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Mrz
11

Enge Kiste – Wer bucht das Ticket für Europa?

Hinter den Top Drei in der Fußball-Bundesliga kämpfen sieben Vereine um drei weitere Tickets für Europa. Das Feld schiebt sich immer enger zusammen. Zutrauen muss man es fast jedem dieser Teams. Dabei spielen die wenigsten von ihnen eine europapokalreife Saison.

Bayern München wird möglicherweise bereits an Ostern Deutscher Meister, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen dürften sich einen der direkten Champions-League-Plätze sichern. An der Spitze in der Liga scheinen die Fronten also geklärt. Die größte Spannung gibt es aktuell in der Frage, wer sich auf den Plätzen vier bis sechs einfinden wird. Das Rennen ist offen wie selten. Die Kandidaten im Check.

FC Schalke 04 (Platz 4, 39 Punkte, 43:40 Tore)

Die Schalker Formkurve zeigt wieder eindeutig nach oben: Seit fünf Pflichtspielen sind die Gelsenkirchener ungeschlagen, zuletzt gab es drei Siege in Serie, darunter das 2:1 im Derby gegen Borussia Dortmund, das im Pott fast so viel wert ist wie ein „richtiger“ Titel. Dennoch kann man bestenfalls von einer durchschnittlichen Schalker Saison sprechen. Platz vier scheint nach der Krise der Monate November bis Januar das Maximum zu sein. Alles dahinter wäre für einen Kader wie diesen aber auch indiskutabel, unabhängig von der Besetzung des Trainerstuhls. Schalke zeigt mittlerweile wieder ordentlichen Fußball und sollte sich zeitnah ein Polster auf die Konkurrenz erarbeiten können. Die nächsten Gegner heißen nämlich Nürnberg, Hoffenheim und Bremen und kommen allesamt aus der unteren Tabellenhälfte.

Prognose: Schalke wird Platz vier klar machen. Die Bundesliga wird damit in der kommenden Saison ein schlagkräftiges Quartett in die Champions League entsenden.

Eintracht Frankfurt (Platz 5, 39 Punkte, 38:35 Tore)

Die Sensationsmannschaft der Hinrunde ist eindeutig auf dem absteigenden Ast. Die Leistungen mögen immer noch ansprechend sein, doch der SGE fehlt das Abschlussglück der ersten Halbserie. Seit fünf Spielen ist die Veh-Elf nun schon torlos, fünf Treffer bedeuten den zweitschlechtesten Rückrundenwert, der nur von den unvermeidlichen Fürthern unterboten wird. Dass die Eintracht trotz dieser Bilanz in den letzten fünf Partien dreimal unentschieden spielen konnte, spricht für zumindest ihre starke Defensive. Dennoch: Frankfurt hat die schlechteste Rückrundenbilanz aller Europapokalanwärter, seit dem Start in die zweite Saisonhälfte ist das Polster auf den ersten Nicht-Europapokal-Platz kontinuierlich geschmolzen, mittlerweile beträgt es nur noch zwei Punkte. Irgendwann wird die Mannschaft gewiss wieder das Tor treffen, doch sollte das auch gegen die kommenden Gegner aus Stuttgart (schlechteste Rückrundenmannschaft) und Fürth (Tabellenletzter) nicht gelingen, droht am Saisonende eine Platzierung im Niemandsland der Tabelle.

Prognose: Frankfurts solide Defensive sollte die Mannschaft bis zum Saisonende im Dunstkreis der Europa-League-Anwärter halten können. Wirklich mitmischen wird man aber nur, wenn ich den nächsten beiden Spielen ein Sieg gelingt. Von Platz vier, den man lange gehalten hat, sollte man sich verabschieden.

Hamburger SV (Platz 6, 38 Punkte, 30:33 Tore)

Beim HSV weiß man nie so recht, woran man ist. Herausragende Leistungen, wie das 4:1 in Dortmund, wechseln sich mit unerklärlichen Blackouts (z.B. 1:5 in Hannover) sowie ärgerlichen Punktverlusten gegen deutlich schwächere Gegner ab (z.B. 1:1 gegen Fürth). Dennoch hat der HSV alle Chancen im Rennen um die Europa-League-Plätze. Doch schaut man auf die Mannschaft, muss man das trotz der Krise der letzten Jahre auch erwarten können: Beim 1:0-Sieg in Stuttgart standen zehn aktuelle oder ehemalige A-Nationalspieler in der Startelf, mit Son und Rajkovic wurden weitere Auswahlspieler eingewechselt. Jeder Spieler in dieser Mannschaft hat in einer Phase seiner Karriere schon einmal seine hohe Qualität nachgewiesen – nur tun es die wenigsten von ihnen aktuell. Und wenn doch, dann selten über mehrere Spiele. Nach den Aufgaben gegen Augsburg und beim FC Bayern, wo man rein rechnerisch am Karsamstag durch eine Niederlage zum Meistermacher werden könnte, warten mit Freiburg und Mainz zwei direkte Konkurrenten im Kampf um Europa. In diesen Spielen geht es ans Eingemachte – und in solchen Partien hat der HSV oft Nerven gezeigt.

Prognose: Selten war es einfacher, sich für die Europa-League zu qualifizieren. Bringt der HSV seine Qualität auf den Rasen, wird die Mannschaft diese Chance ergreifen und auf den Plätzen fünf oder sechs landen und erstmals seit der Saison 2009/10 wieder international mitmischen. Doch bei Hamburg weiß man bekanntlich nie…

FSV Mainz 05 (Platz 7, 37 Punkte, 33:29 Tore)

Mainz ist verdammt schwer zu schlagen. Im Kalenderjahr 2013 schaffte das nur der FC Bayern. Mainz tut sich aber auch verdammt schwer, Spiele zu gewinnen. Das gelang seit Rückrundenbeginn auch nur in Fürth sowie am vergangenen Samstag gegen Leverkusen. Die „Politik der vielen Unentschieden“ wird die Mannschaft nicht weiterbringen, umso entscheidender werden die nächsten drei Spiele gegen Hoffenheim, Bremen und Nürnberg –allesamt Gegner, gegen die man favorisiert ist.

Prognose: Die Konstanz der Mainzer ist sicherlich ein Faustpfand im Kampf um die internationalen Tickets. Diese Stabilität macht Mainz zu einem heißen Anwärter auf einen Top-Sechs-Platz.

SC Freiburg (Platz 8, 36 Punkte, 32:28 Tore)

Das 2:5 gegen Freiburg war ein empfindlicher Rückschlag für herzerfrischend spielende Breisgauer, denen zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte der Sprung nach Europa gelingen könnte – und das mit einem Kader, der von Renommee und vom Marktwert der Einzelspieler her vor Saisonbeginn im unteren Tabellendrittel einsortiert wurde. Das Tolle für den SCF: Die Mannschaft hat noch zwei Chancen, einmal und der Liga und dann auch noch im DFB-Pokal. Ein Halbfinal-Sieg beim schwächelnden VfB Stuttgart am 16./17. April könnte die Saison schon fünf Spieltage vor dem Ende abrunden – sofern aus dem zweiten Halbfinale der FC Bayern als Sieger hervorgeht (was nicht gerade eine Sensation wäre). Gelingt die Europa-League-Qualifikation über den „Umweg“ Berlin, wäre es nicht unnatürlich, wenn es der SCF ab Mitte April in der Liga etwas ruhiger angehen ließe und sich ganz darauf konzentrieren würde, am 1. Juni im Berliner Olympiastadion womöglich eine Sensation zu schaffen.

Prognose: Freiburg hat bis zum Pokal-Halbfinale mit Dortmund, Gladbach, Hamburg und Hannover vier schwere Spiele vor der Brust. Gut möglich, dass nach diesen Partien der Zug nach Europa über die Liga schon abgefahren ist und es nur noch über den Pokal geht. Gönnen würde man der Streit-Elf die Qualifikation auf jeden Fall.

Borussia Mönchengladbach (Platz 9, 35 Punkte, 34:35 Tore)

Nach drei Vierteln der Saison steht Gladbach dort, wo Sportdirektor Max Eberl die Mannschaft vor Beginn der Spielzeit verortet hatte. Im Kampf um eine erneute Europapokal-Qualifikation ist noch alles möglich, doch die Elf vom Niederrhein dümpelt im Grunde die komplette Saison schon auf einem Mittelfeldplatz herum. Auch nach dem Europa-League-Aus hat die Mannschaft von Lucien Favre die hinzu gewonnenen Kraftreserven nicht gerade in eine Siegesserie umgemünzt. Die Offensive hat nicht mehr die Treffsicherheit der Vorsaison, die Defensive hat einen Tick nachgelassen. Natürlich wiegt der Verlust von Marco Reus, Dante und Roman Neustädter schwer – was bis heute vor allem von Favre gebetsmühlenartig betont wird –, doch der Verein hat es trotz hoher Investitionen (31 Millionen für Neueinkäufe) versäumt, die Mannschaft auf einem hohen Level zu halten. Alvaro Dominguez ist ein solider Innenverteidiger, mehr nicht. Der als Torjäger geholte Luuk de Jong hat immer noch Probleme, sich von der Eredivisie auf die Bundesliga umzustellen. Und Mittelfeldspieler Granit Xhaka wird in Mönchengladbach wohl nicht mehr glücklich…

Prognose: Gladbach fehlt in den entscheidenden Situationen der Punch. Die Favre-Elf beendet die Saison auf einem Mittelfeldplatz.

Hannover 96 (Platz 10, 34 Punkte, 47:45 Tore)

Wenn es bei Hannover an einem nicht mangelt, dann an offensiver Durchschlagskraft. Sind alle Mann fit und in Form, gehört die Mannschaft zu den Top Fünf der Liga. Neben der Verletzungsproblematik (Huszti, Andreasen, Stindl, Eggimann, Felipe, Franca, Cherundolo sind krank oder verletzt) ist die Defensive in der laufenden Saison ein großes Problem, vor allem in Auswärtsspielen. Hannover ist das schwächste Liga-Team in der Fremde – mit einer solchen Bilanz bringen einen auch 27 Punkte aus 13 Heimspielen nicht nach Europa. Doppelt schlecht für 96 ist, dass drei der nächsten vier Spiele auswärts stattfinden. Gelingt nicht bald der erste Auswärts-Dreier seit Anfang November, dürfte die dritte-Europa-League-Teilnahme in Folge kaum zu realisieren sein. Leistungsmindernd sind sicherlich auch die Querelen aus dem Umfeld: Das Verhältnis zwischen Trainer Mirko Slomka und Sportdirektor Jörg Schmadtke soll quasi nicht mehr existent sein. Hinzu kommen die leidigen Transfergerüchte um Mame Diouf, Mo Abdellaoue & und einige mehr.

Prognose: Die Ausgangsposition, die Auswärtsschwäche und das unruhige Umfeld sprechen gegen eine erneute Europapokal-Qualifikation. Der Kader ist vermutlich besser besetzt, als in den Vorjahren, wo man Vierter bzw. Siebter wurde, aber in dieser Saison greifen die Rädchen nicht wie gewohnt ineinander. Hannover wird die Europa League verpassen.

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