. Juni 2013

Präsident Spinner und Geschäftsführer Wehrle jetten abermals nach Wien, verpassen dabei um ein Haar ihren Flieger. Das war knapp. Stand der Dinge am Vormittag: Wien fordert eine Million Euro Ablöse, der FC bietet einen sechsstelligen Betrag und ein Freundschaftsspiel, dessen Erlös komplett an die Austria gehen würde. Der knappe Kommentar des Wiener Managers Kraetschmer: „Der FC muss sich sehr, sehr bewegen.“ Abends dann ein anderes Bild: Man wird sich einig. Köln soll bereit sein, zwischen 500.000 Euro („Express“) und 800.000 Euro („Sky Sport News HD“) an die Austria zu überweisen. Eine Hürde bleibt aber noch: Der Aufsichtsrat der Wiener muss dem Transfer Stögers zustimmen.

12. Juni 2013

Austria Wien lässt die Katze aus dem Sack und gibt bekannt: „Der 1. FC Köln hat am gestrigen Dienstag ein deutlich verbessertes Offert abgegeben. Danach wurde in den Abendstunden ein weiteres Gespräch mit Peter Stöger geführt, der seinen Wunsch, die Herausforderung in Köln anzunehmen, noch einmal bekräftigte. In der Folge hat der Vorstand dem Aufsichtsrat den Vorschlag unterbreitet, das Angebot anzunehmen. Diesem Antrag wurde einstimmig stattgegeben.“ Habemus Trainer! Auch Stöger meldet sich auf  „fc-koeln.de“ zu Wort und trifft genau den Ton, mit dem man in der Stadt offene Türen einrennt: „Der FC gehört für mich zu den großen Vereinen in Deutschland und sollte einen Stammplatz in der Bundesliga haben. Dieser Verein hat – getragen von seinen tollen Fans – ein riesiges Potenzial, und ich werde nun versuchen, dieses Potenzial auch entsprechend abzurufen.“ Der 47-Jährige hat eigentlich nur vergessen, das tolle Stadion und die tolle Stadt zu erwähnen. Aber das lernt er sicher noch…

2 Kommentare

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  1. h.chinaski sagt:

    Immerhin eine 1-F- oder 1-G-Lösung! Ich persönlich bin der Meinung dass der effzeh es per sofort wie die Piratenpartei handhaben sollte. Alle Diskussionen und Entscheidungen in der möglichst breiten Öffentlichkeit austragen. Abgesehen davon geht’s dem effzeh ähnlich wie den Piraten. Hoch gehandelt (schlafender Riese) und jedes halbe Jahr gibt’s einen neuen Tiefpunkt.

    Schade das Schäng Löring nicht mehr lebt. Der hätte seinen Spaß daran. Wenigstens einer… Franz Kremer rotiert derweilen vermutlich in seiner Grabstätte. Zum Glück muss er das Trauerspiel nicht mehr erleben.

    Überhaupt frage ich mich was da passiert ist? Vermutlich wurde das knappe Jahr relativer Ruhe beim effzeh viel zu ruhig.

    Immerhin hat man mit Maxi Thiel einen wirklich guten Spieler verpflichtet. Zumindest kann er kaum schlechter als Daniel Royer oder Odise Roshi sein.

    So, genug Frust abgelassen.

  2. wiedster sagt:

    Tja, besser als allenthalben vermutet

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