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Aug
17

Don’t hassel the Hopp? – Gleiches Recht für alle!

Die Lautsprecher-Affäre ist derzeit eines der Top-Themen in den Sport-Rubriken. Doch unabhängig davon, in wie vielen Partien der Hoffenheimer Gästeblock hochfrequent beschallt wurde und ob diese Maßnahme nun von oben angeordnet wurde (völlig unwahrscheinlich, hüstel) oder von unterschätzten Kraichgauer Masterminds mit großem Gerechtigkeitssinn in Eigenregie durchgeführt wurde (genau so nämlich!), sollte sich Herr Hopp mal ein dickeres Fell zulegen.

Man muss den Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp nicht mögen, und noch viel weniger muss man die TSG Hoffenheim mögen. Doch in gewissem Maße hat sich Dietmar Hopp Respekt verdient – als Geschäftsmann nämlich, der einen guten Teil seines nicht unbeträchtlichen Vermögens in seine Heimatregion investiert hat anstatt es zu verprassen. Dass das Kraichgau bzw. die „Metropolregion Rhein-Neckar“, wie der 71-jährige seine Heimat gerne nennt, mittlerweile vielen Menschen ein Begriff ist, geht zu einem guten Teil auf Hopps Konto. Die Golfanlage in St. Leon-Rot, die SAP-Arena, eine Mehrzweckhalle mit knapp 13.500 Plätzen, oder die Rhein Neckar-Arena mit 30.000 Plätzen würde es ohne Dietmar Hopps Initiative nicht geben. Ebenso wenig, wie es den Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim geben würde.

Wen interessiert schon Hoffenheim?

Dass sich die Fans der Traditionsvereine nicht darüber freuen, wenn ein solcher Emporkömmling einen der begehrten Erstligastartplätze blockiert, muss auch Dietmar Hopp einleuchten. Hoffenheim hat sich den Aufstieg erkauft, hat keine Tradition und kein Flair. Selbst das phasenweise interessante „Projekt“ hat seinen Reiz mittlerweile verloren. Zumal von den Hopp’schen Ideen wenig umgesetzt wurde. Größter Kritikpunkt: Es wurden keine Talente aus der Region ausgebildet. Stattdessen hat die sportliche Führung in den letzten vier, fünf Jahren bevorzugt in der Jugend bzw. der U23 des VfB Stuttgart gewildert, teure ausländische Talente gekauft oder fertige Stars ins Kraichgau gelotst. Auch so etwas bringt keine Sympathien.

Keine Sonderbehandlung für Hopp

Die Art und Weise, wie der Mäzen phasenweise in deutschen Stadien beschimpft wurde, ist beileibe nicht die feine englische Art. Allerdings muss man auch das Umfeld berücksichtigen, in dem solche Beleidigungen getätigt werden. Ein Fußballstadion ist keine Kirche. Und Fußball ist – das muss auch Dietmar Hopp klar sein – Gott sei Dank immer noch ein Proletensport geblieben. Die Menschen in den VIP-Logen werden es nicht gerne hören, doch wenn man dem gemeinen Fan das Recht auf oft primitive bis obszöne Meinungsäußerungen nimmt, nimmt man dem Spiel die Seele.

Political Correctness funktioniert schon in der Politik und im Geschäftsleben nicht immer – oder sie wirkt hölzern und bisweilen lächerlich. Muss man sie dann auch noch im Fußball um jeden Preis einführen? „Dietmar Hopp, Sohn einer Hure“-Sprechchöre sind nicht nett, aber soll man stattdessen „Sehr geehrter Herr Hopp, wir haben nichts gegen Sie persönlich. Bei allem Respekt vor Ihren Verdiensten, würde uns ein nachhaltiges sportliches Tief ihrer Mannschaft aber durchaus behagen“ anstimmen?! Zumal Hopp ja beileibe nicht der einzige ist, der verbal hart angegangen oder ausgepfiffen wird. Luis Figo wurde von Barcelona-Fans nach seinem Wechsel zu Real Madrid einst mit einem Schweinekopf beworfen, Patrick Helmes wurde einst als Spieler des 1.FC Köln von Fans des 1.FC Köln als „Zigeuner“ deklariert usw.

Ich möchte hier nicht zu Gewalt, Rassismus oder dem Werfen von Fäkalien aufrufen oder dies gutheißen, aber wo wenn nicht im Fußballstadion darf man seinem Unmut freien Lauf lassen? Verbale Fouls tun weh, doch man darf sie nicht zu ernst nehmen. Kraftausdrücke dienen im Fußball dem Abbau von Aggressionen oder der psychologischen Kriegsführung, auf die Dauer stumpft man aber gegen sie ab. Irgendwann steht man einfach darüber. Außerdem sind sie immer noch besser und ehrlicher als perfide Medienkampagnen, die eine Person erst in den Himmel loben und dann vernichten.

Eigentlich sollte auch Dietmar Hopp mittlerweile ein dickes Fell haben. Tatsächlich hat er aber noch keines, wie seine despotisch anmutende Reaktion auf die Vorwürfe der Hochfrequenz-Beschallung zeigt: „Wer mich 90 Minuten lang permanent beleidigt, sollte nicht so empfindlich reagieren.“ Wenn er nicht beleidigt werden will, sollte er die Spiele am Videotext verfolgen – auch das haben schon Vereinsvorstände gemacht – oder zum Tennis, Golf oder Schach gehen. Vielleicht gibt es da ja auch irgendwo einen Klub aus dem späten 19. Jahrhundert, den man nach oben bringen kann. Dort wird er dafür sicher nicht bepöbelt.

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