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Jun
07

FC Chelsea Hamburg – Spiel mit hohem Einsatz

Der neue HSV-Sportchef Frank Arnesen hat den Kader gleich mächtig durcheinander gewirbelt und viele teure Altlasten abgegeben. Seine Neuzugänge kennt er nur allzu gut: Sie kommen alle von Arnesens Ex-Club Chelsea London. Nennt man so was nun phantasielos, oder wird Arnesen letztlich alle Lügen strafen?

Der Umbruch beim Hamburger SV war überfällig. Endlich ist mit dem neuen Sportchef Frank Arnesen auch einer da, der entgegen der Strategie der letzten Jahre nicht teuer dazukauft, sondern zunächst einmal teures Personal abbaut. So sind Ruud van Nistelrooy, Zé Roberto, Frank Rost und Piotr Trochowski bereits weg. Allesamt ablösefrei zwar, doch allein bei deren Gehältern dürfte der Hamburger SV zwischen 12 bis 15 Millionen Euro pro Jahr sparen. Mit Eljero Elia, Marcell Jansen und Joris Mathijsen sollen noch mindestens drei weitere Top-Verdiener folgen, mit denen man sogar eine Ablöse erzielen kann. Der HSV ist also auf dem besten Weg, sich wirtschaftlich zu konsolidieren, was auch bitter nötig ist angesichts der zweiten Saison in Serie ohne Europapokal-Einnahmen.

Wohin mit neun zurückkehrenden Leihspielern?

Weil es mit Abgängen alleine nicht getan ist, erhält der HSV natürlich auch Zulauf. Da sind zum einen neun (!) Leihspieler zu nennen, die ab dem 1. Juli wieder im Profikader stehen. Abgesehen von Wolfgang Hesl, der die neue Nummer 2 hinter Jaroslav Drobny werden soll, handelt es sich hierbei fast ausschließlich um Spieler, die man am liebsten sofort weiterreichen würde, allen voran die die teuren Flops David Rozehnal, Markus Berg und Alex Silva.

FC Chelsea Hamburg B?

Hinzu kommen bislang drei Transfers, die der neue Sportchef Frank Arnesen getätigt hat. Der Däne war bis zum Mai noch beim englischen Vize-Meister FC Chelsea London angestellt, und genau von diesem Verein hat er bislang die Herren Michael Mancienne, Gökhan Töre und Jacopo Sala losgeeist. Laut englischen und deutschen Medienberichten sollen ihnen noch Jeffrey Bruma und Patrick van Aanholt, die beide ebenfalls beim FC Chelsea unter Vertrag stehen, folgen . Diese Namen sagen dir nicht viel? Grund genug, die Spieler einmal vorzustellen.

Michael Mancienne (23, ca. 2,5 Mio. Euro Ablöse)
Mancienne ist der älteste und erfahrenste der Arnesen-Einkäufe. Der Kapitän der englischen U21-Nationalmannschaft gilt als Defensiv-Allrounder. Beim HSV ist er allem Anschein nach als Alternative in der Innenverteidigung vorgesehen, wenn man für Mathijsen einen Abnehmer findet vermutlich sogar als Stammkraft. Seine Ablöse liegt im Bereich von 2 bis 2,5 Millionen Euro. Nicht gerade wenig Geld für einen, der sich bei Chelsea nicht durchgesetzt hat. Mancienne sammelte seine Profi-Erfahrungen vor allem auf seinen Stationen als Leihspieler bei den Queens Park Rangers (2. Liga) und den Wolverhampton Wanderers (1. und 2. Liga, 16 Premier League-Einsätze in der Saison 2010/11).

Jacopo Sala (19, ca. 100.000 Euro Ablöse)
Der Italiener ist ein klassisches Beispiel für einen Perspektivspieler, der sich erst einmal in der U23 des HSV an den deutschen Fußball gewöhnen soll. Sala kostet rund 100.000 Euro Ablöse, seine Verpflichtung stellt also ein überschaubares finanzielles Risiko dar. Der italienische U19-Nationalspieler Sala spielt auf dem rechten offensiven Flügel, gewissermaßen auf der vakanten Trochowski-Position. Salas Erfahrung im Seniorenbereich ist gleich Null: ein paar Spiele für die Chelsea-Reserve, das war’s.

Gökhan Töre (19, ca. 1 Mio. Euro Ablöse)
In Köln geborener Türke, der die Jugendschule von Bayer Leverkusen durchlaufen hat, ehe er 2008 in die A-Jugend des FC Chelsea wechselte. Rückte 2009 in den Seniorenbereich auf, dort lediglich in der Chelsea-Reserve eingesetzt. Gilt als schnell und nahezu beidfüßig, kann laut Arnesen seine Stärken als Linksaußen am besten ausspielen. Sollte aufgrund seiner Herkunft keine Anpassungsprobleme haben. Gerade zum ersten Mal ins Aufgebot der türkischen A-Nationalmannschaft berufen.

Jeffrey Bruma (19)
Seine Verpflichtung gilt als wahrscheinlich – ob als Kauf oder zur Leihe ist noch offen. Wie Mancienne, fühlt sich auch Bruma in der Innenverteidigung am wohlsten. Pluspunkt: Gerade zum ersten Mal für die niederländische A-Nationalmannschaft nominiert. Minuspunkt: Kaum Profi-Erfahrung. Wettbewerbsübergreifend 12 Spiele für die Erste Mannschaft von Chelsea (8mal eingewechselt). Wurde in der Rückrunde der Saison 2010/11 nach Leicester (2.Liga) verliehen, um dort Spielpraxis zu sammeln.

Patrick van Aanholt (20)
Auch der niederländische Junioren-Nationalspieler Patrick van Aanholt ist noch in der Verlosung. Beste Position: Linksverteidiger, eine alte HSV-Baustelle. Ging bei Chelsea einen ähnlichen Weg wie Mancienne und Bruma: Kam in der mit Stars gespickten Ersten Mannschaft nur sporadisch zum Zug, wurde oft an unterklassige Vereine verliehen (Leicester, Newcastle, Coventry).

Arnesen geht hohes Risiko

Das sind die Namen, die derzeit rund um die Imtech-Arena am häufigsten genannt werden. Es ist kein wirklicher Kracher dabei, was angesichts des Sparkurses beim HSV zunächst einmal nichts Schlechtes ist. Für die Verpflichtung dieser Spieler spricht auch, dass Frank Arnesen ihre Entwicklung über Jahre verfolgt hat und ihr Potenzial sicherlich gut einschätzen kann. Außerdem hat der Mann ein Auge für Talente. 1994 holte er etwa den 17-jährigen Ronaldo zum PSV Eindhoven. In seiner Amtszeit als Sportdirektor beim PSV verpflichtete er später noch Spieler wie die jungen Ruud van Nistelrooy, Mark van Bommel oder Arjen Robben für relativ kleines Geld, um sie später mit großem Gewinn weiterzuverkaufen.

Dennoch macht sich Arnesen mit der Strategie, (bislang) ausschließlich Spieler von seinem Ex-Verein zu verpflichten, angreifbar. Sollten diese Talente nicht einschlagen, wird man ihm den Vorwurf machen, ein zu beschränktes Sichtfeld zu haben bzw. sich im deutschen Fußball nicht optimal auszukennen (was er bei seiner Vorstellung vor ein paar Monaten selbst eingeräumt hat). Fehleinkäufe würden seine Position als starker Mann beim HSV bereits zu Beginn seiner Amtszeit schwächen.

Weiterhin bedeutet die Ausbildung bei einem internationalen Top-Verein nicht automatisch, dass ein Spieler das Zeug zu einem überdurchschnittlichen Profi hat. Der eine oder andere Bundesligist hat sich schon von großen Vereins-Namen blenden lassen. Oder erinnert sich noch jemand an Diego Leon und Perica Ognjenovic? Beide gingen durch die Schmiede von Real Madrid, spielten bei den „Königlichen“ in der Zweiten Mannschaft und wechselten anschließend nach Bielefeld bzw. Kaiserslautern – mit überschaubarem Erfolg.

Doch wie es nun einmal im Fußball ist: Allein der Erfolg gibt einem Recht. Wenn sich einer oder zwei von Frank Arnesens Transfers als Volltreffer erweisen sollte, wird sich der Däne vor Schulterklopfern nicht mehr retten können. Doch wenn nicht, wird er schon früh in die Kritik geraten. Am Ende kann man Arnesen nur Glück wünschen. Der wiederum muss hoffen, dass sein Trainer Michael Oenning nicht nur für gute Ergebnisse sorgt, sondern dass auch die Chelsea-Jungs an diesen Erfolgen ihren Anteil haben. Das würde Trainer wie Sportchef das Leben erleichtern.

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