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Apr
23

Doppel-Meister BVB! Aber die Meisterprüfung steht noch aus

Ich kann meinen Text aus der Vorsaison nur wiederholen: Herzlichen Glückwunsch an Borussia Dortmund zur verdienten Deutschen Meisterschaft! Wer 26mal in Serie ungeschlagen bleibt und hintereinander Bayern, Schalke und Gladbach bezwingt, steht zu Recht ganz oben. Trotzdem: Seine eigentliche Meisterprüfung muss der BVB erst noch ablegen.

Dass der FC Bayern München zwei Jahre in Serie NICHT Deutscher Meister wird, ist eine echte Rarität. Zuletzt widerfuhr dem Rekordmeister diese Schmach in den Saisons 1994/95 und 1995/96. Damals wie heute war es die Borussia aus Dortmund, die die bayerische Vormachtstellung in der Bundesliga brechen konnte. Nach einer solchen Leistung kann man durchaus behaupten, dass der BVB den Bayern national den Rang abgelaufen hat.

Damals war es mit der BVB-Herrlichkeit allerdings schnell wieder vorbei: Nach der ultimativen Krönung, dem Gewinn der UEFA Champions League 1997, folgte der Absturz der auf Pump zusammengekauften Mannschaft.

Eine Wiederholung dieses Szenarios droht eher nicht: Einerseits ist die aktuelle Dortmunder Mannschaft deutlich jünger und hungriger als die Truppe der späten 90er um Sammer, Kohler oder Möller. Zum Zweiten wirtschaftet der Verein mittlerweile deutlich solider und arbeitet seit Jahren zielstrebig an der Weiterentwicklung der Mannschaft, die bis auf wenige Ausnahmen (Barrios? Kagawa?) noch mindestens ein, zwei Jahre zusammenbleiben dürfte. Und zum Dritten ist ein erneuter Gewinn der UEFA Champions League in nächster Zukunft nicht zu „befürchten“. Ein bisschen mehr als in den vergangenen beiden Jahren darf es 2012/13 für die Borussia auf dem internationalen Parkett allerdings schon sein.

National mindestens ebenbürtig, international fehlt ein Stück

Schließlich – und da hat Bayern-Präsident Uli Hoeneß Recht – gehört zu einer großen Mannschaft dazu, dass sie über Jahre auf allen drei Hochzeiten vorne mitspielt. Dem FC Bayern gelingt das beinahe in jeder Saison, auch wenn nicht immer ein Titelgewinn dabei rausspringt.

Der BVB hat dagegen in den vergangenen beiden Jahren trotz guten Spiels auf internationalem Parkett oft Nerven gezeigt. Dass der Ball einfach nicht ins Tor will, obwohl (oder weil) man es erzwingen möchte, rächt sich in Europa stärker als in der Liga. Hinzu kamen gerade in den beiden Partien gegen Marseille sowie in Piräus eklatante Fehler in der Abwehr, die fast immer postwendend zu Gegentoren führten.

Hier besteht, um ein Philipp Lahm-Bonmot zu verwenden, der „feine Unterschied“ zu den Bayern. Die spielen zwar weniger leidenschaftlich als der BVB, dafür aber abgeklärter. Diesen Entwicklungsschritt muss nun auch die Borussia machen. Dass sich Abgeklärtheit und Leidenschaft nicht ausschließen, haben schon ganz andere Mannschaften bewiesen. Es ist eben nur eine Frage der Dosierung.

Nun behaupten nicht wenige – und ich zähle mich dazu –, dass der BVB das Potenzial für die Top 8 in Europa hat. Dumm nur, dass die Schwarz-Gelben aufgrund der mäßigen letzten Jahre vermutlich wieder nur in Lostopf 4 landen werden und somit bereits in der Gruppenphase auf mindestens zwei „harte Brocken“ treffen.

Setzt sich der BVB in dieser Konstellation durch, wartet die eigentliche Meisterprüfung: Indem die Mannschaft nämlich die Frage beantwortet, ob sie auch dann noch den FC Bayern national im Griff hat, wenn sie ebenfalls im Februar, März oder April international gefordert ist. Aber betrachtet man die Lernerfolge, die die Mannschaft unter Jürgen Klopp gemacht hat, wäre das nur der nächste logische Schritt.

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