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Jun
04

Endspurt bis zur EURO – Die Gruppe A im Überblick

Es sind nur vier Tage bis zum Start der Europameisterschaft. Allerhöchste Zeit, sich einmal mit den Teilnehmern zu beschäftigen. Im ersten Teil geht’s um die Gruppe A mit Gastgeber Polen, Russland, Tschechien und Griechenland.

Die Gruppe A ist sicherlich die am schwächsten besetzte Gruppe bei dieser Europameisterschaft. Allerdings sind die Teams leistungsmäßig eng beieinander, was einen interessanten und offenen Wettbewerb verheißt.

Polen: Co-Gastgeber in der Pflicht

Die Polen sind in dieser Gruppe in der Pflicht. Das Los meinte es mit unserem östlichen Nachbarn deutlich gnädiger als mit Co-Gastgeber Ukraine. Mit den drei Dortmunder Leistungsträgern Robert Lewandowski, Jakub Blaszczykowski und Lukasz Piszczek sowie Keeper Wojchiech Szczesny (FC Arsenal) verfügen die Polen über vier Spieler, die eine überragende Saison hinter sich haben und auch international heiß begehrt sind. Ihnen und Spielmacher Ludovic Obraniak (Girondins Bordeaux), der in Frankreich aufgewachsen ist und die französische Fußballschule durchlaufen hat, wird eine Schlüsselrolle zukommen.

Mit Sebastian Boenisch (Werder Bremen), Eugen Polanski (Mainz), Adam Matuschyk (Düsseldorf) und Artur Sobiech (Hannover) stehen vier weitere Bundesliga-Profis im polnischen Aufgebot. Die in Polen geborenen und in Deutschland aufgewachsenen Boenisch und Polanski durchliefen von der U16 bis zur U21 alle Jugendnationalmannschaften des DFB und wurden erst 2011 „abgeworben“. Ähnlich ist der Fall von Damien Perquis. Der in Frankreich geborene Innenverteidiger hat polnische Großeltern und debütierte im September 2011 gegen Deutschland für die polnische Auswahl.

Mit dem leichten Los und dem Heimvorteil im Rücken MUSS die Mannschaft von Trainer Franciszek Smuda eigentlich das Viertelfinale erreichen. Für die Polen wird viel vom Ausgang des Eröffnungsspiels gegen die Griechen abhängen. Gelingt dort kein Sieg, wäre der Druck in den letzten beiden Gruppenspielen immens. Das könnte die Mannschaft lähmen. Andererseits ist der Mannschaft mit einem Startsieg im Rücken mindestens das Viertelfinale zuzutraunen.

Griechenland: Fußballwunder reloaded?

Griechenland, immerhin Europameister von 2004 (selbst acht Jahre später kann ich das nur mit ungläubigem Kopfschütteln quittieren), lässt auch unter Rehhagel-Nachfolger Fernando Santos betont defensiv spielen. Von den „Helden von Lissabon“ sind nur noch die Mittelfeldspieler Georgios Karagounis (35) und Kostas Katsouranis (33) übrig.

Immerhin sind einige bekannte Gesichter dabei: Deutschen Fans dürften die Herren José Holebas (ehemals 1860 München), Kyriakos Papadopoulos (Schalke, Kampfname: „Der Beißer“), Sokratis (Bremen), Georgios Tzavellas (ehemals Frankfurt), Konstantinos Fortounis (Kaiserslautern), Theofanis Gekas (ehemals Bochum, Leverkusen, Berlin, Frankfurt) sowie Nikos Liberopoulos (ehemals Frankfurt) etwas sagen.

Große Stars sucht man dennoch vergebens, aber das war bei den Griechen immer schon so. Der letzte große griechische Star dürfte Herkules gewesen sein. Fußball gespielt hat der jedoch nicht. Allerdings behaupten böse Zungen, dass die griechische Delegation in Polen und der Ukraine das ebenso wenig tun wird…

Ein Weiterkommen würde überraschen, aber wenn die „Maurermeister“ vom Peloponnes in Form sind, ist nicht auszuschließen, dass sich die Polen, Russen und Tschechen an ihnen die Zähne ausbeißen. Allerdings: Nach dem Überraschungssieg von 2004 waren die Griechen bei dem EM 2008 und der WM 2010 in ihrer Vorrundengruppe chancenlos, die Qualifikation für die WM 2006 haben sie gleich ganz verpasst.

Russland: Immer eine Wundertüte

2008 sensationell das EM-Halbfinale erreicht, 2010 die WM-Quali verpasst – den Russen ist fast schon traditionell alles und nichts zuzutrauen. Die meisten Spieler verdienen ihr Geld in der heimischen Liga (Ausnahmen: Pavel Pogrebnyak/FC Fulham, Marat Izmaylov/Sporting Lissabon). Selbst Andrej Arshavin, Roman Pavlyuchenko und Juri Shirkow, die Stars von 2008, die zwischenzeitlich bei Top-Clubs in England gespielt haben, sind mittlerweile in die Heimat zurückgekehrt.

Dementsprechend hat der mitteleuropäische Fan die Russen außerhalb der großen Turniere kaum „auf dem Schirm“. Mit Igor Akinfeev besitzt die „Sbornaja“ jedoch einen Top-Keeper, das Mittelfeld ist variabel und spielstark. Im Angriff setzt man traditionell auf wieselflinke Außenspieler (links Arshavin, rechts Top-Talent Alan Dzagoev) und „Brecher“ in der Mitte (Pavlyuchenko bzw. Pogrebnyak). Schwachpunkt ist die zwar kopfballstarke, aber am Boden anfällige Abwehr.

In der schwachen Gruppe A muss die Mannschaft als Favorit gelten. Aber wie gesagt: Wenn die Russen eins sind, dann unberechenbar.

Tschechien: Warten auf die nächste Goldene Generation

Bei der EM 2004 spielte die tschechische Mannschaft um Pavel Nedved, Karel Poborsky, Jan Koller, Milan Baros und Tomas Rosicky einen brillanten Offensivfußball und war auf dem Zenit ihres Könnens. Ihr 3:2-Sieg in der Vorrunde gegen die Niederlande nach 0:2-Rückstand war eines der besten Spiele in diesem Jahrtausend. Die Tschechen ereilte damals allerdings das „typische“ Schicksal vieler kleiner Fußball-Nationen: Wenn man schon einmal eine „Goldene Generation“ beisammen hat und ein Titelgewinn möglich scheint, grätscht doch noch jemand dazwischen. 2004 waren das im Halbfinale die Griechen, um genau zu sein der Kopf von Traianos Dellas. Zwei Jahre später bei der WM in Deutschland war die Mannschaft bereits über ihren Zenit und schied nach der Vorrunde aus.

Von der 2004er Mannschaft sind mit Keeper Petr Cech (30/FC Chelsea), Rosicky (31/FC Arsenal) und dem damaligen EM-Torschützenkönig Baros (30/Galatasaray Istanbul) noch drei Stützen mit von der Partie. Doch Baros hat seit Jahren nicht mehr die Form früherer Tage, und der Rest des Kaders lässt sich am treffendsten mit dem Wort „Durchschnitt“ charakterisieren.

Aus der Bundesliga kennt man die Ersatzkeeper Jaroslav Drobny (HSV) und Jan Lastuvka (ehemals Bochum), die Abwehrspieler Michal Kadlec (Leverkusen) und Roman Hubnik (Berlin), Mittelfeldspieler Petr Jiracek (Wolfsburg) sowie Stürmer Tomas Pekhart (Nürnberg).

Die Qualifikation verlief schon mit Haken und Ösen, alles andere als das Aus nach der Vorrunde wäre eine Überraschung.

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