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Jun
06

Endspurt bis zur EURO – Die Gruppe C im Überblick

Es sind nur noch zwei Tage bis zum Start der Europameisterschaft. Allerhöchste Zeit, sich einmal mit den Teilnehmern zu beschäftigen. Im dritten Teil geht’s um die Gruppe C mit Spanien, Italien, Kroatien und Irland.

Mit Spanien, Italien und Kroatien tummeln sich gleich drei deutsche Angstgegner in der Gruppe C. Gut aus Sicht der DFB-Elf, dass mindestens einer davon schon nach der Gruppenphase die Heimreise antreten muss.

Spanien: Bereit, Geschichte zu schreiben?

Bislang hat noch kein Land seinen EM-Titel erfolgreich verteidigen können. Ebenso wenig ist es bislang einer Mannschaft gelungen, drei große Turniere in Serie zu gewinnen. Der „Seleccion“ muss man allerdings zutrauen, dass sie dieses Kunststück vollbringt.

Über die Qualität des Welt- und Europameisters kann es keine zwei Meinungen geben. Wer sich den Luxus gönnen kann, einen Weltklassespieler wie Cesc Fabregas auf die Bank zu setzen, ist wahrlich zu beneiden. Gerade das Mittelfeld mit Xavi, Andres Iniesta, Xabi Alonso, Sergio Busquets und David Silva ist das Prunkstück der Mannschaft, jede Position ist teilweise doppelt (s. Fabregas) mit einem Weltklassespieler besetzt. Das „Tiqui-Taca“ funktioniert in wichtigen Spielen seit Jahren mit einer beängstigenden Verlässlichkeit. Auch im Tor und in der Innenverteidigung hat Spanien mit Iker Casillas bzw. Piqué und Ramos absolute Top-Leute.

Allerdings: Der verletzungsbedingte Ausfall von Abwehrchef Carles Puyol wiegt doppelt schwer. Einerseits ist der mittlerweile 34-jährige Barca-Profi als Führungspersönlichkeit kaum zu ersetzen, andererseits muss der etatmäßige Rechtsverteidiger Ramos nun nach innen rücken. Beide Außenpositionen in der Viererkette werden somit zur „Schwachstelle“. Hinzu kommt, dass Nebenmann Piqué 2011/12 seine schwächste Saison seit vier Jahren gespielt hat – auch wenn hier auf hohem Niveau geklagt wird.

Im Angriff schmerzt der Ausfall von David Villa, der nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch im Dezember 2011 nicht mehr rechtzeitig fit geworden ist. Immerhin ist Villa der Top-Torjäger in der Geschichte der „Seleccion“, bei den letzten zwei Weltmeisterschaften und der letzten Europameisterschaft traf er insgesamt zwölf Mal ins Schwarze – einmal häufiger noch als Miro Klose. Sein „Ersatzmann“ Fernando Llorente gehört aber ebenfalls zur internationalen Klasse. Und nicht auszudenken, wenn Fernando Torres irgendwann seine Form früherer Tage wiedererlangen sollte…

Entscheidend für Erfolg oder Misserfolg der Spanier dürfte die Frage sein, ob die Stars immer noch die nötige Gier haben und bereit sind, in engen Situationen noch einmal alles aus sich herauszuholen. Schließlich haben viele der vermeintlichen Stammspieler die EM und die WM bereits einmal gewonnen. Doch selbst im schlechtesten Fall scheint das Halbfinale das Minimum für die Iberer zu sein. Danach entscheiden auf dem Niveau einer EM Tagesform und Glück.

Italien: So wie 2006?

Im Vorfeld der WM 2006 gab es jede Menge Unruhe rund um das italienische Team. Der Bestechungsskandal in Italien („Moggiopoli“) war gerade aufgedeckt worden, mit Juventus Turin und dem AC Milan waren die Arbeitgeber vieler Nationalspieler darin verwickelt. Das ist normalerweise kein Nährboden für gute Leistungen. Dennoch gewann Italien den WM-Titel mit einer Kombination aus Dusel, Willen, Disziplin und Abgezocktheit. Die Vorzeichen sind auch dieses Mal ähnlich: Immerhin wurden in den letzten Tagen Details über einen Wettskandal bekannt, in den auch mehrere Nationalspieler verwickelt sein sollen. Und ebenso wie 2006 will sich die italienische Justiz auch dieses Mal erst NACH dem Turnier dieser Thematik annehmen…

Unabhängig davon, wie die Mannschaft das Drumherum wegsteckt, fehlt dem aktuellen Kader allerdings die Klasse der 2006er-Truppe. Italien ist nach der schwachen WM 2010 im Umbruch. Die „Squadra Azzurra“ bezahlt allerdings gerade den Preis für die über Jahre vernachlässigte Nachwuchsarbeit. Skandalnudel Mario Balotelli (21) und der gleichaltrige Fabio Borini, der kaum Einsatzchancen haben dürfte, sind die einzigen Spieler unter 25 Jahren im Kader.

Köpfe des Teams sind wieder einmal Spielmacher Andrea Prilo (33/Juventus Turin) und Keeper Gianluigi Buffon (34/Juventus Turin). Ansonsten befinden sich viele Spieler ohne international großen Namen im Kader, für die meisten ist die EURO die große Chance, sich einen solchen zu machen.

Der Fußball ist unter Trainer Cesare Prandelli offensiver als noch unter Marcello Lippi oder Roberto Donadoni, doch die Italiener können nicht gänzlich von ihrem defensiven Naturell lassen. Man darf gespannt sein, wie sich die Spanier, die erst 2011 eine Testspielniederlage gegen die „Squadra Azzurra“ erlitten haben, gegen den viermaligen Weltmeister schlagen. Normalerweise ist Italien auf den zweiten Platz in der Gruppe C „gebucht“. Und einmal in der K.O.-Runde angekommen, ist kaum ein Gegner unangenehmer als die „Squadra Azzurra“…

Kroatien: Viel Durchschnitt, wenig Klasse

Auch die Kroaten möchte kaum jemand in seiner Gruppe haben. Dennoch ist es lange her, dass der WM-Dritte von 1998 eine so schwach besetzte Truppe an den Start gebracht hat. Das Team ist gespickt mit unzähligen aktuellen und ehemaligen Bundesliga-Spielern, die mit Ausnahme von Mario Mandzukic (Wolfsburg) in ihren Vereinen nicht gerade zu den Leistungsträgern zählen.

Stärkster Mannschaftsteil ist das Mittelfeld um Spielmacher Luka Modric (Tottenham). Assistiert wird er von Kapitän Dario Srna, Ivan Rakitic (FC Sevilla/ehemals Schalke) und dem „schlampigen Genie“ Niko Kranjcar. Auch der Dortmunder Ivan Perisic könnte im Mittelfeld des Öfteren zum Einsatz kommen.

Insbesondere die Abwehr ist aber bestenfalls Durchschnitt. Vedran Corluka (Leverkusen, hinten rechts) und Danijel Pranjic (Bayern, hinten links) kamen in ihren Vereinen nur unregelmäßig zum Einsatz, Gordon Schildenfeld (Frankfurt, innen) und Josip Simunic (ehemals u.a. Hertha, Hoffenheim, innen) gehören nicht zur internationalen Klasse. Dennoch können die Kroaten mit ihrem typischen Spiel (leidenschaftlich, zuweilen eine Spur zu hart) extrem unangenehm sein.

Nichtsdestotrotz: Schon die Qualifikation für die EURO war eine Zitterpartie. Trotz des viel gelobten – und von mir für überbewertet gehaltenen – Luka Modric dürften es die Kroaten schwer haben, sich gegen Spanien und Italien zu behaupten. Platz drei in der Gruppe wäre ein realistischer Zieleinlauf.

Irland: Mehr Außenseiter geht nicht

Erstmals seit zehn Jahren haben sich die Iren wieder für ein großes Turnier qualifiziert. Allein dieser Umstand lässt erahnen, dass die „Grüne Insel“ nicht gerade über das üppigste Reservoir an Top-Spielern verfügt. Vor allem die in die Jahre gekommenen Shay Given (38/Torwart), John O’Shea (31/Abwehr), Damien Duff (33/Mittelfeld) und Robbie Keane (31/Angriff) sollten hierzulande bekannt sein. Das Gros des Kaders kickt bei englischen Mittelklasse-Clubs à la West Bromwich und Wolverhampton bzw. in Schottland.

Die Mannschaft von „Mister“ Giovanni Trapattoni hat bereits mit der Qualifikation ihr Soll übererfüllt. Bei der EURO geht es vor allem darum, Spaß zu haben und die Großen nach Möglichkeit ein wenig zu ärgern. Für den Italiener Trapattoni dürfte das Turnier noch einmal ein Highlight zum Karriereende sein – zumal er auch noch gegen sein Heimatland spielen darf.

Auch wenn die Iren, wie jede Mannschaft von der Insel, alles geben werden, scheint ein Punktgewinn gegen die Kroaten das höchste der Gefühle. Für die Fans nicht ganz unwichtig: Polnisches Bier ist durchaus lecker – und deutlich günstiger als daheim zu erstehen…

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