«

»

Mai
08

Financial Fairplay: Der ewige Zankapfel

Eigentlich ist die Idee des Financial Fairplay so simpel wie großartig: Jeder Verein soll nur so viel Geld ausgeben dürfen, wie er einnimmt. Schluss also mit endlosem Schuldenmachen oder dem Ausstellen von Blankoschecks durch Mäzene oder Investoren. Doch das Prinzip bietet Angriffsfläche. Nicht von ungefähr klagt nun auch ein Spielerberater gegen die Reform.

Die wichtigsten Fakten zum Financial Fairplay (FFP)

  • Auf den Weg gebracht von UEFA-Präsident Michel Platini
  • Inkrafttreten mit der Saison 2011/2012
  • Phase I (2012 – 2014): Für diesen Zeitraum werden den Vereinen Verluste bis zu 45 Millionen Euro zugestanden
  • Phase II (2014 – 2017): Für diesen Zeitraum werden den Vereinen Verluste bis zu 30 Millionen Euro zugestanden
  • Ab Saison 2017/2018: Die Klubs dürfen pro Spielzeit nur so viel Geld ausgeben, wie sie einnehmen
  • Ziel des FFP: Regulierung von Spielergehältern, Ablösesummen, Beraterhonoraren etc.
  • Unter Einnahmen fallen: Preisgelder, TV-Gelder, Sponsoringeinnahmen, Erträge aus Ticketverkauf und Merchandising, Erlöse aus Spielerverkäufen
  • Wichtig I: Verluste in der Bilanz können NICHT durch Finanzspritzen von Investoren oder Mäzenen ausgeglichen werden
  • Wichtig II: Investitionen in den Jugendbereich, Infrastruktur, soziale Projekte o.Ä. zählen NICHT als Ausgaben
  • Aufsicht durch das UEFA-Kontroll-Panel
  • Sanktionen: Geldstrafen, Einfrieren von Prämien bis hin zum Ausschluss aus den internationalen Wettbewerben

Wer klagt gegen das Financial Fairplay?

Am 6. Mai 2013 hat der belgische Spielerberater Daniel Striani bei der Europäischen Kommission in Brüssel Anzeige gegen die UEFA aufgrund der Durchführung der Bestimmungen des Financial Fairplay erhoben.

Striani bringt vor, dass das Financial Fairplay gravierende wirtschaftliche Einschnitte bei den Vereinen nach sich ziehen würde. Konsequenz: Die Anzahl der Transfers und damit auch die Verdienstmöglichkeiten für Spielerberater würden sich zukünftig reduzieren. Striani fordert europaweit uneingeschränkte Investitionsmöglichkeiten.

Was hat der Bosman-Anwalt damit zu tun?

Interessant: Juristisch vertreten wird Striani von Jean-Louis Dupont. Der belgische Anwalt machte sich bereits als Rechtsbeistand eines gewissen Jean-Marc Bosman einen Namen, das 1995 gefällte „Bosman-Urteil“ stellte das komplette Transfersystem im Fußball auf den Kopf.

Angriffspunkte des Financial Fairplay

Unabhängig von der Klage Strianis, die geringe Aussichten auf Erfolg haben dürfte, weil die EU-Kommission das FFP bereits vor einem Jahr für rechtens erklärt hat, bietet Platinis „Baby“ einige Angriffsfläche:

  • So hat die UEFA bislang nur kleinere Vereine gemaßregelt. Der bislang dickste Fisch ist Champions-League-Viertelfinalist FC Malaga, der nach einem allzu kurzen Investment des Scheichs Abdullah Bin Nasser Al Thani nach dessen Rückzug plötzlich mit einem Schuldenberg dastand, den der Verein auch durch Spielerverkäufe in großem Stil nicht begleichen konnte. Die doppelte Strafe folgte auf dem Fuß: Am 21. Dezember 2012 schloss die UEFA die Andalusier vom europäischen Wettbewerb der Saison 2013/14 aus. Das mag gerecht erscheinen, doch andere „größere“ Vereine haben sich in den letzten Jahren größere Verfehlungen geleistet
    => nicht wenige rechnen damit, dass die UEFA mit zweierlei Maß messen wird und dass Vereine wie Real Madrid, der FC Barcelona, Manchester United, Manchester City, der FC Chelsea oder der AC Milan weiterhin munter Verluste einfahren dürfen, ohne Sanktionen zu erfahren.
  • Das FFP lässt ein dickes Schlupfloch: Was, wenn der Investor zugleich der Hauptsponsor ist? Sponsoringeinnahmen sind schließlich auch nach den FFP-Regeln keine „bösen“ Einnahmen, sondern solche, die auf der Plusseite verbucht werden dürfen. Nach einem solchen Prinzip wird beim designierten französischen Meister Paris St. Germain bereits heute verfahren: Die Investorengruppe „Qatar Sport Investment“ (QSI) soll angeblich im Rahmen eines „Sponsorenvertrages“ rund 200 Millionen Euro jährlich locker machen. Bei einer solchen Summe fällt es in der Tat schwer, am Jahresende Miese aufzuweisen. Zum Vergleich: Deutschlands Krösus Bayern München erhält erfolgsabhängig geschätzt zwischen 25 und 30 Millionen Euro jährlich von seinem Hauptsponsor „Deutsche Telekom“.

Merke: Der Gedanke hinter dem Financial Fairplay ist goldrichtig. In der Realität hat das System jedoch etliche Lücken. Es darf zumindest bezweifelt werden, dass der internationale Spitzenfußball in den kommenden Jahren „gerechter“ wird. Dabei wäre schon durch Konsequenz in der Sanktionierung und das Schließen der Schlupflöcher viel gewonnen…

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*