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Jul
12

Ein Jahr nach der EM 2012: Ein Stadion ist schon eine Ruine

Bei der EM 2012 war die Arena Lwiw ein gutes Pflaster für die deutsche Nationalmannschaft. Sowohl gegen Portugal (1:0) als auch gegen Dänemark (2:1) blieb die Löw-Elf in der westukrainischen Stadt siegreich. Kaum mehr als ein Jahr nach Turnierende ist das Stadion allerdings eine „Ruine“. Selbst ein Abriss ist nicht ausgeschlossen.

Bei großen Fußballturnieren wie Welt- oder Europameisterschaften wird im Vorfeld eines Turniers immer wieder die Frage nach der nachhaltigen Nutzung von Arenen, Flughäfen, Straßen oder Hotels gestellt. Während man in Deutschland attestieren kann, dass kein einziges Stadion umsonst gebaut wurde, sieht das in der Ukraine, Co-Gastgeber der Europameisterschaft 2012, anders aus.

Zwar ist das Olympiastadion von Kiew (Dynamo Kiew, ukrainische Nationalmannschaft, Konzerte) ebenso gut ausgelastet wie die Donbass Arena (Schachtjor Donezk) und das Metalist-Stadion (Metalist Charkow), dafür ist jedoch die vierte ukrainische EM-Arena im Bunde ein echtes Sorgenkind.

Sorgenkind Lwiw Arena

Bereits im Vorfeld der EURO 2012 schrieb Lwiw vor allem Negativschlagzeilen. So wurde der Spatenstich zur Arena Lwiw aufgrund von logistischen und bürokratischen Schwierigkeiten erst getätigt, als alle anderen EM-Arenen längst im (Um-)Bau waren. Auch nach dem Turnier wurde niemand mit der Arena glücklich. Zwar bezog Erstligist Karpaty – in der Saison 2010/11 noch Gegner von Borussia Dortmund in der Europa League – das Stadion nach dem Turnier, doch bereits nach einer Saison steht die Arena leer.

Karpaty beendete die abgelaufene Spielzeit auf dem 14. Tabellenplatz, setzte die gesamte (!) Mannschaft auf die Transferliste und wird zur kommenden Saison wieder ins alte, zugige Ukrajina Stadion umziehen, weil sich der Verein die Stadionpacht von knapp einer Million Euro jährlich nicht leisten kann. Da diese deckungsgleich mit den Unterhaltskosten der Arena ist, hat nun die (ebenfalls klamme) Stadt das Problem und erwägt bereits, die „Geisterarena“ abzureißen, um die Kosten nicht explodieren zu lassen.

Was bleibt unter dem Strich? Ein 220 Millionen Euro* teures, größtenteils aus öffentlichen Geldern finanziertes Stadion, das überspitzt ausgedrückt allein für drei Vorrundenspiele einer Europameisterschaft errichtet wurde, und nun nur noch ein Klotz am Bein ist. Die Idee der UEFA, die EURO 2020 an mehrere europäische Metropolen zu vergeben, mag bei vielen Menschen für Kritik sorgen. Sie stellt aber zumindest sicher, dass weitere Fälle wie in Lwiw ausbleiben.

*Zum Vergleich: Die multifunktionale, 61.000 Zuschauer fassende Schalke-Arena war rund 30 Millionen Euro billiger

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