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Feb
29

Sergej Evljuskin & Co. – Was aus deutschen Top-Talenten geworden ist

Zugegeben, wer mit dem Namen Sergej Evljuskin spontan etwas anzufangen weiß, muss schon ein ziemlicher Fußball-Nerd sein (ich bekenne mich schuldig). Dennoch: Der 1988 in der damaligen Sowjetunion geborene Mittelfeldspieler galt vor wenigen Jahren noch als eines der größten deutschen Talente. Kein anderer Spieler wurde häufiger mit der Fritz-Walter-Medaille ausgezeichnet als Evljuskin.

Böse Zungen behaupten, dass die Ära von Gerhard Mayer-Vorfelder als DFB-Präsident arm an Errungenschaften war. Dabei tut man „MV“, der heute vor allem mit guten Tropfen und Roth-Händle-Zigaretten in Verbindung gebracht wird, schon ein wenig Unrecht. Unter seiner Ägide erhielt der DFB beispielsweise den Zuschlag für die Ausrichtung der WM 2006. Auch die Fritz-Walter-Medaille, mit der seit 2005 alljährlich die besten deutschen Spieler der Altersklassen U17, U18 und U19 sowie die besten Juniorinnen ausgezeichnet werden, war eine Idee Mayer-Vorfelders. Bei der Premiere ausgezeichnet wurde u.a. ein gewisser Sergej Evljuskin.

Sergej Evljuskin – Einst ein Versprechen für die Zukunft

Fritz-Walter-Medaille in Gold in der Kategorie U-17 im Jahr 2005 und nochmals Gold in der Kategorie U-18 im Jahr 2006 – vor nicht allzu langer Zeit war Sergej Evljuskin einer der größten deutschen Hoffnungsträger. Insgesamt absolvierte er 41 Länderspiele für deutsche Junioren-Auswahlmannschaften und stand beim VfL Wolfsburg auf dem Sprung in den Profikader. Dann kam Felix Magath – und Evljuskins Karriere stagnierte (Ob hier ein Zusammenhang besteht, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen). Jedenfalls erhielt Evljuskins Karriere nach 2007 eine Delle, über Wolfsburg II und Hansa Rostock landete das Talent schließlich bei Drittligist SV Babelsberg, wo er in der laufenden Saison bislang 19 Spiele absolvierte.

Was ist aus anderen Top-Talenten geworden?

Evljuskins ausgebliebene Entwicklung hat mich auf den Gedanken gebracht, wie sich eigentlich weitere Top-Talente früherer Jahre entwickelt haben. Ergo habe ich mir die Fritz-Walter-Medaillen-Gewinner (Gold, Silber und Bronze) vorgenommen. Hier ein Überblick über ihre Entwicklung:

Aktueller deutscher A-Nationalspieler:
Manuel Neuer (Silber U19 2005/heute Bayern München)
Mario Götze (Gold U17 2009, Gold U18 2010/heute Borussia Dortmund)
Toni Kroos (Gold U18 2008/heute Bayern München)
André Schürrle (Bronze U17 2009/heute Bayer Leverkusen)
Benedikt Höwedes (Gold U19 2007/heute Schalke 04)
Jerome Boateng (Bronze U19 2007/heute Bayern München)
Lars Bender (Gold U17 2006/heute Bayer Leverkusen)
Sven Bender (Bronze U17 2006/heute Borussia Dortmund)

Mit A-Länderspielerfahrung (kein aktueller Nationalspieler):
Marko Marin (Silber U17 2006, Gold U18 2007/heute Werder Bremen)
Lewis Holtby (Gold U19 2009/heute Schalke 04)
Stefan Reinartz (Bronze (U18 2007/heute Bayer Leverkusen)

A-Nationalspieler nach Nationenwechsel:
Kevin-Prince Boateng (Gold U19 2006, Bronze U18 2005/heute AC Mailand; heute Ghanaer)
Eugen Polanski (Bronze U19 2005/heute Mainz 05; heute Pole)
Eric-Maxim Choupo-Moting (Silber U18 2007/heute Mainz 05; heute Kameruner)

Etablierte Erstligaspieler:
Dennis Diekmeier (Gold U19 2008/heute Hamburger SV)
Konstantin Rausch (Silber U17 2007, Silber U19 2009/heute Hannover 96)
Marcel Risse (Bronze U19 2008/heute Mainz 05)
Sebastian Rudy (Silber U18 2008/heute 1899 Hoffenheim)
Marc-André ter Stegen (Gold U19 2011, Bronze U17 2009/heute Borussia Mönchengladbach)
Julian Draxler (Gold U18 2011/heute Schalke 04)
Peniel Mlapa (Gold U19 2010/heute 1899 Hoffenheim)

Reservisten in der 1. Bundesliga:
Richard Sukuta-Pasu (Bronze U18 2008/heute 1.FC Kaiserslautern)
Manuel Gulde (Gold U17 2008/heute 1899 Hoffenheim)
Sören Bertram (Silber U18 2009/heute FC Augsburg)
Felix Kroos (Bronze U18 2009/heute Werder Bremen)
Matthias Zimmermann (Silber U19 2011, Bronze U18 2010/heute Borussia Mönchengladbach)
Markus Mendler (Bronze U18 2011/heute 1.FC Nürnberg)

Zweitligaspieler:
Kevin Volland (Bronze U19 2011/heute 1860 München, ab 7/2012 1899 Hoffenheim)
Florian Müller (Gold U19 2005/heute Alemannia Aachen)
Marc-André Kruska (Gold U18 2005/heute Energie Cottbus)
Daniel Halfar (Silber U17 2005/heute 1860 München)
Sebastian Tyrala (Bronze U17 2005/heute Greuther Fürth)
Daniel Adlung (Bronze U19 2006/heute Energie Cottbus)
José-Alex Ikeng (Bronze U18 2006/heute FC Ingolstadt)
Manuel Konrad (Silber U19 2007/heute FSV Frankfurt)
Patrick Funk (Gold U17 2007/heute FC St. Pauli)
Nils Teixeira (Bronze U17 2007/FSV Frankfurt)
Florian Jungwirth (Silber U19 2008/heute Dynamo Dresden)
Shervin Radjabali-Fardi (Bronze U17 2008, Bronze U19 2010/heute Alemannia Aachen)
Marco Terrazzino (Gold U18 2009/heute Karlsruher SC)
Reinhold Yabo (Silber U17 2009, Silber U18 2010/heute Alemannia Aachen)
Stefan Bell (Silber U19 2010/heute Eintracht Frankfurt)

Drittligaspieler:
Sergej Evljuskin (Gold U17 2005, Gold U18 2006/heute SV Babelsberg)
Lennart Hartmann (Silber U17 2008/heute SV Babelsberg)
Sören Halfar (Silber U18 2005/heute SV Sandhausen)
Alexander Eberlein (Silber U18 2006/heute Wacker Burghausen)
Robert Fleßers (Silber U19 2006/heute Wuppertaler SV)

Noch zu jung für eine Bewertung:
Timo Horn (Gold U17 2010/heute 1.FC Köln II)
André Hoffmann (Silber U17 2010/heute MSV Duisburg)
Kolja Pusch (Bronze U17 2010/heute Bayer Leverkusen II)
Sonny Kittel (Silber U18 2011/heute Eintracht Frankfurt)
Emre Can (Gold U17 2011/heute Bayern München II)
Robin Yalcin (Silber U17 2011/heute VfB Stuttgart II)
Odisseas Vlachodimos (Bronze U17 2011/heute VfB Stuttgart II)

2 Kommentare

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  1. Deislerin sagt:

    Hi Marco. Interessant, was alles aus den Talenten geworden ist. Von Weltstar bis Absturz ist ja alles dabei. Man könnte sich schon frage, warum manche den Durchbruch schaffen udn andere Talente bleiben…
    Toll wäre auch mal ein Beitrag über frührere „Mega-Talente“, die es auch nicht geschafft haben. Ich denke da an Sebastian Deisler, Benny Auer oder Lars Ricken

  2. Heibel sagt:

    Keine Sorge, das Thema habe ich schon seit Längerem auf dem Schirm. Ich denke dabei neben den drei von dir genannten auch noch an Michael Zepek, der einst als „neuer Nowotny“ gefeiert wurde. Auch ein gewisser Markus Neumayr ist einst als vermeintlich bester deutscher Nachwuchsspieler zu Manchester United gewechselt. Heute kickt er – nach Zwischenstationen in der 3. Liga – in der Schweizer Super League.

    Generell ist es schwierig zu sagen, woran viele Talente scheitern. Vielleicht kann man es aber an Gegenbeispielen am besten ablesen: Oliver Kahn etwa hatte nie das allergrößte Talent. Er hat nie ein Junioren-Länderspiel bestritten, seine fehlenden Anlagen aber durch Fleiß und Willen im Erwachsenenalter wettgemacht. Vielleicht fehlt vielen Spielern, die schon in der Jugend auf Händen getragen werden, dieser unbedingte Wille, alles zu investieren. Gegenbeispiele gibt es natürlich auch, s. Mario Götze, der seinen bisher eingeschlagenen Weg hoffentich fortsetzen kann.

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