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Okt
26

Felix Magath: Der letzte Diktator Europas ist abgesetzt

In aller Regel sind im Fußball die Vereine am erfolgreichsten, die über Jahre auf Kontinuität setzen. Doch die Entlassung Felix Magaths in Wolfsburg war mehr als überfällig. Zu desaströs war seine Bilanz. Man muss sich sogar fragen, ob der „letzte Diktator Europas“ (Zitat Jefferson Farfan) überhaupt noch einmal auf einer Bundesliga-Trainerbank auftaucht.

In diesem Blog gehört Felix Magath irgendwie zum Inventar. In den letzten 21 Monaten habe ich dem ehemaligen Meistertrainer regelmäßig Misswirtschaft, miese Transferpolitik und eine noch schlechtere Menschenführung vorgeworfen. Am Ende behielt Magath lange Recht: Er durfte in Wolfsburg munter weitershoppen und Spieler wie Schachfiguren von der Tribüne in die Startelf verschieben, um sie von dort ohne Umschweife zu den Amateuren zu degradieren.

Damit ist es nun vorbei, Magath ist weg. Das Geldverbrennen hat ebenso ein Ende wie die Ausreden der hochbezahlten und oftmals auch hochveranlagten VfL-Spieler. Es wird in den nächsten Wochen interessant sein zu beobachten, ob die Befreiung vom „Diktator“ Magath zu einer unbekümmert und leidenschaftlich aufspielenden Mannschaft führen wird. Klar ist, dass jeder der 35 Spieler im „Wölfe“-Kader nun wieder seine Chance wittern wird.

Aufräumarbeiten nach Magath

Der zum Chef beförderte Amateurtrainer Lorenz-Günther Köstner wird wohl nur eine Übergangslösung sein. Der neue Cheftrainer (Ex-BVB-Trainer und Ex-Bondscoach Bert van Marwijk wird bereits heftig gehandelt) und der neue Sportdirektor (Christian Nerlinger?) haben im Winter – und vermutlich auch noch im kommenden Sommer – die Aufgabe, den VfL-Kader gehörig zu entrümpeln und zugleich aus dem anwesenden Spielermaterial eine Mannschaft zu formen.

Kontinuität kehrt so sicherlich nicht ein. Doch Hand aufs Herz: Die Kombination aus einem eisernen Trainer und einer unwilligen Mannschaft hätte den VfL auf lange Sicht zu einem Abstiegskandidaten gemacht. Jetzt dürfen sich neue Leute versuchen. Die Voraussetzungen für den Erfolg sind eigentlich da: Der VfL gehört finanziell zu den Großen in der Liga. Was man jetzt „nur“ noch braucht, sind ein Konzept und ein Gefühl für die richtige Mischung im Kader und auf dem Platz.

Das Ende von „Quälix“?

Der Geschasste hat in der Autostadt noch einen Vertrag bis Juni 2015. Dieser Umstand dürfte dem mittlerweile 59-Jährigen eine nette Abfindung bescheren. Eins ist klar: Arbeiten muss der Vater von sechs Kindern nicht mehr. In der Bundesliga dürfte es zudem keinen Verein mehr geben, der sich „Quälix“ leisten kann und bereit wäre, ihn zu beschäftigen. Dafür hat der Magath-Nimbus hat in seiner zweiten Wolfsburger Amtszeit zu sehr gelitten.

Bliebe noch RB Leipzig. Magath wäre ganz sicher eine Lösung nach dem Geschmack des ambitionierten Red Bull-Chefs Dietrich Mateschitz, der mit den Leipzigern auf Gedeih und Verderb in die Bundesliga will. Doch gegen ein baldiges Magath-Engagement spricht derzeit einiges:

1.) Der dreimalige Meistertrainer wird sich sicherlich nicht die Regionalliga antun wollen, in der RB gerade spielt.
2.) Mit Ralf Rangnick als Sportdirektor in Leipzig und Salzburg sowie Gérard Houllier als Global Sports Director beschäftigt Red Bull erst seit Juni zwei große Namen der Szene. Magath wäre aber wohl nur an einem Posten als Trainer und Sportdirektor in Personalunion interessiert, wie er ihn in Stuttgart, Wolfsburg und auf Schalke bekleidete.

Ein „Hügel der Leiden“ im heimischen Garten?

Was ist mit dem Ausland? Mit einer Erfahrung in England, Spanien oder Italien hat Magath in der Vergangenheit immer wieder geliebäugelt. Doch ist es wirklich realistisch, dass ein Verein aus einer der großen europäischen Ligen einen Mann holt, der eine Sprachbarriere zu überwinden hat und dem nicht gerade der Ruf eines modernen Fußballlehrers vorauseilt?

Ein Engagement als Nationaltrainer scheint mir derzeit das realistischste Szenario zu sein. Wirtschaftlich aufstrebende Nationen, die ihren Aufschwung auch durch ein gutes Fußballteam repräsentiert sehen wollen, gibt es gerade in Osteuropa und Asien mehr als genug. Doch muss ein 59-Jähriger, der in seinem Leben genug Geld verdient und einige Erfolge gefeiert hat, für ein paar Millionen mehr noch die Nationalmannschaft von Absurdistan trainieren?!

Ich lehne mich mal so weit aus dem Fenster zu sagen, dass wir Felix Magath auf der großen Fußballbühne nicht mehr wiedersehen. Seinen Kindern beim Aufwachsen zuzusehen, soll ja auch ganz erfüllend sein. Und wenn das Grundstück groß genug ist, kann man sicherlich auch einen „Hügel der Leiden“ errichten, auf dem Papi seine Sprösslinge für das richtige Leben abhärten kann, wenn ihm langweilig ist…

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