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Nov
23

Dunkle Stunde: das deutsche Europacup-Debakel 03/04

Aktuell werden die deutschen Europapokalstarter national und international für ihre starken Leistungen auf der kontinentalen Bühne gefeiert. Sechs der sieben Bundesliga-Teilnehmer sind nach fünf Spieltagen bereits für die K.O.-Runde qualifiziert, und der VfB Stuttgart hat es in zwei Wochen gegen den bereits ausgeschiedenen norwegischen Klub Molde FK selbst in der Hand. Nie stand die Bundesliga in dieser Phase des Europapokals besser da. Da fällt es schwer zu glauben, dass der absolute Tiefpunkt nicht einmal neun Jahre zurückliegt: In der Europapokal-Saison 2003/04 schrieb die Bundesliga in negativer Hinsicht Geschichte.

CL 03/04: Dortmund scheitert in der Qualifikation

Das Drama aus deutscher Sicht nahm bereits in der Champions-League-Qualifikation seinen Lauf: Borussia Dortmund, das am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 2002/03 vom VfB Stuttgart noch auf Rang drei verwiesen wurde, blamierte sich in der Qualifikation zur „Königsklasse“ gegen den belgischen Meister FC Brügge. Die von Matthias Sammer trainierte Borussia, für die Stars wie Marcio Amoroso, Jan Koller, Tomas Rosicky, Stefan Reuter oder Sebastian Kehl aufliefen, schied nach einem 1:2 im Hinspiel und einem 2:1 im Rückspiel mit 2:4 im Elfmeterschießen aus und musste in der „Trostrunde“ UEFA-Cup antreten – ebenfalls mit mäßigem Erfolg (s.u.).

CL 03/04: Kahns Patzer besiegelt Bayerns Aus

Der Deutsche Meister Bayern München überstand immerhin die Vorrunde in der Champions League, wenn auch nur mit Ach und Krach: Erst ein 1:0-Zittersieg gegen den RSC Anderlecht am 6. Spieltag brachte die Münchner in die K.O.-Runde. Eine Heimpleite gegen Olympique Lyon – dem Ex-Bayern Giovane Elber gelang das Siegtor für die Franzosen – hatte die Münchner zuvor in arge Bedrängnis gebracht. Schluss war letztlich im Achtelfinale gegen Real Madrid. Im Hinspiel beherrschten die Münchner den Gast aus Spanien lange nach Belieben, führten aber „nur“ mit 1:0, als Oliver Kahn einen harmlosen Freistoß von Roberto Carlos zum 1:1-Endstand passieren ließ. Im Rückspiel war die Moral gebrochen und der FCB de facto chancenlos. Allein mit dem Ergebnis (0:1, Torschütze: Zidane) kamen die Münchner noch glimpflich davon.

CL 03/04: Einzig Stuttgart überzeugt

Als Vize-Meister war der VfB Stuttgart nach Jahren des Mittelmaßes direkt für die Champions League-Gruppenpahse qualifiziert. Die Mannschaft um die „jungen Wilden“ Kevin Kuranyi, Philipp Lahm, Aleksandr Hleb, Timo Hildebrand und Andreas Hinkel ließ in ihrer Gruppe Panathinaikos Athen und die Glasgow Rangers hinter sich und zog gemeinsam mit Manchester United ins Achtelfinale ein. Dort war gegen den FC Chelsea im ersten Jahr der Abramowitsch-Ära Endstation (0:1, 0:0). Der VfB war 03/04 der einzige deutsche Europapokal-Starter, der die Erwartungen erfüllen konnte.

UEFA-Cup 03/04: Hertha, Lautern und der HSV scheitern in Runde eins

Übel verprügelt wurden die deutschen Mannschaften im UEFA-Cup (der heutigen Europa League). Der Bundesliga-Fünfte Hertha BSC blamierte sich gegen den polnischen Vertreter Dyskobolia Grodzisk bis auf die Knochen, schied in der ersten Runde mit 0:0 und 0:1 aus. Grodzisk spielt heute übrigens in der sechsten polnischen Liga. Pokalfinalist Kaiserslautern verlor sowohl das Hin- als auch das Rückspiel gegen den tschechischen Verein FK Teplice (0:1, 1:2). Der Bundesliga-Vierte aus Hamburg ging nach einem 2:1-Hinspielsieg beim ukrainischen Vertreter Dnjepr Dnjepropetrowsk mit 0:3 unter.

UEFA-Cup 03/04: Ruhrpott-Rivalen scheiden einträchtig aus

Der FC Schalke, der sich über die „Hintertür“ UI-Cup für den UEFA-Cup qualifizieren konnte, war in der zweiten Runde fällig. Nach einem 2:1 gegen Bröndby Kopenhagen und einem 1:2 bei den Dänen verloren die „Königsblauen“ das Elfmeterschießen mit 1:3. Auch für Erzrivale Borussia Dortmund war bereits in der Runde der letzten 48 gegen den französischen Vertreter FC Sochaux Schluss. Einem enttäuschenden 2:2 im Westfalenstadion folgte eine 0:4-Demotage in Ostfrankreich.

UEFA-Fünfjahreswertung: 4,714 Punkte als jahrelange Hypothek

Gerade einmal 4,714 Punkte holten die sieben deutschen Starter in der Europapokal-Spielzeit für die UEFA-Fünfjahreswertung (zum Vergleich: in der noch jungen Saison 2012/13 hat die Bundesliga bereits 9,785 Punkte geholt und ist damit „Tabellenführer“ in Europa). 2003/04 war damit die historisch schlechteste Saison des deutschen Vereinsfußballs auf kontinentaler Ebene. Die miese Punkteausbeute mussten die Bundesliga-Clubs fünf Jahre lang mit sich herumschleppen – mit der Folge, das die Bundesliga kurzfristig sogar ernsthaft Gefahr lief, auf Rang sieben im UEFA-Ranking abzurutschen und damit sogar noch den dritten CL-Platz zu verlieren. Heute, mit drei fixen Startplätzen für die „Königsklasse“ und einem Qualifikations-Platz, kann man sich das wahrlich kaum noch vorstellen…

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