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Aug
26

Fünf Gründe, warum der 1. FC Köln zur Überraschung wird

Bayern, Wolfsburg, Dortmund, Schalke, Leverkusen, Gladbach – wenn alles normal verläuft, werden diese sechs Vereine die Europapokalplätze in der Fußball-Bundesliga unter sich ausmachen. Dahinter klafft aber leistungsmäßig eine Lücke, in die in dieser Saison der 1. FC Köln vorstoßen könnte. Fünf Gründe, warum die Geißböcke „best of the rest“ werden.

Grund 1: Die richtigen Leute an der richtigen Stelle

Vor ziemlich genau drei Jahren lag der 1. FC Köln sportlich wie wirtschaftlich am Boden. Im Mai 2012 zum fünften Mal aus der Bundesliga abgestiegen, drückten den Klub Schulden von mehr als 30 Millionen Euro. Die charakterlich in vielen Fällen nicht einmal zweitklassigen Spieler der Abstiegssaison verließen den Klub in Scharen, auch das Image des FC war nach zahlreichen Fanattacken ruiniert. Und zu allem Überfluss mussten vom Präsidium über das Management bis hin zum Trainer auf allen Ebenen Schlüsselposition nahezu zeitgleich neu besetzt werden.

Nach einem Jahr der Konsolidierung in der 2. Bundesliga unter dem neuen Präsidium Werner Spinner, Toni Schumacher und Markus Ritterbach wurden die Geschäftsführung (Jörg Schmadtke, Alexander Wehrle) und der Trainerposten (Peter Stöger) mit fähigen, analytischen Charakteren besetzt, die den Verein seither kontinuierlich nach vorn gebracht haben. Mittlerweile ist der FC – einst auf der Chaos-Skala der härteste Rivale des Hamburger SV – fast so wenig skandalträchtig wie 1899 Hoffenheim oder Bayer Leverkusen (oh ja). Das wirkt sich auch positiv auf die Entwicklung der Mannschaft aus: Nun erfahren selbst die exzellent informierten Kölner Boulevard-Medien erst dann von einer Neuverpflichtung, wenn der Klub sie per Pressemitteilung präsentiert. Diese neue Ruhe und Struktur wird sich irgendwann auszahlen. Vielleicht schon 2015/16.

Grund 2: Die richtige Mischung im Kader

Timo Horn, Dominique Heintz, Jonas Hector, Yannick Gerhardt, Kevin Vogt, Marcel Risse, Leonardo Bittencourt, Simon Zoller – allesamt junge deutsche Spieler, die noch viel Entwicklungspotenzial besitzen. Dazu talentierte Kicker aus dem Ausland wie Pawel Olkowski, Frederik Sörensen, Milos Jojic, Kazuki Nagasawa, Yuya Osako oder Bard Finne. Und gestandene Spieler wie Dominic Maroh, Matthias Lehmann oder der neue Sturmführer Anthony Modeste. Diese Namen sprechen für sich: Der FC hat in dieser Saison eine breit aufgestellte, veranlagte Mischung beisammen, die ohne die ganz großen Stars unter der Führung von Stöger hervorragend harmoniert und sich fußballerisch Schritt für Schritt entwickelt. Mit einer solchen Mischung haben schon Vereine wie der FC Augsburg oder Mainz 05 die Liga aufgemischt.

Grund 3: Der neue gute Ruf als Schaufenster

Vor wenigen Jahren war der FC eine begehrte Adresse für Fußball-Rentner, die nochmal Kasse machen wollten, aber nicht für Talente mit großer Zukunft. Anstelle eines Maniche oder Mondragon kommen die Talente mittlerweile gerne wieder nach Köln – nicht zuletzt weil sie wissen, dass Stöger junge Spieler weiterentwickeln kann. Der FC anno 2015 ist wieder eher Sprungbrett als Schaukelstuhl.

Das zahlt sich auch für den Verein aus: Mindestens die Hälfte der Spieler im Kader wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren noch besser werden. Clevererweise hat der Verein sie mit langfristigen Verträgen ausgestattet. Im Fußball-Business-Deutsch bedeutet das: Sie werden hohe Gewinne bei Vereinswechseln abwerfen, was auch den 1. FC Köln auf solide Beine stellen wird. Bis sie zu den großen Klubs in Deutschland oder Europa wechseln, werden sie den FC aber zunächst sportlich voranbringen. Eine klassische win-win-Situation.

Grund 4: Anthony Modeste

Nichts für ungut, aber so mancher Fan auf der Kölner Südtribüne dürfte bis zuletzt geglaubt haben, dass Anthony Ujah weiterhin für den FC stürmt. Immerhin trägt Nachfolger Anthony Modeste den gleichen Vornamen, hat die gleiche Hautfarbe und eine ähnliche Statur. Wenn man Modeste aber spielen sieht, wird der Unterschied schnell deutlich.

Der 27-jährige Franzose ist um Längen stärker am Ball als der drei Jahre jüngere Nigerianer, dazu mit einem besseren Spielverständnis und einem besseren Kopfballspiel gesegnet. Für die Ablösesumme von 4,5 Millionen Euro (genauso viel hat Werder Bremen für Ujah bezahlt) hat sich der FC im Sturmzentrum deutlich verbessert.

Davon profitieren auch die Mittelfeldspieler, die von Modeste mit brauchbaren (!) Ablagen bedient werden. Eine Frage bleibt aber: Warum hat 1899 Hoffenheim diesen Spieler im besten Fußballeralter abgegeben, nur um sich den 33 Jahre alten Kevin Kuranyi zu holen?

Grund 5: Es wird einfach nochmal Zeit

Letztmals hat sich der 1. FC Köln in der Saison 1991/92 für den Europapokal qualifiziert. Die von Jörg Berger trainierte Mannschaft wurde damals Vierter – bis dato zugleich das letzte Mal, dass der erste Bundesliga-Meister im Oberhaus auf einem einstelligen Tabellenplatz eingelaufen ist. Nach 24 Jahren wird es also allerhöchste Zeit. Noch ist es früh genug, sich über einen Wettbonus zu informieren

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  1. #Link11: Wenn es passiert | Fokus Fussball sagt:

    […] zur Überraschung der Saison und »Best of the Rest« hinter den großen Sechs werden könnte, will Aktives Abseits in fünf Punkten […]

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