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Dez
07

EURO 2020 in 13 Ländern – Die europäischste EM aller Zeiten

Eines muss man attestieren: Michel Platini hatte schon schlechtere Ideen, als die Europameisterschaft 2020 auf bis zu 13 Städte in 13 europäischen Ländern zu verteilen. Kunststück, liefen die meisten seiner Vorschläge doch eindeutig dem UEFA-Slogan „We care about Football“ zuwider. Doch auch das Konzept zur EURO 2020 ist streitbar, weil das Turnier durch die Reform einen anderen Charakter erhält.

Die UEFA-Exekutive hat gestern entschieden, dass die Fußball-Europameisterschaft 2020 im wahrsten Sinne des Wortes zu einem kontinentalen Turnier  wird. Damit kann man hadern, ändern kann man es jedoch nicht mehr. Betrachten wir einmal die Fakten.

Was ändert sich 2020?

Zum 60. Geburtstag der Europameisterschaft möchte die UEFA ein europaweites Fest veranstalten. Deswegen werden 13 Städte in 13 Ländern Gastgeber des 24 Nationalmannschaften umfassenden Starterfeldes sein. Im Gespräch sind u.a. Spiele in Berlin, Madrid, London, Moskau, Paris und Rom. Die Top-Nationen dürften dabei ihre Vorrundenspiele und ggf. auch ein Achtelfinale auf heimischem Boden austragen. Ab dem Viertelfinale würde dann auf neutralem Grund gespielt.

Istanbul gilt als heißer Anwärter für die Ausrichtung der Halbfinals und des Endspiels, weil sich die Türkei vergeblich für die Ausrichtung der Endrunden 2008, 2012 und 2016 beworben hatte und für 2020 als aussichtsreichster Anwärter  galt – bis Platini seinen Alleingang hinlegte, welcher im UEFA-Exekutivkomitee erstaunlich schnell große Zustimmung erhielt. Weitere Bewerber für 2020 waren Aserbaidschan gemeinsam mit Georgien sowie Irland gemeinsam mit Schottland und Wales – zugegeben, keine Knaller. Nicht auszuschließen, dass die Idee der europaweiten EM auch aus einem Mangel an ausreichend qualifizierten Interessenten heraus geboren wurde.

Vorteile der europaweiten EM

  • Wirtschaftlichkeit: Die Stadien stehen schon. Auch Autobahnen, Flughäfen und Hotels von gehobenem Standard existieren in den Metropolen des Kontinents bereits heute. Falls doch noch Kosten anfallen sollten (etwa für die Renovierungen einiger Arenen), fallen diese für die einzelnen Länder nicht so ins Gewicht. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen man in Lwiw, Klagenfurt, Coimbra oder Charleroi Arenen für mehr als 30.000 Zuschauer baute, die nach dem Turnier bestenfalls halb gefüllt waren und im schlimmsten Fall zu Bauruinen verkommen sind.
  • Legendäre Spielorte: Das Londoner Wembley-Stadion, das Berliner Olympiastadion, das Estadio Santiago Bernabeu in Madrid oder das Stade de France in Paris – allesamt Fußballtempel, in denen jeder Kicker einmal spielen möchte. Bei der Europameisterschaft 2020 wird das zur Realität.
  • Viele zufriedene Gastgeber: Hinter der Vergabe der EURO 2020 steckt natürlich auch politisches Kalkül. Der nicht überall beliebte Präsident Michel Platini macht so gleich 13 Mitgliedsstaaten auf einen Schlag ein kleines Geschenk. Allesamt zufriedene Wähler für die nächste Präsidentschaftswahl.
  • Europäischer Gedanke: Gerade in Zeiten der Eurokrise ist eine europaweite EM ein starkes Zeichen. Wieder einmal würde die vereinigende Kraft des Sports zum Katalysator der Politik.

Nachteile der europaweiten EM

  • Atmosphäre: Die Stimmung wird ganz klar leiden. Bislang wurden große Turniere an maximal zwei Länder vergeben. Die Gastgeber hatten mindestens sechs Jahre lang Zeit, sich auf das Turnier vorzubereiten. Solange konnten auch die Fans im Ausrichterland auf dieses Highlight hinfiebern. Eine ganze Nation rückte in den Monaten vor dem Start und insbesondere während des Turniers in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Vor allem aber entstand dadurch, dass Fans aus aller Herren Länder auf engem Raum zusammenkamen, eine ganz besondere Atmosphäre. Schwer vorstellbar, dass man die WM 2006 in Deutschland im Rückblick als „Sommermärchen“ bezeichnet hätte, wenn gerade einmal fünf oder sechs Spiele auf deutschem Boden ausgetragen worden wären.

Auf dem Papier gibt es zwar vier Pros gegenüber einem Kontra, doch der Minuspunkt wiegt tonnenschwer. Letztlich dürfte die EURO 2020 den Charakter der alten Europameisterschaften von 1960 bis 1976 erhalten, als man sich nach Ausscheidungsspielen in den Ländern der jeweiligen Kontrahenten erst zum „Final Four“ an einem Ort traf. Von diesem Modus ist die UEFA ab 1980 nicht ohne Grund abgerückt…

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