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Jul
04

Frauen- vs. Männerfußball – Kölner Studie verrät, was Marta & Co. anders machen

Eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln macht die Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfußball deutlich – für jeden, der sie noch nicht mit bloßem Auge erfasst hat.

Das Institut für Kognitions- und Sportspielforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln hat sämtliche Spiele der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2007 in China im Rahmen einer Videoanalyse unter die Lupe genommen. Hier die Kern-Erkenntnisse der Studie:

  • Im Frauenfußball werden die meisten Torchancen zentral vor dem Strafraum vorbereitet (auch auf internationalem Top-Niveau)
  • Über 80 Prozent aller Tore werden von innerhalb des Strafraums erzielt
  • Bei etwa jedem fünften Tor befindet sich die Zuspielerin selbst im Strafraum
  • Kopfballtore unmittelbar nach Flanken sind zwar eine Seltenheit, allerdings resultieren mehr als 20 Prozent aller Tore aus Kopfballverlängerungen
  • Jeder 15. Eckball führt zu einem Torerfolg (bei den Männern auf Top-Niveau etwa jeder 10.). Zitat der Forscher: „Zum Erfolg nach Eckbällen trägt auch fehlerhaftes gegnerisches Abwehrverhalten bei.” Die Studie der DSHS geht hier leider nicht ins Detail, empfiehlt aber vielsagend, „im Torhütertraining das Abfangen und Wegfausten von Eckbällen zu berücksichtigen.“

Frauenfußball: Luft nach oben in der Luft und am Boden

Der Frauenfußball muss mit dem ständigen Vergleich mit den Männern leben. Nimmt man diese Studie der Deutschen Sporthochschule als Referenz, werden die Unterschiede schnell deutlich:

Weitschuss- und Kopfballtore sind im Frauenfußball eine Rarität. Auch das Flügelspiel ist weniger stark ausgeprägt. Wozu auch, wenn man über die Mitte häufig genug zum Abschluss kommt?

Hier wird deutlich, dass beim Frauenfußball sowohl im Angriffs- als auch im Abwehrverhalten noch jede Menge Luft nach oben ist. Wenn die Angreifer noch im gegnerischen Strafraum kombinieren können, ist das kein Kompliment für die Abwehrreihen. Sie lassen schlicht und einfach zu viel zu. Und so lange im Frauenfußball die einfachste Option – das Spiel über die Mitte – noch zu genug Toren führt, wird sich das Spiel kaum weiterentwickeln. Zuerst muss sich also das Defensivverhalten verbessern, damit die Angriffsspielerinnen gezwungen werden, sich selbst weiter zu verbessern. Bei den Männern, wo in der Mitte kaum Räume vorhanden sind, geht dagegen nichts über Tempo, schnelles Umschalten und das Ausnutzen des gesamten Spielfeldes.

Potenzial liegt für die Offensivspielerinnen sicherlich auch im Verbessern des Kopfballspiels – sowohl aus dem Spiel heraus als auch nach Standards. Weitschüsse stellen eine weitere, bislang kaum ausgeschöpfte Möglichkeit dar, zum Torerfolg zu kommen. Allerdings werden viele Trainer/-innen (zu Recht) eine spielerische Lösung bevorzugen, zumal Spielerinnen mit einem gewaltigen „Huf“ bei gleichzeitiger Präzision eine echte Rarität sind.

Last but not least das Torwartspiel: Wie die WM der Männer in Südafrika vor einem Jahr gezeigt hat, sind gute Torhüter auch bei den Herren eine aussterbende Spezies. Bei den Frauen besteht auf dieser Position allerdings noch ein weitaus größerer Handlungsbedarf. Weitschüsse, Strafraumbeherrschung, Fangsicherheit – die Möglichkeiten zur Verbesserung sind nahezu unbegrenzt. Zudem wäre eine Verkleinerung der Tore (so chauvinistisch das klingen mag) nicht zuletzt aufgrund der geringen Körpergröße der meisten Torfrauen durchaus eine Überlegung wert.

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