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Dez
21

Es gibt wieder Kleine! – Halbzeitbilanz in der Bundesliga

Aufmerksame Leser meines Blogs wissen, dass ich vor einer Bundesliga-Spielzeit Orakel spiele und Prognosen über den Saisonverlauf abgebe. Ebenso ist es Tradition, dass ich regelmäßig Bilanz ziehe, wie es um meine Tipps bestellt ist. In der letzten Saison lag ich mächtig daneben. Heuer sieht es besser aus.

Meine Quintessenz der Bundesliga-Hinrunde lautet: Es gibt wieder Kleine! War in der letzten Saison noch alles „verrückt“ und mischten unzählige Überraschungsmannschaften oben mit, so ist 2011/12 wieder (fast) alles beim Alten: Die finanzstärksten Vereine haben sich oben formiert, die vermeintlichen Abstiegskandidaten kämpfen um den Verbleib in der Liga. Dementsprechend nah dran bin ich mit meinen Prognosen aus dem Vorfeld der Saison, die Ihr hier noch mal nachlesen könnt:

Prognosen zu Augsburg, Berlin, Gladbach, Wolfsburg, Schalke, Bremen vom 29.7.2011
Prognosen zu Stuttgart, Hoffenheim, Köln, Freiburg, Hamburg, Kaiserslautern vom 3.8.2011
Prognosen zu Nürnberg, Mainz, Hannover, Bayern, Leverkusen, Dortmund vom 5.8.2011

Nach meinen Tipps zu Saisonbeginn müsste die Tabelle so aussehen:

1. Bayern München (Platz nach 17 Spieltagen 2011/12: 1./Platz Saison 2010/11: 3. )
2. Borussia Dortmund (2./1.)
3. Bayer Leverkusen (6./2.)
4. FC Schalke 04 (3./14.)
5. VfL Wolfsburg (12./15.)
6. TSG Hoffenheim (9./11.)
7. Hamburger SV (13./8.)
8. Werder Bremen (5./13.)
9. VfB Stuttgart (8./12.)
10. 1.FC Köln (10./10.)
11. Bor. Mönchengladbach (4./16.)
12. Hannover 96 (7./4.)
13. Hertha BSC (11./1. Zweite Liga)
14. Mainz 05 (14./5.)
15. 1.FC Nürnberg (15./6.)
16. 1.FC Kaiserslautern (16./7.)
17. SC Freiburg (18./7.)
18. FC Augsburg (17./2. Zweite Liga)

Gar nicht mal schlecht, oder? Ok, in ein paar Fällen habe ich mich mächtig nach oben vertan.

Vor allem dem VfL Wolfsburg hatte ich mehr zugetraut als Platz 12. Nicht aus Sympathie, sondern weil die Mannschaft rein von den Namen her in die obere Tabellenhälfte gehört, und weil Felix Magath bis dato im ersten Jahr immer eine Erfolgsgarantie hatte. Bislang kommt der VfL aber allzu konfus daher. Die Tatsache, dass Magath seine Mannschaft, die er in guten Teilen nach eigenem Gusto „verstärken“ durfte, als derzeit bundesligauntauglich beschreibt, sagt auch einiges über seine Arbeit aus. Klar ist, dass der VfL bis zum 31.1. auf dem Transfermarkt äußerst umtriebig sein wird. Es ist nicht zu erwarten, dass diese Saison noch der Sprung nach oben glückt. Ein Platz im Mittelfeld wäre der Normalfall. Aber wer weiß? Vielleicht ist der VfL ja dieses Jahr (endlich) reif für den Abstieg…

Deutlich stärker habe ich auch den Hamburger SV eingeschätzt, obwohl ich schon vor der Saison darauf hingewiesen habe, dass die Mannschaft im Umbruch ist und eine Prognose deswegen schwer fällt. Nach eklatant schwachem Start hat sich der HSV unter Torsten Fink mittlerweile gefangen und zuletzt sichtbare Schritte nach vorne gemacht. Aufgrund des Trends und der Enge im Mittelfeld der Tabelle könnte mein Tipp Platz sieben bis zum Saisonende durchaus noch aufgehen.

Auch von Bayer Leverkusen war mehr zu erwarten. Immerhin hat die bisherige Saison mich in meiner Vermutung bestätigt, dass die Bayer-Verteidigung nicht stark genug für ganz oben ist. Dennoch hatte ich vor allem der Offensive mehr zugetraut. Unter Robin Dutt hat die Mannschaft ihren spielerischen Esprit eingebüßt, der sie über Jahre ausgezeichnet hat. Außerdem ist es Bayer nie gelungen, eine Serie zu starten. Der von mir getippte dritte Rang ist trotzdem nach wie vor machbar – auch wenn es schwer wird.

Hoffenheim habe ich vor der Saison am Scheideweg gesehen. Die Realität nach 17 Spieltagen zeigt mir, dass der „Dorfverein“ tatsächlich graues Mittelmaß ist. Die Hinrunde der Saison 2008/09 war definitiv ein Ausrutscher nach oben, alles andere kann nach sechs durchschnittlichen Halbserien niemand mehr ernsthaft behaupten. Auch Trainer Holger Stanislawski, der dem Verein neue Impulse, aber auch mehr Kante geben sollte, konnte wenig bewirken. Läuft alles normal, wird Hoffenheim die Saison in der aktuellen Tabellenregion beenden. Ein Dorfverein, den niemand mag, der niemanden mehr interessiert und der niemandem mehr weh tut – that must be the dream, Herr Hopp!

Zu den Clubs, die ich unterschätzt habe:

Borussia Mönchengladbach habe ich nach der Last-Minute-Rettung und dem sichtbaren Aufwärtstrend unter Lucien Favre eine sorgenfreie Saison zugetraut. Dass sie derart sorgenfrei werden würde, dass im Grunde schon nach 17 Spieltagen die Klasse gehalten ist, hätte aber vermutlich auch am Niederrhein niemand geglaubt. Angesichts von zehn (!) Punkten Vorsprung auf den ersten Nicht-Europacup-Platz muss man sich fast schon mit dem Gedanken anfreunden, dass Gladbach 2012/13 international spielt.

Auch vom Überraschungsteam der Vorsaison, Hannover 96, habe ich eine schlechtere Platzierung erwartet. Mein Tipp, Platz 12, ist dennoch nicht allzu weit vom realen Platz der Niedersachsen entfernt (aktuell Siebter, vier Punkte auf Platz 12). So falsch lag ich also nicht: Hannover ist wieder im Mittelmaß und wird dort auch bleiben.

Bei Werder Bremen habe ich dagegen schon deutlicher daneben gelegen. Nach der verkorksten letzten Saison konnte ich mir kaum vorstellen, dass Werder ernsthaft um die Europapokal-Plätze mitspielt. Es sieht ganz so aus, als mache ein fitter Pizarro allein den Unterschied zur letzten Saison aus – was nicht für seine Kollegen spräche. Von den Spielen mit den anderen Top-Teams der Liga einmal abgesehen, gibt sich Werder aber selten eine Blöße. Wer auf dem Papier schwächer ist, wird humorlos geschlagen. Bleibt das so, ist Europa gebucht.

Siebenmal daneben gehauen – das bedeutet aber auch, dass elf Vereine bislang erwartungsgemäß performt haben:

Bayern München auf Platz eins und Borussia Dortmund dicht dahinter: Zugegeben, die Prognose war nicht allzu gewagt.

Stolzer bin ich da schon für mein Näschen, dass Schalke sich wieder in der Spitzengruppe einnistet – auch wenn ich davon ausgegangen bin, dass die „Königsblauen“ das mit Ralf Rangnick auf der Trainerbank tun würden. Huub Stevens hat mich bislang wirklich positiv überrascht. Während seiner Zeit in Österreich, fernab meines Blickfeldes, hat er seine Philosophie womöglich ein wenig überdacht. Oder aber er hat nun erstmals eine Mannschaft zur Verfügung, mit der er auch ohne zu mauern vorne angreifen kann.

Auch Stuttgart, Köln und Aufsteiger Berlin spielen die von mir erwartete weitgehend sorgenfreie Saison im Mittelfeld. Alle drei spielen zu unkonstant, um vorne anzugreifen, holen aber regelmäßig ihre Punkte, sodass ein Absturz in die Abstiegszone eigentlich nicht mehr zu erwarten ist.

Mit Mainz, Nürnberg, Kaiserslautern, Augsburg und Freiburg haben sich tatsächlich meine „Favoriten“ für die Abstiegsplätze unten eingefunden. Generell sind die Abstände aber so gering, dass für alle der Weg ins Mittelfeld noch möglich ist. Gerade die Mainzer – letztes Jahr noch Fünfter, aber mit viel Qualitätsverlust – berappeln sich allmählich. Meine Top-Favoriten für die direkten Abstiegsplätze bleiben auch für die Rückrunde Freiburg (erst recht, wenn Cissé im Winter wechselt) und der erstaunlich gut mitspielende Aufsteiger aus Augsburg. Ich persönlich glaube jedoch, dass der FCA bislang das Maximum rausgeholt hat. Um die Klasse zu halten, müsste in der Rückserie aber vermutlich sogar noch ein Tick mehr kommen. Hochgerechnet 30 Punkte haben noch nie zum Klassenerhalt gereicht.

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