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Sep
01

Dominosteine des Wahnsinns: Das Transfersystem braucht eine Reform

75 Millionen Euro für Kevin De Bruyne, 35 für Julian Draxler, 20 für Ivan Perisic und, und, und. 250 Millionen Euro wurden am allein Sonntag und Montag, den letzten beiden Tagen des Sommertransferfensters in Europa hin- und her geschoben. Dieser Irrsinn muss aufhören. Das Transferfenster muss früher geschlossen werden.

Der Fußball bewegt sich auf einem immer schmaleren Grat zwischen Spektakel und Wahnsinn. 2,9 Milliarden Euro haben die Vereine der größten fünf europäischen Ligen zwischen dem 1. Juli und dem 31. August an Ablösesummen ausgegeben. Allein die Premier League warf 1,04 Milliarden zum Fenster raus. Anders kann man das kaum bezeichnen bei sehr viel Mittelklasse und nur wenigen „Krachern“.

Bundesligisten gaben mehr Geld denn je aus

Auch die 18 Klubs der Bundesliga beteiligten sich am munteren Spiel des Geldweiterreichens, das seine Quelle im Mutterland des Fußballs hat, mit 411 Millionen Euro – neuer Rekord für eine Transferperiode. Kritiker des Systems wie Geschäftsführer Jörg Schmadtke vom 1. FC Köln haben nicht Unrecht, wenn sie davon sprechen, dass „das Geld nichts mehr wert ist. Wir spielen Monopoly.“

Diese Entwicklung kann man allerdings letztlich mehr zurückdrehen. Die Premier League ist nun einmal das mit Abstand am besten vermarktete Produkt der Fußball-Welt, generiert mit Abstand die höchsten Einnahmen – und wird ab der Saison 2016/17 mit TV-Erlösen von 3,2 Milliarden Euro noch mehr Geld zur Verfügung haben.

Weil man dort aufgrund der Größe der Fleischtöpfe bereits seit Jahren jedes Verhältnis zum Geld verloren hat, wird das Zahlen von Unsummen aber immer weiter in „ärmere“ Ligen wie die Bundesliga weitergetragen. Die ist beinahe gezwungen, das Spiel mitzumachen.

Übertriebene Preise werden nach unten weitergereicht

Dieser Wahnsinn zeigte sich lehrbuchhaft am Transfer von Kevin De Bruyne vom VfL Wolfsburg zu Manchester City. Die von einem Scheich großzügig alimentierten Citizens machten den 24-jährigen Belgier zu einem der bestbezahlten Fußballer des Planeten und den ohnehin nicht klammen VfL mit einer Ablöse von 75 Millionen noch reicher. Eine Summe, die bei aller Wertschätzung für De Bruyne allerdings eindeutig zu hoch ist.

Wolfsburg brauchte nun Ersatz für den „Fußballer des Jahres“ und holte aus Schalke den stagnierenden Weltmeister Julian Draxler für ebenfalls zu teure 35 Millionen. Die Königsblauen suchten nun ihrerseits Ersatz und gaben ein Angebot für Filip Kostic vom VfB Stuttgart ab.

Die gebotenen 15 Millionen waren dem VfB für das Talent aber offenbar zu wenig, 30 sollten es schon sein. Kann man ja mal aufrufen, wenn man weiß, dass Schalke das Geld hat und die Zeit auf dem Transfermarkt eng wird. Der VfB verweigerte sich jedoch dem Trend, seinen Kader noch Wochen nach dem Saisonstart durcheinander zu würfeln. Ungewöhnlich genug in dieser Zeit.

Ein Monat für Sommertransfers muss reichen

Dass den Klubs die Chance zum diesem Wechselspiel von außen genommen wird, scheint der einzige Weg zu sein, den Wahnsinn in Grenzen zu halten. Gerade die kleineren Vereine sind die Opfer, wenn die großen Klubs nach einem schlechten Saisonstart noch Nachbesserungsbedarf im Kader sehen oder ihnen ein Leistungsträger für eine astronomische Summe abgekauft wird. Die Saisonvorbereitung ist dann für die Katz.

Glücklicherweise gibt es auch aus den Klubs immer mehr Fürsprecher für einen früheren Transferschluss. In England ist Arsenal-Coach Arsène Wenger der größte Verfechter einer Reform, in Deutschland votierte jüngst Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke für einen früheren Ladenschluss: „Wir müssen das Transferfenster zurückschieben auf den 1. August.“ Schmadtke, Frankfurts Vorstand Heribert Bruchhagen und weitere Vertreter der Liga schlugen in eine ähnliche Kerbe.

Den Mercato im Sommer auf einen Monat zu begrenzen, würde zwar einen Wahnsinn wie bei De Bruyne nicht verhindern, aber das Theater zumindest deutlich verkürzen. Auch würden sich alle Klubs mehr Gedanken bei der Zusammenstellung ihrer Kader machen (müssen). Verhängen kann eine solche Verkürzung der „Summer Madness“ nur die FIFA im Verbund mit den Ligaverbänden. Denn eine solche Reform kann nur funktionieren, wenn sie einheitlich ist und keine Liga bevorteilt oder benachteiligt. Eigentlich ist jetzt die beste Zeit, ein solches Thema anzugehen.

Am 1. Januar geht der Wahnsinn übrigens weiter. Dann darf bis zum 31. Januar noch einmal nachbessert werden. Bei der Gelegenheit könnte man auch den Winterschlussverkauf wenn nicht abschaffen, so doch einbremsen. Drei Winter-Neuzugänge pro Klub als Maximum wären ein Ansatz. Dann müssten die Vereine sich „nur“ noch überlegen, wen sie haben wollen.

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