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Jul
05

EURO-Nachschlag: Platinis Schnapsidee

Die Europameisterschaft ist zwar bereits vor vier Tagen zu Ende gegangen, und das Geschehen wird längst wieder vom Vereinsfußball bestimmt (Stichwort: Sammer zu Bayern). Doch zu einer Sache möchte ich mich noch äußern: dem Vorschlag von UEFA-Präsident Michel Platini, die Europameisterschaft ab 2012 in „12, 13 Städten in ganz Europa“ auszutragen.

Im Grunde kann ich mir die nächsten Zeilen sparen. Jedem Menschen mit Verstand und ein wenig Fußball-Interesse muss klar sein, dass eine „europaweite EM“ das zweitschönste Fußball-Turnier der Welt (nach dem „Uhren-Cup“, bald sicherlich live bei „Sport1“, hüstel) zerstören würde.

Denken wie ein Politiker

Michel Platinis Kalkül dürfte ja mittlerweile bekannt sein. Der Franzose holt gern möglichst viele Verbände in sein „Boot“, um seine Macht und seine Wiederwahl zu sichern. So bescherte der von ihm angestoßene aktuell gültige Champions League-Modus, durch den mehr Meister aus kleinen Nationen in der „Königsklasse“ vertreten sind, dem ehemaligen Weltstar überhaupt erst die Präsidentschaft. Dass der Wettbewerb dadurch verwässert wurde, ist da nur sekundär. Gleiches gilt für die Erweiterung der Europameisterschaft ab 2016 von 16 auf 24 Starter, wodurch mehr „Kleine“ dabei sind, wodurch das Turnier aber auch erst ab dem Viertelfinale richtig spannend wird.

Eine europaweite EM, wie sie vom großen Chef ab 2020 angedacht ist, wäre ein ähnliches Manöver. 12 Städte in 12 Ländern – macht 12 glückliche Gastgeber. Allesamt Wählerstimmen. Und wenn man sich auf eine Rotation einigen würde, käme so ganz Europa binnen eines Zyklus von 12 oder 16 Jahren mal an die Reihe. Super Sache! Oder etwa nicht?

Nicht mehr ganz dicht? Turniere leben von der Verdichtung

Große Turniere leben von der Verdichtung, davon, dass man zentrale Punkte hat, an denen die Menschen zusammenkommen. Auch muss die besondere Stimmung eines Turniers, die man bei der WM 2006 in jedem Spielort erleben konnte, wachsen können. All das wäre nicht mehr denkbar, wenn man die EURO auf 12 Länder zwischen Portugal und Kasachstan verteilen würde. Abgesehen davon: Schon mal an die Flugkilometer gedacht, Herr Platini?! Klimaschutz dürfte auch in Ihrer Heimat Frankreich hin und wieder ein Tagesordnungspunkt sein.

Das Gute an Platinis Vorschlag: Er ist so abstrus, dass seine Erfolgsaussichten etwa so gut sind, wie die des 1.FC Köln auf dauerhafte Ruhe am Geißbockheim. Wir können uns also entspannt zurücklehnen, abwarten wer 2020 das Rennen macht und uns – einfach weil wir es können – einmal pro Tag über Michel Platini lustig machen. Und keine Sorge: Die nächste Pointe kommt bestimmt…

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