«

»

Jun
05

Endspurt bis zur EURO – Die Gruppe B im Überblick

Es sind nur noch drei Tage bis zum Start der Europameisterschaft. Allerhöchste Zeit, sich einmal mit den Teilnehmern zu beschäftigen. Im zweiten Teil geht’s um die Gruppe B mit Deutschland, den Niederlanden, Portugal und Dänemark.

Der Begriff „Todesgruppe“ ist sicherlich nicht unangebracht, wenn man von der Gruppe B spricht. Immerhin treffen der Weltranglisten-Zweite (Deutschland), der Weltranglisten-Vierte (Niederlande), der Weltranglisten-Fünfte (Portugal) und der Weltranglisten-Zehnte (Dänemark) aufeinander. Doch bei genauerem Hinsehen gibt es einige Leistungsunterschiede.

Deutschland: Reif für ganz oben?

Nachdem die deutsche Nationalmannschaft im November 2011 Vize-Weltmeister Niederlande mit 3:0 vorgeführt hatte, war die DFB-Elf für viele Fans und Medien schon der gefühlte Europameister. Unmittelbar vor dem Turnier hat die Euphorie einen (gesunden) Dämpfer erhalten. Zwar ist die Qualität des Kaders unbestritten, doch es mehren sich auch Zweifel an der Form der Leistungsträger und an der Siegermentalität im Team.

So haben mit Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose drei Stützen der letzten Jahre lange an einer Verletzung laboriert. Ob sie bei der EURO ihre Bestleistung abliefern können, ist fraglich. Andere, wie Manuel Neuer, Jerome Boateng, Thomas Müller oder Lukas Podolski haben eine Saison mit Höhen und Tiefen hinter sich. Hinzu kommt die Ungewissheit, ob die Bayern-Spieler das „Vize-Triple“ tatsächlich verdaut haben.

Wie so oft bei einem Turnier, wird das erste Spiel die Richtung weisen. Gelingt ein Dreier gegen Portugal, gegen das Deutschland 2006 und 2008 bei großen Turnieren siegreich war, und findet die Mannschaft zu ihrem Spiel, ist mindestens das Halbfinale drin.

Niederlande: Zwischen Ästhetik und Realismus

Früher standen die Niederlande für spektakulären Fußball und Deutschland stand für die Qualität, auch schlechte Spiele zu gewinnen. Seit Bert van Marwijk Bondscoach ist und Jogi Löw die Deutschen betreut, hat eine Art Rollentausch stattgefunden. Zwar verfügen die Niederländer immer noch über einige Offensivkönner der Extraklasse (u.a. Sneijder, van Persie, Robben, Huntelaar), allerdings stellen sie mit Mark van Bommel und Nigel de Jong auch die „dreckigste“ Doppelsechs des Kontinents. Dass die beiden aufräumen, ist allerdings auch nötig. Denn nach wie vor liegt der Schwachpunkt der Niederlande in der Abwehr. Seit dem Karriereende von Jaap Stam und Frank de Boer wartet man vergeblich auf ein Innenverteidiger-Duo von gehobenem internationalem Niveau. Auch Keeper Maarten Stekelenburg verdient nicht das Prädikat „Weltklasse“. Da van Marwijk aber kontrollierter spielen lässt als alle seine Vorgänger – was ihm in der Heimat jede Menge Kritik der Altvorderen einbrachte –, konnte die Mannschaft diese Schwäche in den meisten wichtigen Spielen auffangen. Nicht von ungefähr wäre sie 2010 um ein Haar Weltmeister geworden.

Zum Auftakt geht es gegen Außenseiter Dänemark. In diesem Spiel kann die „Elftal“ nur schlecht aussehen, dennoch ist ein Sieg für das Weiterkommen Pflicht. Prognose: Auch „Oranje“ übersteht die Vorrunde und zieht mindestens ins Halbfinale ein.

Portugal: Ronaldo – und dann?

Cristiano Ronaldo ist vermutlich der beste Einzelspieler des Kontinents. Der Star von Real Madrid kann alles: Tore mit links, Tore mit rechts, Tore mit dem Kopf. Er ist außerdem pfeilschnell, körperlich robust und zugleich ein Edel-Techniker. Nur mit der Nationalmannschaft hat er bislang wenig „gerissen“.

Traditionell haben die Portugiesen eine (spiel)starke Offensive, allein an einem Mittelstürmer der Extraklasse mangelt es seit Jahrzehnten. Auch vor Hugo Almeida oder Helder Postiga wird kein Verteidiger in Ehrfurcht erstarren. Die Außenstürmer Nani und Quaresma ähneln in ihrer Spielweise Ronaldo, übertreiben es aber oft mit den Übersteigern und Hackentricks.

In der Defensive steht die „Selecao“ zuweilen solide. Ähnlich wie bei den Brasilianern, ist aber jeder portugiesische Abwehrspieler im Herzen ein Angreifer. Vor allem die beiden Außenverteidiger (Coentrao links, Pereira rechts) haben es nicht so mit der Defensivarbeit. Und Abwehrchef Pepe bewegt sich allzu oft auf dem schmalen Grat zwischen gesunder Aggressivität und völligem Kontrollverlust.

Die „Selecao“ ist ein sehr fragiles Gebilde. Lässt man sie gewähren, kann man durchaus einen unschönen Abend erleben. Nimmt man ihnen jedoch die Freude am Spiel, hat man im Grunde schon gewonnen. Gegen die Top-Gegner Deutschland und Niederlande dürfte es für Ronaldo und Co. extrem schwer werden, und auch die Dänen haben es in der Qualifikation verstanden, den Portugiesen den letzten Nerv zu rauben. Daher dürfte es für Portugal schwer werden mit dem Weiterkommen.

Dänemark: Die große Unbekannte

Dänemark ist nicht wirklich der krasseste Außenseiter bei der EURO. U.a. die Iren, Tschechen oder Ukrainer sind deutlich schwächer einzuschätzen als unser nördlicher Nachbar. Angesichts der individuellen Klasse der Gegner Deutschland, Niederlande und Portugal sind die Dänen aber krasser Außenseiter in der Gruppe B. Allerdings ist diese Rolle für die junge Mannschaft von Morten Olsen durchaus dankbar.

Star des Teams und eines der größten Talente in Europa ist der 20-jährige Spielmacher Christian Eriksen, der bereits mit Michael Laudrup (ehemals Real Madrid und FC Barcelona) verglichen wird. Allzu lange dürfte der nicht mehr bei Ajax Amsterdam kicken. Prominent besetzt ist auch die Innenverteidigung mit Daniel Agger (Liverpool) und Simon Kjaer (AS Rom). Allerdings ist insbesondere Kjaer nicht der sattelfestete Zeitgenosse. Im Angriff hängt vieles von Mittelstürmer Nicklas Bendtner (24) ab. Doch der 1,94m-Hüne droht ein ewiges Talent zu werden. Beim FC Arsenal wurde er vor der Saison aussortiert, auch in Sunderland kam er als Stammspieler nicht über acht Saisontore hinaus. Der große „Knipser“ wird Bendtner wohl nicht mehr. Schwer wiegt der verletzungsbedingte Ausfall von Stammkeeper Thomas Sörensen.

Die relativ junge Mannschaft mit vielen international unerfahrenen Akteuren dürfte zwar kein Kanonenfutter werden, doch bereits der dritte Platz in der Gruppe wäre ein Erfolg.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*