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Aug
26

Europapokal: Memento 2003/04 – Das Schlimmste gerade noch abgewendet

Mit der UEFA-Fünfjahreswertung ist es wie mit dem Klimawandel. Solange es keine massiven Probleme gibt, interessiert sich niemand dafür. Ins Bewusstsein der deutschen Fans ist dieses Ranking erst gedrungen, als vor ein paar Jahren Länder wie Frankreich, Russland, Rumänien oder Portugal der Bundesliga gefährlich wurden. Davon sind wir im Moment (noch) weit entfernt. Auch, weil Schalke und Hannover gestern den befürchteten GAU abgewendet und sich doch noch für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert haben.

Es war in der Europapokal-Saison 2003/04, als die Vertreter der Bundesliga ihr historisch schlechtestes Jahr auf der europäischen Bühne abgeliefert hatten. 4,714 Punkte sprangen nach teils desaströsen Leistungen für die UEFA-Fünfjahreswertung heraus – das entspricht auf fünf Jahre hochgerechnet der Bilanz von Israel oder der Schweiz.

Damals verabschiedeten sich die deutschen UEFA-Cup-Starter bereits nach der ersten (Kaiserlautern, Berlin, Hamburg) bzw. zweiten Runde (Schalke, Dortmund) aus dem Wettbewerb. Die Champions-League-Teilnehmer Bayern München und VfB Stuttgart erreichten immerhin noch ins Achtelfinale der Königsklasse. Die Gesamt-Bilanz war dennoch katastrophal.

2011/12 vermutlich kein Szenario wie 2003/04

Zwischen der Auslosung der Champions League-Gruppen gestern Abend gegen 18 Uhr und dem Abpfiff der Europa League-Play-offs gegen 23 Uhr konnte man als deutscher Fußballfan schon feuchte Hände kriegen: Die Bayern sind in einer schweren, weil extrem ausgeglichenen Gruppe mit Villarreal, Manchester City und Neapel gelandet. Leverkusen hat es mit Chelsea, Valencia und Genk auch nicht einfach erwischt. Das „leichteste“ Los erwischt hat ausgerechnet der im schlechtesten Topf platzierte Deutsche Meister aus Dortmund mit dem FC Arsenal, Marseille und Piräus.

Alle drei können bei optimalem Verlauf das Achtelfinale erreichen, aber das wird alles andere als ein Spaziergang. So wird der FC Bayern kaum fünf oder sechs Siege einfahren gegen seine Gruppengegner. Und Bayer und der BVB müssen bei allem Potenzial zeigen, dass sie nicht zu „grün“ sind für die große europäische Bühne. Dennoch: Dortmund sollte allemal stärker sein als Piräus, auch Marseille hat nicht mehr die Klasse früherer Jahre. Auch Bayer kann durchaus Zweiter werden in seiner Gruppe, sofern man sich in den Spielen gegen Genk keine Blöße gibt. Denn auch Valencia besitzt nicht mehr das Format früherer Jahre, zumal mit Juan Manuel Mata der Top-Star das Team soeben gen Chelsea verlassen hat.

Hannover und Schalke bewahren Deutschland vor Hypothek

In Hinblick auf die UEFA-Fünfjahreswertung fast noch wichtiger war aber, dass Schalke gegen Helsinki das 0:2 aus dem Hinspiel umgebogen hat, und dass Hannover 96 gegen den favorisierten FC Sevilla seinen Vorsprung über die zweiten 90 Minuten gerettet hat. Nachdem Mainz 05 bereits in der 3. Runde an Gaz Metan Medias gescheitert war – das Team aus Rumänien hatte nun in den Play-offs gegen Austria Wien das Nachsehen – wäre eine Europa League-Gruppenphase ohne deutsche Beteiligung nicht nur aus Prestigegründen eine Katastrophe gewesen.

Denn alle Punkte, die von den Vertretern eines Landes in den Europapokal-Wettbewerben erspielt werden, werden durch die Zahl der gestarteten Teilnehmer dividiert. Und wenn neben Mainz auch noch Hannover und Schalke einen Salto Nullo hingelegt hätten, wäre der vierte deutsche Champions League-Platz bereits wieder in Gefahr geraten. Nicht in diesem Jahr, dafür ist der Vorsprung auf Italien zu groß. Aber man darf nicht vergessen, dass eine schlechte Eueopacup-Saison eine Hypothek ist, an der man fünf Jahre lang zu tragen hat. Und wenn dann irgendwann die erfolgreichen Spieljahre gestrichen werden, in denen Deutschland teilweise sogar der erfolgreichste Punktesammler Europas war, wäre es bedrohlich geworden.

So wie es gekommen ist, hat man zwar immer noch keine Garantie für eine erfolgreiche Saison. Doch allein die Tatsache, dass die verbliebenen deutschen Europacup-Starter nun zusammen genommen 30 Fix-Spiele haben, in denen sie fleißig Punkte sammeln können, sollte einen beruhigen.

Auch andere Länder haben früh Federn gelassen

Und wenn man über den Tellerrand hinausschaut, ist auch das Mainzer Ausscheiden nur noch halb so wild. Abgesehen von den Engländern, die alle acht Starter in die Gruppenphasen der Champions League bzw. der Europa League gebracht haben, ist nämlich kein Land mehr in voller Stärke vertreten.

Die Spanier haben bekanntermaßen den FC Sevilla im direkten Duell gegen Hannover 96 eingebüßt, bei den Italienern sind mit dem AS Rom und dem US Palermo sogar gleich zwei Starter ausgeschieden. Am dicksten kam es aber für Schottland: Keiner der vier Starter hat die Gruppenphase erreicht.

1 Kommentar

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  1. Toni Macaroni sagt:

    Hannover und Schalke haben sogar noch ne gute Auslosung. Aber bei den Champiosn League Teilnehmern bin ich skeptisch. Ist doch immer so, dass wir Deutschen unsere bekannten Teams stärker einschätzen.
    Frag mal in Marseille oder Valencia, was die von Dortmund und Leverkusen handeln?

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