«

»

Mrz
24

Europa League? Nein danke!

Preisfrage: Wann stand zuletzt eine deutsche Mannschaft im Finale der Europa League bzw. des Vorgängerwettbewerbs UEFA-Cup? Es war Werder Bremen im Jahr 2009. Seitdem hat im kleineren der beiden Europapokale kaum ein Bundesliga-Vertreter mehr überzeugt. Vielmehr bekommt man fast den Eindruck, als wäre die Teilnahme an der Europa League die Höchststrafe.

„Selbst wenn wir uns in diesem Jahr für die Europa League qualifizieren würden, wäre das wirtschaftlich kein Vorteil. Sportlich könnte es sogar ein großer Nachteil sein. Die Europa League wäre ein großes Risiko.“ Diese Sätze stammen aus dem Mund von Jos Luhukay. Nachzulesen waren sie am Freitag in der „Berliner Morgenpost“.

Zur Beruhigung des Trainers von Aufsteiger Hertha BSC sei gesagt, dass er mit seiner Mannschaft spätestens seit der jüngsten 0:3-Niederlage in Mönchengladbach die akute Gefahr gebannt hat, in der kommenden Saison Deutschland international vertreten zu müssen. So muss es ja fast wirken, das Erreichen der Plätze fünf und sechs in der Bundesliga.

Eigentlich sollte es ein Grund zur Freude sein, eine Saison in der vermeintlich stärksten Fußball-Liga der Welt knapp im oberen Drittel zu beenden. Doch für viele Vereine ist die daraus folgende Qualifikation für die Europa League eher ein Ballast. Getreu dem Motto: Wenn man schon nicht mindestens Vierter werden und auf die Fleischtöpfe der Champions League zugreifen kann, sollte man besser gleich Siebter werden. Dann hat man in der kommenden Saison wenigstens donnerstags frei und kann sich auf die Bundesliga konzentrieren.

Deutschland international zu vertreten, muss eine Ehre sein

Auf diese Weise kann man einen sicheren Bogen um Vereine wie Estoril Praia, Slovan Liberec oder Maccabi Tel Aviv machen, mit denen es der SC Freiburg beziehungsweise Eintracht Frankfurt in dieser Europa-League-Saison in der Gruppenphase zu tun bekamen. Diese beiden Klubs sind für viele Vereine ein mahnendes Beispiel. Tenor: Wenn du ein gutes Jahr in der Liga hast, machst du dir danach durch die „Mehrfachbelastung“ (Unwort!) alles kaputt.

Natürlich ist es gerade für kleine Mannschaften wie Eintracht Frankfurt oder den SC Freiburg schwer, den Spagat zu schaffen. Dass beide in dieser Saison im Abstiegskampf stecken, hat aber nicht nur mit der gewachsenen Zahl der Spiele zu tun. Frankfurt hatte besonders in der Hinrunde massiv mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, Korsettstangen wie Alex Meier oder Pirmin Schwegler fehlten monatelang. Freiburg wurde für Platz fünf der Vorsaison – den Fluch der guten Tat – bestraft und von der Konkurrenz leer gekauft. Wenn man dann eine neue Mannschaft aufbauen muss, werden die vielen englischen Wochen in der Tat zur Last.

Diskrepanz zwischen Potenzial und Realität

Doch die Kritik darf sich gar nicht im Kern auf Vereine wie Frankfurt (das international nebenbei auf ganzer Linie überzeugt hat) oder Freiburg richten, die mit ihren Etats zu den kleinen Lichtern in der Bundesliga gehören. Vielmehr muss man sich die ambitionierten Vereine zur Brust nehmen. DFL-Chef Christian Seifert hat dies in der aktuellen Ausgabe des „Spiegel“ getan: „Fakt ist, dass viele Bundesligisten mehr finanzielle Möglichkeiten haben als die meisten anderen Klubs in Europa. Das sollte sich auf Dauer auch in den sportlichen Leistungen niederschlagen.“

Der 44-Jährige kritisierte besonders das konstant schwache Abschneiden der deutschen Vereine in der Europa League: „Wir müssen konstatieren, dass in der Bundesliga acht Klubs einen Etat von mehr als 100 Millionen Euro haben. Zwar haben wir in dieser Saison zwei Vereine im Viertelfinale der Champions League, im Achtelfinale der Europa League war die Bundesliga aber nicht vertreten.“

Geld darf nicht alles sein

In der Tat riecht der Umstand, dass seit dem HSV 2010 keine deutsche Mannschaft mehr die Vorschlussrunde der Europa League erreicht hat, fast ein wenig nach Leistungsverweigerung. In der laufenden Saison wie auch schon in den Spielzeiten 2012/13 und 2010/11 fand sogar das Viertelfinale der Europa League ohne deutsche Beteiligung statt. Wenn man bedenkt, dass ambitionierte Vereine wie Borussia Dortmund, Schalke 04 oder Bayer Leverkusen zu den früh Gescheiterten dieser Jahre gehören, ist das ein Armutszeugnis.

Dabei ist es eine Schande, dass immer wieder auf die „geringen Verdienstmöglichkeiten“ in der Europa League hingewiesen wird. Wer ständig die Gelder aus der Champions League im Hinterkopf hat, mag diese Ansicht teilen. Doch inklusive UEFA-Prämien, Anteilen aus dem Medienpool und Zuschauereinnahmen wird der Sieger der Europa League 2013/14 sicher mehr als 20 Millionen Euro einnehmen.

Davon kann man natürlich kein Viertel von Gareth Bale und auch nicht die Hälfte von Julian Draxler kaufen. Doch darum sollte es gar nicht gehen. Wer in der Europa League spielt, der vertritt Deutschland, der vertritt seine Vereinsfarben, und der kann beweisen, dass an der These von der „besten Fußball-Liga der Welt“ wirklich etwas dran ist.

Pointe für alle Vereine, die keine Lust auf Europa League haben: Um auf Nummer sicher zu gehen, muss es diese Saison wohl schon Platz acht werden. Sollten Bayern München als designierter Meister und Borussia Dortmund als zu erwartender Champions-League-Teilnehmer nämlich das DFB-Pokal-Finale erreichen, hält Platz sieben in der Liga ebenfalls ein Ticket für Europa bereit. Also zur Sicherheit lieber einmal zu oft als zu selten verlieren…

1 Kommentar

Derzeit kein Ping

  1. h.chinaski sagt:

    Entspricht zu weiten Teilen meiner Meinung. Man hat oft den Eindruck dass es dem ein oder anderen Verein nichts mehr bedeutet diesen Titel „einzusammeln“.

    Allerdings muss man auch feststellen dass es in den letzten Jahren oft deutsche Teilnehmer gab, die nach einer überraschend starken Saison in den ex-UEFA-Pokal gerutscht sind. Freiburg, Frankfurt im letzten Jahr, in den Jahren davor Gladbach, Mainz, Stuttgart oder Berlin.

    Allerdings hätten hier die sog. Spitzenteams wie Vizekusen, Schalke oder Dortmund die Kohlen aus dem Feuer holen müssen.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*