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Jul
22

Ein Plädoyer für die „Rote Bibel“ – Warum der Kauf des kicker-Sonderhefts immer lohnt

Jedes Jahr kostet es 50 Cent mehr, und im Grunde weiß man vorher schon was drin steht. Doch aus irgendeinem Grund hat das Bundesliga-Sonderheft des kicker eine geradezu magische Wirkung auf den Fußballfan. Auch in diesem Jahr lohnt der Kauf. Gründe gefällig?

1) Man erhält Einblicke in die Fan-Psyche

Auf Seite 9 des Sonderheftes hat der kicker die Ergebnisse der User-Umfrage zum Ausgang der Saison veröffentlicht. Bemerkenswert: Bei der Frage nach dem Deutschen Meister hat der 1.FC Köln die achtmeisten Stimmen erhalten (0,9%). Als nach den Favoriten für die Champions League- und die Europa League-Teilnahme gefragt wird, sucht man die Kölner aber vergebens. Erst in der Abstiegsfrage findet man den FC wieder – und das sogar in einer „Mitfavoritenstellung“. Merke: Der gemeine Fan traut den Kölnern entweder alles oder nichts zu. Mittelmaß braucht man in Köln nicht…

2) Einmal Deutscher Meister sein

Die fast schon legendäre Stecktabelle hat immer noch viele Anhänger. Ich zähle nicht dazu. In der Saison ist es mir einfach zu blöd, montags die Vereinswappen umzustecken. Vor der Saison gibt einem die Stecktabelle aber die Möglichkeit, ein bisschen rumzuspinnen: Der eigene Verein wird Meister; Wolfsburg, Gladbach und Leverkusen gehen gemeinsam in die Zweite Liga. Wann erlebt man so etwas sonst schon?!

3) Die Mannschaftsfotos

Alle Kader auf einen Blick! Auch wenn sich bis zum Ende der Transferfrist noch das eine oder andere tun wird, ein absoluter Traum. Noch viel wichtiger sind aber die Mannschaftsfotos. Da findet sich nämlich traditionell das eine oder andere Schmankerl. Diesjährige Highlights sind:

  • Das Mannschaftsfoto von Bayer Leverkusen (S. 74): Wie beim Gruppenfoto einer Physiotherapeuten-Fortbildung posieren die Jungs der „Werkself“ vor dem Bergpanorama. Da immer noch kein Sponsor gefunden ist, trägt man aus Protest schwarze Trainingshose und weißes Polo-Shirt. Hingucker: Der künftige Vizemeistermacher Robin Dutt hat es nur zu zwei Drittel auf das Foto geschafft.
  • Das Mannschaftsfoto vom 1. FC Köln (S. 106): Mittelfeldspieler Christian Clemens (untere Reihe, 4. von links) hat offenbar eine heiße Blondine erspäht, als der Fotograf abdrückte. Christian Eichner genau in der Mitte hat scheinbar gerade einen vortrefflichen Witz gehört. Die Pointe scheint auch bei Keeper Michael Rensing angekommen zu sein.
  • Das Mannschaftsfoto von 1899 Hoffenheim (S. 110): Biedere Trikots ohne Sponsorenlogo. Ein nackter Fangzaun, hinter dem sich eine hügelige Ackerlandschaft erhebt. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, dass es sich um das Teamfoto eines Landesligisten handelt. Böse Zungen würden behaupten, dass die TSG genau in eine solche Klasse gehört. Immerhin: Als einer der wenigen Vereine darf das Vereinsmaskottchen, Elch Hoffi, mit aufs Foto. Leider nicht auf dem Bild: Hoffis Ehefrau Hoffine.
  • Das Mannschaftsfoto vom VfB Stuttgart (S. 114): Kennt Ihr die Figur Hans Maulwurf von den „Simpsons“? Wer immer schon mal wissen wollte, wie die Zeichentrickfigur im echten Leben aussehen würde, wird auf dem Mannschaftsfoto der Schwaben fündig (untere Reihe, ganz links).
  • Das Mannschaftsfoto vom SV Wehen Wiesbaden (S. 207): Der Drittligist verfügt vermutlich über den dicksten Mannschaftsarzt der Welt. Wenn Dr. Rahn (hintere Reihe, ganz links) einem Spieler rät, sich gesünder zu ernähren, möchte ich den sehen, der sich einen Spruch oder ein Lachen verkneifen kann. Dass man in der hessischen Landeshauptstadt zu leben versteht, zeigt auch Dr. Rahns „Zwilling“ auf dem Mannschaftsfoto, Zeugwart Zindel (hintere Reihe, rechts, nicht zu übersehen).
  • Das Mannschaftsfoto vom 1.FC Heidenheim (S. 212): Der Drittligist aus Baden-Württemberg verfügt mit Sicherheit über das knuffigste Maskottchen des Profifußballs: ein überdimensionierter Teddy mit Knopf im Ohr (die Firma Steiff hat ihren Sitz im benachbarten Ort Giengen) soll den Heidenheimern Glück bringen. Es könnte aber auch ein unbekannter glatzköpfiger Wasserkopf mit Ohrring sein…
  • Das Mannschaftsfoto vom VfR Aalen (S. 218): „Scholz – Kompetenz im Schrott“. Kein anderer Verein im Sonderheft hat einen Sponsor mit einem wohlklingenderen Namen. Kompetenz in Schrott, das schafft Vertrauen. Wer will nicht auch, dass sein Schrott gut aufgehoben ist?

4) Man erfährt Dinge, die man nie wissen wollte

Ingolstadt stellte bereits drei Zweitligisten. Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt sind die einzigen Bundesländer, in denen kein Profifußball gespielt wird. Schalkes Anthony Annan hat bereits für den Verein „Super Rainbow Stars Cape Coast“ gespielt. Der 1.FC Köln hat seit 24 Jahren in einem Erstligaspiel nicht mehr gegen den 1.FC Kaiserlautern gewonnen. Und so weiter. Wer sinnlos und willkürlich durch das kicker-Sonderheft blättert, stößt immer wieder auf Informationen, die nun wirklich niemand braucht. Der Nerd-Faktor ist im Einkaufspreis quasi inbegriffen.

Einen Tipp hätte ich noch: Sofern du vorhast, noch etwas zu arbeiten, solltest du dir das Sonderheft nicht bereits vormittags kaufen. Jemand sollte mal ausrechnen, welchen Schaden die „rote Bibel“ der deutschen Volkswirtschaft zufügt.

1 Kommentar

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  1. Hans Maulwurf sagt:

    Hat jemand auch die Taxofitkoffer auf den Mannschaftsfotos gezählt?

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