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Okt
14

Fünf Erkenntnisse zur deutschen Nationalmannschaft

Die Nationalmannschaft ist auf EM-Kurs. Doch bei der Mannschaft von Joachim Löw ist noch viel Luft nach oben.

Nach dem 3:0 in Estland hat die deutsche Nationalmannschaft die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 weiter in eigener Hand. Das ist die gute Nachricht. Doch auch wenn einige arrivierte Kräfte fehlen, weist der einstige Weltmeister – und das ist gar nicht so lange her – noch einige Schwachstellen auf. Hier sind fünf Erkenntnisse aus dem Test gegen Argentinien (2:2) und dem Pflichtsieg am Sonntag im Baltikum:

1. Die Qualifikation wird glücken

Zwei Spiele im November bringen die Entscheidung, und es gibt kaum einen Zweifel, dass die DFB-Auswahl das Ticket in den Heimspielen gegen Weißrussland am 16. November und drei Tage später in Frankfurt gegen den Verfolger Nordirland lösen wird. Dafür spricht der immer noch vorhandene Klassenunterschied der Einzelspieler, aber auch die Ausgangslage.

Selbst bei einer nicht zu erwartenden Niederlage gegen den Underdog aus Weißrussland genügt der Löw-Elf im Gruppenfinale gegen die Nordiren aufgrund des 2:0 im Hinspiel in Belfast im Normalfall bereits ein Unentschieden, um aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs vorne zu bleiben – knifflig könnte es nur werden, wenn Tabellenführer Niederlande im November in Belfast verliert und zum Abschluss ebenfalls Remis spielt. Dann käme es zu einem Dreiervergleich.

Nach der Qualifikation aber lautet die Frage: Kann Löw bis zum EM-Start im kommenden Juni mit Gruppenspielen in München eine Mannschaft formen, die zumindest für das Halbfinale infrage kommt?

2. Die Option Hummels sollte man nicht ausschließen

Löw ist ein seltsamer Bundestrainer. Mal nibelungentreu, wie in der Vergangenheit etwa bei Lukas Podolski. Mal resolut gegen einen Akteur, wie vor der WM 2018 gegen den bereits damals extrem starken Leroy Sané. Oder aber wie seit dem Debakel des Vorsommers in Russland gegen einen Weltmeister wie Mats Hummels. Dabei ist das Abwehrzentrum die Achillesferse der deutschen Mannschaft.

Niklas Süle ist in seinen jungen Jahren ein sehr guter Innenverteidiger, doch auch er hat noch schlechte Tage. Hinter ihm klafft nach der Hummels-Ausbootung eine Lücke. Jonathan Tah oder Matthias Ginter sind keine internationalen Top-Männer, noch dazu wären beide bei der EM erstmals bei einem Turnier in vorderster Front. Ein Youngster wie Robin Koch muss noch lernen. Akteure wie am Sonntag Emre Can, der in der 14. Minute vom Platz flog, sollten in einem Turnier nicht auf dieser ungewohnten Position eingesetzt werden. Selbst dann nicht, wenn ein vielseitiger Leistungsträger wie Joshua Kimmich in die hinterste Reihe rückt und auch diese Aufgabe erstaunlich gut löst.

Der Dortmunder Hummels mag nicht (mehr) der Schnellste sein, doch seine Präsenz, sein Kopfballspiel und nicht zuletzt seine Ruhe und seine Qualitäten beim Spielaufbau heben ihn immer noch von den aktuellen Löw-Spielern ab.

3. Es gibt auch Luxusprobleme

Löw ist ebenfalls kein Bundestrainer, der seine Stärken im Generationenwechsel hat. Das derzeitige Spielermaterial lässt dem Coach zwar nicht mehr die ganz große Qual der Wahl, doch bereits seine Schwierigkeiten, das Juwel Kai Havertz einzubinden, wenn etwa auch der ewig gesetzte Toni Kroos fit ist, könnte zum Problemherd werden. Havertz drängt verdientermaßen in die erste Elf, doch im System Löw ist für ihn kaum ein Platz.

4. Stürmer braucht das Land 

Echte Torjäger sind weltweit selten geworden. Der klassische Mittelstürmer hat in vielen Spielphilosophien zudem ausgedient, das macht die Sache gewiss nicht einfacher. Doch dem deutschen Spiel fehlt vor allem eines: Effizienz. Feine Offensivspieler wie Marco Reus, der am Sonntag fehlende Serge Gnabry oder der langzeitverletzte Sané sorgen für feine Momente und aus der Not heraus auch oft für die Tore. DEN Torjäger gibt es nämlich nicht. Timo Werner, etatmäßig Löws Mann für das Zentrum, zeichnet sich im Nationaltrikot vor allem dadurch aus, beständig nicht die besten Entscheidungen zu treffen. Bis zur EM wird man gewiss auch keinen perfekten Spieler für das Zentrum mehr finden.

5. Gnabry ist tatsächlich unverzichtbar

Löw hatte Gnabry im Spätsommer gewissermaßen den Persilschein ausgestellt. Dass er damit richtig lag, wurde offensichtlich, als der Bayern-Rechtsaußen nun fehlte. Gnabry ist nicht nur der Mann für viele Tore (10 in 11 Länderspielen bislang), sondern auch ein Spieler, der in Lücken vorstößt oder welche reißt. Auf der linken Seite könnte ein fitter Sané im kommenden Sommer zu seinem Äquivalent werden. Zumindest der Gedanke an diese Kombination weckt eine gewisse Vorfreude auf die paneuropäische EM.

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