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Jun
17

Ein Schuss, ein Tor, der Müller!

Der deutsche 4:0-Sieg gegen Portugal hat viele Gewinner gebracht. Doch Thomas Müller hat sie alle überstrahlt. Der 24-Jährige ist das „Phänomen“ der letzten Jahre.

Lange, dünne Beine. Schlaksig wirkende Bewegungen. Eine im internationalen Vergleich allenfalls durchschnittliche Technik. Und doch ist Thomas Müller ein absoluter Weltklassefußballer. Nicht erst seit gestern, seit seinen drei Toren im ersten deutschen WM-Spiel gegen Portugal. Dort hat er seinen Wert auf der größtmöglichen aller Bühnen noch einmal der ganzen Welt mitgeteilt.

Es gibt viele starke Techniker, zahlreiche tolle Strategen – aber es gibt nur einen Thomas Müller. Sein Instinkt ist nicht zu erlernen. Bei seinem zweiten Tor gegen Bruno Alves kreierte er durch seinen Einsatz eine Chance, die eigentlich gar nicht vorhanden war. Indem er die Abwehrbewegung des Verteidigers antizipierte, erzwang er seinen Torschuss, der schließlich zum 3:0 führte.

Müllers Statistiken sind massiv: Acht Tore hat er nun in gerade einmal sieben WM-Spielen erzielt. Zum Vergleich: Der viermalige Weltfußballer Lionel Messi steht bei zwei Toren aus neun Spielen bei drei WM-Endrunden, der amtierende Ballon-d’Or-Sieger Cristiano Ronaldo bei ebenfalls zwei Treffern aus elf Partien.

Müller ist die Personifikation von schnörkelloser Effizienz auf dem Fußballplatz, die leider international (noch) viel zu wenig gewürdigt wird. Vielleicht wäre das anders, wenn man seinen Humor auch im Ausland so ungefiltert mitbekäme. So sagte er nach seinem Dreierpack gegen Portugal aus Elfmeter, schnörkellosem Zehn-Meter-Schuss und Abstauber voller Selbstironie bei der ARD: „Drei Tore heute gemacht, war ja wieder mal eins schöner als das andere!“

Thomas Müller ist einfach ein epischer Typ, neben seiner fußballerischen Klasse auch als Persönlichkeit eine absolute Ausnahmeerscheinung im von Eitelkeit geprägten modernen Fußball. Und wenn er so weitermacht, sollte Brasiliens früherer Superstar Ronaldo mit Blick auf seinen Rekord von 15 WM-Toren eher auf Thomas Müller als auf Miroslav Klose schielen…

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