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Mrz
03

Die unnötigsten Wettbewerbe im Fußball

In Zeiten der nicht mehr zu verhindernden Winter-WM 2022 ist der Fußball fieberhaft auf der Suche nach Maßnahmen, den Spielplan zu entzerren. Eine erster Schritt in die richtige Richtung wäre: Die folgenden Wettbewerbe bloß nicht wieder einführen.

Afro-Asien-Pokal

Der Afro-Asien-Pokal war ein interkontinentaler Wettbewerb, der von 1986 bis 1999 insgesamt zwölfmal zwischen den Gewinnern der Asian Club Championship und des African Cup of Champions ausgetragen wurde. Rekordsieger: Zamalek Kairo mit zwei Titeln (1987, 1997). Damit war der Afro-Asien-Pokal vergleichbar mit dem Europa-Südamerika-Pokal, besser bekannt als Weltpokal, der zwischen 1960 und 2004 ausgetragen wurde und dem die FIFA Klub-Weltmeisterschaft nachfolgte. Übrigens auch so ein Cup, den vermutlich nur die FIFA braucht…

Anglo-Italian Cup und Anglo-Italian League Cup

Pokalwettbewerbe zwischen englischen und italienischen Mannschaften fanden von den späten 1960er-Jahren mit Unterbrechung bis in die 1990er Jahre regelmäßig statt. Dazu zählten der Anglo-Italian Cup und der Anglo-Italian League Cup. Ein echter „Leckerbissen“ war dabei der Anglo-Italian Cup, bei dem phasenweise bis zu sechs englische und italienische Mannschaften mitspielten, die allesamt nicht (!) der obersten heimischen Liga angehörten. Bis in die 1980er Jahre hinein traten fast ausschließlich italienische Serie-C-Klubs gegen unterklassige Kontrahenten von der Insel an. So kommt es, dass wenig illustre Namen wie Sutton United, US Città di Pontedera oder Cosenza Calcio die Siegerliste zieren. 1996 wurde der Wettbewerb endgültig eingestellt. Kann man kaum verstehen, oder…? Zumindest ein wenig sinnvoller war der Anglo-Italian League Cup, weil hier zwischen 1969 und 1976 immerhin der englische Ligapokalsieger und der italienische Coppa-Italia-Gewinner in Hin- und Rückspiel gegeneinander spielten. Titelträger waren unter anderen der AS Rom und Tottenham Hotspur.

Balkanpokal

Der Balkanpokal wurde von 1961 bis 1994 zwischen Vereinen aus südosteuropäischen Ländern wie Albanien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Jugoslawien oder der Türkei ausgetragen. Erstaunlich: Erfolgreichste Nation des Wettbewerbs war Bulgarien, das neunmal den Sieger stellte. Rekordtitelträger ist daher nicht ganz überraschend der bulgarische Klub Beroe Stara Sagora mit vier Titeln.

Copa Iberoamericana

Die Copa Iberoamericana war der Versuch, einen Wettbewerb zwischen dem Sieger des nationalen spanischen Pokalwettbewerbs (Copa del Rey) und der südamerikanischen Copa de Oro Nicolás Leoz – mittlerweile ebenfalls längst wieder eingestampft – zu etablieren. Im Mai 1994 spielten Real Madrid und die Boca Juniors in Hin- und Rückspiel (!) den einzigen Sieger dieses Wettbewerbs aus. Real gewann in der Addition beider Spiele mit 4:3. Die Trophäe dürfte im prall gefüllten Schrank der Königlichen in einer der hinteren Reihen stehen…

Copa Rio

Die Copa Rio war so etwas wie der gescheiterte Versuch der frühen Einführung eines Weltpokals. Vom brasilianischen Fußballverband und der FIFA gemeinsam veranstaltet, fand das Turnier nur 1951 und 1952 statt. Die einzigen Sieger: Palmeiras Sao Paulo und Fluminense Rio de Janeiro.

Copa Suruga Bank

Die Copa Suruga Bank ist ein Vereinswettbewerb, der seit 2008 alljährlich zwischen dem Gewinner der Copa Sudamericana und dem Sieger des japanischen Ligapokals (J-League Cup) in einer einzigen Begegnung ausgespielt wird. In bislang sieben Auflagen setzte sich überraschenderweise fünfmal der japanische Vertreter durch, Rekordsieger ist Kashima Antlers mit zwei Titeln.

Rappan-Cup

Der Rappan Cup (auch: International Football Cup) war ein europäischer Wettbewerb für Fußballvereine, der zwischen 1961 und 1967 ausgetragen wurde. Das Turnier ging auf den Ideengeber Karl Rappan zurück, einen österreichischen Fußballtrainer, der nach dem Zweiten Weltkrieg den „Schweizer Riegel“ ersann, welcher in den 1960er Jahren von den Italienern zum Catenaccio „verfeinert“ wurde. Der FC La Chaux-de-Fonds aus der Schweiz nahm als einziges Team an allen sechs Auflagen dieses Wettbewerbs teil. Rekordsieger mit zwei Titeln ist FK Inter Bratislava, aus Deutschland sicherten sich Lok Leipzig (1966) und Eintracht Frankfurt (1967) den Pokal.

UEFA Intertoto Cup (UI-Cup)

Noch so ein Pokal, der auf Karl Rappan zurückging. Lange Zeit nur dafür gedacht, auch in der Sommerpause organisiert Wetten auf Fußballspiele zu ermöglichen, wurde der Wettbewerb 1995 von der UEFA zum „Strohhalm-Cup“ oder „Cup der guten Hoffnung“ aufgewertet, indem die Sieger sich über ein Hintertürchen noch für den UEFA-Cup der folgenden Saison qualifizieren konnte. Ab 1995 Jahre trieb dies derartige Blüten, dass sich teilweise selbst der Tabellenelfte einer Bundesliga-Saison die Vorbereitung auf das nächste Jahr zerstörte, weil er (meist vergeblich) im UI-Cup bei Tingeltouren in die hintersten Winkel Europas viele Körner ließ. Immerhin zeigt die Geschichte, dass sich die Mühe zumindest in Ausnahmefällen auch lohnen konnte: 1995 marschierte Girondins Bordeaux über den UI-Cup ins Finale des UEFA-Pokals, wo allerdings gegen Bayern München Endstation war. In der Saison 2008/09 wurde der UEFA Intertoto Cup zum letzten Mal ausgetragen. Wirklich traurig ist kaum jemand über seine Abschaffung. Fun Fact: Rekordsieger aus Deutschland ist Eintracht Braunschweig mit sieben Titeln zwischen 1968 und 1979.

Deutsche Sieger des UEFA Intertoto Cup:
1967: Hannover 96, Fortuna Düsseldorf
1968: 1. FC Nürnberg, FC Karl-Marx-Stadt, Hansa Rostock, Eintracht Braunschweig
1969: SpVgg Fürth
1970: Hamburger SV, Eintracht Braunschweig
1971: Hertha BSC, Eintracht Braunschweig
1972: Eintracht Braunschweig
1973: Hertha BSC, Hannover 96
1974: Hamburger SV
1975: Eintracht Braunschweig, 1. FC Kaiserslautern
1976: Hertha BSC
1977: MSV Duisburg
1978: MSV Duisburg, Hertha BSC, Eintracht Braunschweig
1979: Eintracht Braunschweig, Werder Bremen
1981: Werder Bremen, Stuttgarter Kickers
1984: Fortuna Düsseldorf
1985: Werder Bremen
1986: Fortuna Düsseldorf, Union Berlin, Rot-Weiß Erfurt, Carl Zeiss Jena
1987: Carl Zeiss Jena, Wismut Aue
1988: 1. FC Kaiserslautern, Carl Zeiss Jena, Karlsruher SC, Bayer Uerdingen
1989: 1. FC Kaiserslautern
1990: Bayer Uerdingen, Chemnitzer FC
1991: Bayer Uerdingen
1992: Bayer Uerdingen, Karlsruher SC
1993: Dynamo Dresden
1994: Hamburger SV

Ab 1995 UEFA-Intertoto-Cup-Sieg = Teilnahme am UEFA-Cup

1996: Karlsruher SC
1998: Werder Bremen
2000: VfB Stuttgart
2002: VfB Stuttgart
2003: Schalke 04
2004: Schalke 04
2005: Hamburger SV
2006: Hertha BSC
2007: Hamburger SV
2008: VfB Stuttgart

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