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Mrz
17

FC Schalke 04: Deutscher Meister der Dilettanten

In der gesamten Fußball-Bundesliga geht es gerade hoch her. Louis van Gaal ist bei Bayern München nur noch eine „lame duck“, der Hamburger SV präsentiert sich in jeder Hinsicht kopflos, der VfL Wolfsburg taumelt ohne Konzept dem Abstieg entgegen. Doch das ist alles nichts gegen das Chaos beim FC Schalke 04. Die „Königsblauen“ haben sich in einem Herzschlagfinale den Meistertitel der Dilettanten gesichert. Dazu herzlichste Gratulation! Ist immerhin auch ein Titel.

Die Entlassung von Felix Magath als Trainer/Geschäftsführer/Vorstandsmitglied von Schalke 04 kann niemanden mehr ernsthaft überrascht haben… Oder war es jetzt Magath, der rechtskräftig gekündigt hat, um dem Vorstand um „Kotelett-Kaiser Clemens Tönnies“ (Financial Times Deutschland) noch einmal eins auszuwischen und sich für die Abfindungsverhandlungen in eine bessere Position zu bringen? Das sind juristische „Feinheiten“, bei denen es um Millionen geht, und die hier eigentlich nichts zur Sache tun. Fakt ist: Felix Magath ist weg aus Schalke!

Wer ist schuld am Chaos auf Schalke?

Ich bin der Letzte, der eine Lanze für Felix Magath brechen möchte, doch die Tatsache, dass seine Amtszeit auf Schalke in einer relativ erfolgreichen Phase beendet wurde, wirft schon ein fragwürdiges Licht auf die Spieler, die sich offenbar mehrfach bei Tönnies über Magath beschwert haben, auf Clemens Tönnies selbst, auf Peter Peters und auf Horst Heldt, den neuen starken(?) Mann im Verein.

Schwere Vorwürfe gegen Magath

Clemens Tönnies hat auf der Pressekonferenz zu Magaths Demission beinahe verschwörerisch von einem Schlüsselerlebnis gesprochen, welches seine Einstellung zum Trainer um 180 Prozent gedreht habe. Damit wird er wohl kaum meinen, dass Magath gegen einen einzelnen Spieler verbal ausfällig geworden ist. Das dürfte in Magaths 20-monatiger Amtszeit ungefähr 2.000mal passiert sein, Spiele nicht eingerechnet. Es muss sich also um etwas wirklich Schwerwiegendes handeln. Von Sex über Drogen bis Rassismus wäre da einiges im Angebot, was zur Beendigung eines Arbeitsverhältnisses führen kann – wohlgemerkt, ohne hier irgendetwas unterstellen zu wollen. Vielleicht hat Tönnies mit dieser Aussage ja auch nur einen Entlassungsvorwand für die Öffentlichkeit gesucht. Auch das wird man womöglich nie erfahren.

Wer Felix Magath holt, weiß was er bekommt

Der entscheidende Punkt ist aber: Wer Felix Magath holt, weiß was er bekommt. Einen harten Hund, der nicht gerade erster Anwärter für den Friedensnobelpreis ist. Aber eben auch einen Trainer, der fast überall Erfolg hatte. Magath hat dem VfL Wolfsburg die erfolgsreichste „Ära“ der Vereinsgeschichte beschert, den VfB Stuttgart zu Beginn des Jahrtausends reanimiert, zwischendurch den FC Bayern zu zwei Doubles und zuletzt Schalke ins Champions League-Viertelfinale und ins DFB-Pokalfinale geführt.

Doch auch wenn die Ergebnisse in der Bundesliga zuletzt toll waren und auch die Magathsche Einkaufspolitik des Öfteren seltsame Blüten trieb – was machen eigentlich die Wintertransfers Ali Karimi und Danilo Avelar? – wird man Felix Magath womöglich schon bald nachtrauern. Die zahlreichen Fans, die sich in den letzten Tagen für sein Bleiben stark gemacht haben, lassen das zumindest nicht ganz ausgeschlossen erscheinen.

Rangnick: Schritt zurück in die Vergangenheit

Jetzt holt Schalke 04 in Ralf Rangnick einen Trainer, der sich rund um die Veltins-Arena auskennt und der in seiner ersten Amtszeit (September 2004 bis Dezember 2005) auch durchaus erfolgreich war. Bester Moment seiner ersten Amtszeit: Vizemeister und DFB-Pokalfinalist 2005. Schlechtester Moment seiner ersten Amtszeit: Ex-Manager Rudi Assauer nannte ihn bei der Präsentation „Rolf Rangnick“. Schlechteste Idee seiner ersten Amtszeit: eine Ehrenrunde VOR einem Spiel drehen – es wurde sein letztes.

Rangnick ist – wie sollte es anders sein – ein ganz anderer Typ als Felix Magath. Er gilt als akribischer Taktikfuchs, der Wert auf gepflegten Fußball legt und seine Spieler wie Erwachsene behandelt. Mal schauen, wie lange das mit ihm auf Schalke gutgeht… Ich wage einfach mal einen Tipp: Rangnick geht im Sommer freiwillig, weil der Verein nicht in der Lage ist, seine Wunschspieler zu verpflichten.

P.S. Für alle, die es genauer wissen wollen mit der Deutschen Meisterschaft der Dilettanten: In der Abschlusstabelle hat der FC Schalke 04 den Hamburger SV nur aufgrund der besseren Tordifferenz auf den zweiten Platz verwiesen. Dabei hatte S04 sogar die Gelegenheit, sich durch eine Rehhagel-Verpflichtung ganz weit vom Rest abzusetzen. Doch dazu ist es zu meinem Verdruss leider nicht gekommen. Das wäre ein Spaß geworden. Platz drei belegt der VfL Wolfsburg, schon mit gehörigem Abstand. Und die Bayern haben es auch in der Dilettanten-Liga trotz der sich abzeichnenden Jupp Heynckes-Verpflichtung nicht geschafft, die nötigen Punkte für den CL-Platz zu sammeln. Es läuft halt gerade nicht beim Rekordmeister.

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